Julia Butterfly Hill: 738 Tage auf dem Redwood-Baum „Luna“

Die Fragen stellte Guido Barth (Archiv)

vegan leben heißt die Natur schützen

Julia Butterfly Hill

Julia Butterfly Hill hat zwei auf dem tausend Jahre alten Redwood-Baum „Luna“ gelebt. Sie hat ihn damit vor den Kettensägen der Holzfäller gerettet. Julia, die schon lange vegan lebt, ist seither eine gefragte Interview-Partnerin. Sie gibt sehr viele Seminare und Workshops und sie schreibt sehr viel.


Julia Butterfly Hill, wie siehst Du die Zukunft für unseren Planeten?

Es gibt da keine Kristallkugel in die ich schauen kann. Es gibt nur einen Spiegel. Die Zukunft gestaltet sich aus den Taten, die wir Lebewesen heute vollbringen – gute, wie schlechte. Ich jedenfalls bin mir meiner Verantwortung voll bewusst und ich habe mich der Aufgabe verschrieben, andere darauf aufmerksam zu machen, dass sie sich ihrer Verantwortung genauso bewusst werden.

Julia ist eine vegan lebende Umweltaktivistin

Der Baum lebt.

Zwei Jahre hast Du auf dem tausend Jahre alten Redwood-Baum „Luna“ gelebt und ihn damit vor der Motorsäge gerettet. Damit hast Du vielen Menschen Mut und Hoffnung gegeben. Wie hat sich in den zwei Jahren Dein Verständnis für alles Lebendige geändert?

Ich habe ganz tief in meinem Inneren empfunden, was wir alle wissen, dass nämlich alles Leben auf dieser Welt miteinander kommuniziert, alles ist miteinander verbunden. Wir Menschen haben leider vergessen mit allen Sinnen die Welt zu erkennen. Traurigerweise glauben wir nur noch an unsere verbale Sprache. So verkümmern nicht nur unsere Sinne, sondern auch unsere Sicht für das intakte große Ganze. Leider zerstört diese Sichtweise unsere Umwelt und auch uns selbst. Dabei greift doch alles ineinander, die Natur, die Erde, das Sonnensystem und die Universen. Unsere Leben wären um einiges erfüllter, würden wir uns mehr auf unsere Sinne verlassen. Uns würden sich ganz neue Wege eröffnen, wir würden spüren, dass wir mit allen und allem sehr eng verbunden sind. Die Liebe zueinander und der Respekt voreinander bekäme eine ganz neue Dimension.

Zwei Jahre auf einem Baum – das ist eine lange Zeit. Seither bist viel beschäftigt. Woran arbeitest Du gerade?

Ich arbeite an verschiedenen Projekten. Viele Leute denken, ich schreibe hauptsächlich, was nicht ganz stimmt. Ich schreibe zwar viel, aber da sind noch sehr viele andere Sachen, um die ich mich kümmere. Allein schon die vielen Interviews und Seminare, die ich gebe. Ich engagiere mich für die Situation von Häftlingen in Gefängnissen, gegen die Militär-Industrie, für Ernährung, Nachhaltigkeit, für natürliche Lebensgemeinschaften und vieles mehr.

Ein Beispiel bitte, was heißt das genau?

Ich unterstütze Menschen, die sich um die Wahrheit bemühen und für eine bessere Welt kämpfen. Eine der Kampagnen hatte einen sehr patriotischen Ansatz. Wir haben die Menschen in Amerika über die massiven Ungerechtigkeiten der Bush-Regierung aufgeklärt. Hierbei geht es neben dem patriotischen Ansatz natürlich um sehr viele globale Probleme. Das betrifft wirklich die ganze Welt. Kaum jemand weiß, welche katastrophalen Folgen die Bush-Regierung allein für unsere Umwelt gehabt haben. Das soll nicht wieder passieren. Viele gute Gesetze sind geändert worden, die vorher z.B. von Bill Clinton unterzeichnet worden sind.

Wie bringt ihr eure Botschaft an die Öffentlichkeit?

Neben der klassischen Öffentlichkeitsarbeit, den Seminaren und Workshops organisieren wir viele Festivals und Tourneen mit dem Namen „WE THE PLANET“. Dabei bieten wir integrale und nachhaltige Lösungen für die Zukunft.

die Natur schützen und Menschen helfen

Julia Butterfly hilft wo sie gebraucht wird.

Welches sind Deine persönlichen Ziele?

Da trenne ich kaum. Ich möchte so viele Menschen, wie nur irgend möglich erreichen, sie neugierig machen und anregen, sie zusammen bringen, damit sie gemeinsam aktiv werden für ein gesünderes, gerechteres und nachhaltigeres Leben. Ich möchte die Werte der not-for-profit Unternehmen mit denen der for-profit Unternehmen zusammen bringen. Davon verspreche ich mir erfolgreiche Partnerschaften für den Menschen und den Planeten. Das halte ich für außerordentlich wichtig.

vegan leben ist natürlich

Natur ist Leben und Glück

Bist Du glücklich?

Ja. Ich liebe es für andere da zu sein und genau das macht mich glücklich. Es gibt sehr viele Herausforderungen auf dieser Welt. Da werde ich gebraucht. Anderen helfen, das ist das Leben, das ich mir gewünscht habe. Jeder sollte das machen, wozu er Lust hat. Dann wären wir alle glücklicher und die Welt wäre etwas schöner. Davon bin ich fest überzeugt.

Du lebst schon lange vegan, warum?

Weil ich genau weiß, das es von riesengroßer Bedeutung ist, was wir mit der Gabel von unserem Teller essen. Ich verstehe nicht, warum das immer als Nebensache abgetan oder sogar ignoriert wird. Dabei entscheiden wir mit dem, was wir essen über die Erde, das Wasser, die Energie, die Tiere, Gerechtigkeit und natürlich über unseren Körper; was auf dem Teller liegt entscheidet über Krieg und Frieden, über alles. Ich verstehe meinen veganen Lebensstil als etwas Revolutionäres – als eine Revolution für den Frieden. Ich liebe es vegan zu leben, es macht mich sehr stolz und glücklich!

Seit Jahren wird viel über genetisch manipulierte Nahrungsmittel gestritten. Die Konzerne engagieren sich mit Milliarden Dollars und erreichen bei Regierungen mehr und mehr Unterstützung. Wie ist Deine Meinung zu diesem Thema?

Nahrungsmittel genetisch manipulieren ist für mich Terrorismus. Das ist Bio-Terrorismus, extrem skrupellos. Darin steckt so viel zerstörerisches Potential, mit unabschätzbaren Folgen. Das Schlimmste ist, wir können es nicht kontrollieren. Ich bin absolut dagegen. Ich bin bei der „Organic Consumers Association“ als beratendes Vorstandsmitglied aktiv und kann so etwas Einfluss nehmen, gegen ein riesiges globales Netzwerk von Kapital und Macht.

Ganz konkret, wie können wir die Erde retten?

Richtig ist, wenn wir uns immer vor Augen halten, dass wir die Natur nicht nur für uns schützen müssen, sondern auch für die kommenden Generationen, am besten für die nächsten sieben Generationen. Nur auf dieser Basis können für den Erhalt der Natur gute Entscheidungen getroffen werden. Nur auf diese Weise bleibt die Welt im Gleichgewicht. Das ist die Erfahrung vieler Naturvölker. Letztlich wird die Erde überleben, entweder mit uns oder ohne uns. Aber mit unserer Technologie können wir sie zerstören oder (wieder-) aufbauen. Es liegt ganz allein an uns. Jede Entscheidung, die wir treffen, ist von Bedeutung. Wirklich, jede. Sei es, das wir zu Fuß gehen, das Fahrrad nehmen oder öffentliche Verkehrsmittel. Entweder wir strengen uns wirklich an, die Natur zu schonen: Luft, Wasser, Erde, Tiere, Bäume Pflanzen oder wir hinterlassen unseren Kinder eine zerstörte Natur.

 

Informationen unter: www.juliabutterfly.com

 

©Guido Barth
Alle Fotos von Julia Butterfly Hill / www.juliabutterfly.com


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