Abgastests mit Affen: Unethisch und unwissenschaftlich

 

Be vegan! Keine Abgastests mehr mit Tiermodellen.

Der Bundesverband fordert die Entwicklung tierversuchsfreier Forschungs-Methoden.                                                                                                                                                  Logo: (c) Menschen für Tierrechte

Die deutsche Automobilindustrie hat in den USA Versuche an Langschwanzmakaken zur Verharmlosung des Gesundheitsrisikos von Dieselabgasen durchführen lassen. 

Der Bundesverband Menschen für Tierrechte kritisiert diese Versuche aufs Schärfste und fordert die Industrie auf, stattdessen in die Entwicklung tierversuchsfreier Methoden zu investieren.

Wie die New York Times am Wochenende bekannt gab, hat der deutsche Automobilhersteller VW über die Lobbyorganisation „Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor (EUGT)“ 2013 einen Tierversuch mit Primaten in Auftrag gegeben, der den Schadstoffausstoß seines Modells Beetle verharmlosen sollte. Die Tierversuche mit Makaken wurden beim Lovelace Respiratory Research Institute (LRRI) im US-Bundesstaat New Mexiko durchgeführt.

Missbrauch in Abgastests für PR-Kampagne

Der Bundesverband Menschen für Tierrechte zeigt sich erschüttert von diesen aktuellen Enthüllungen. „Hier wurden offensichtlich Tiere missbraucht, um eine PR-Kampagne für den Diesel zu fahren. Das Ziel war ganz klar, das giftige Potenzial der eigenen Technologien zu verharmlosen. Dabei hat die Weltgesundheitsorganisation solche Abgase schon lange als krebserregend eingestuft“, kritisiert Christina Ledermann, stellvertretende Vorsitzende vom Bundesverband Menschen für Tierrechte.

Unethisch und unwissenschaftlich

Das Studienkonzept sei noch dazu wissenschaftlich nicht haltbar gewesen, weshalb die Affen am Ende umsonst die Belastungen ertragen mussten. Zudem wurde bekannt, dass die Abgase bei dem Test manipuliert wurden, um den Ausstoß von Stickoxiden zu senken. Außerhalb Europas ist es einfacher, Affen in giftigen Inhalationstests einzusetzen, weshalb wohl höchstwahrscheinlich die USA als Studienort gewählt wurden. Gemäß den europäischen OECD-Testrichtlinien werden für Inhalationstests hauptsächlich Ratten eingesetzt. Primaten kommen in Deutschland vor allem in gesetzlich vorgeschriebenen Giftigkeitstests für die Zulassung von Arzneimitteln zum Einsatz, in 2016 waren 1.756 Makaken davon betroffen.

Gute PR: Investitionen in tierversuchsfreie Verfahren

„Dass sich die Konzerne im Nachhinein entschuldigen und eine Untersuchung ankündigen entbindet sie nicht von ihrer ethischen Verantwortung, zumal zu dem gleichen undurchsichtigen Zweck auch noch eine Humanstudie mit 25 freiwilligen Probanden durchgeführt wurde. Wir erwarten von der Industrie auf solch unethische Versuche zu verzichten und stattdessen in die Entwicklung aussagekräftiger, tierversuchsfreier Verfahren zu investieren. Beispiele für Meilensteine auf dem Weg dorthin gibt es bereits. Ein Schweizer Unternehmen ist inzwischen schon in der Lage, den gesamten Respirationstrakt des menschlichen Körpers nachzubilden“, sagt Ledermann. Die meisten solcher Testentwicklungen dienen Schadstofftests, beispielsweise für die Tabakindustrie.

Aus Sicht des Bundesverbandes Menschen für Tierrechte wird hier wiederum deutlich, dass sich Europa noch immer nicht auf ein Ausstiegsszenario aus dem Tierversuch geeinigt hat. Dabei hätten die Niederlande schon 2016 vorgemacht, wie die Umsetzung der europäischen Ziele aus der EU-Tierversuchsrichtlinie 2010/63 aussehen könnte. Jetzt käme es entscheidend darauf an, dass die EU-Mitgliedstaaten gemeinsam auf dieses Ziel hinarbeiten.

 

 

 

 

 

 

Quelle: Menschen für Tierrechte