Punkband: „A Wilhelm Scream“: Interview mit Bassist Brian Robinson (vegetarisch)

Go vegan!

„A Wilhelm Scream“. Brian sitzt ganz links. Fotocredit: (c) Chris Robinson

Guido Barth trifft: Brian Robinson

Erst das Interview, danach in die Show. Ich bin verabredet mit Brian Robinson von der US Punk-Formation „A Wilhelm Scream“. „AWS“, wie sie kurz genannt werden sind in der Szene eine echte Hausnummer. Auf der aktuellen Tour ist auch ein Termin in Hannover. Im „Bei Chez Heinz“. Dort wollen wir uns treffen.

 

Nach ein bisschen hin und her – Stijn, der vegane Tourmanager, aus Belgien, muss Brian noch wecken… Der kommt auch kurze Zeit später. Wir begrüßen uns am Merchandizing-Stand, wo ich mir das Angebot anschaue. „Die Party gestern war doch etwas länger“,  sagt Brian und reicht mir die Hand. Stijn bringt uns beide Backstage, in einen wenig gemütlichen Raum. Dort sitzen mit dem Sänger, Nuno Pereira, und Trevor Reilly, Gitarre und Gesang, noch andere „AWS“ Bandmitgleider und Dennis Meyer, der Bassist von „KMPFSPRT“, dem Support aus Deutschland ist auch da. Mit ihm hatte ich bereits vor kurzem ein Interview.

250 Shows in einem Jahr

„A Wilhelm Scream“ sind eine touraffine Band. In zahlreichen Interviews der vergangenen Jahre heißt es zwar immer, die Jungs wollten zurückstecken, weil das Tourleben doch recht hart sei und man ja auch schon Familie habe. Ich frage Brian, was da dran ist und wieviele Gigs sie im Jahr spielen würden. Brian lacht: „Ja, klar, Touren ist schon anstrengend, aber es macht auch wahnsinnig viel Spaß. Eigentlich machst Du ja dafür Musik. Du willst auf der Bühne stehen und du möchtest für Leute spielen.“ Er denkt kurz nach und meint schließlich, „die meisten Gigs haben wir 2010 gespielt. Das waren so um 250.“ „Unglaublich“, attestiere ich ihm. Brians Handy klingelt und es wird eine kleine Fingerübung, bis es stumm geschaltet ist. „Es ist neu“ sagt er lachend und legt es wieder beiseite. Es sei für ihn klar, dass sich am Tourverhalten der Band in nächster Zeit nicht viel ändern würde. „Allen Vorsätzen zu Trotz, wir sind auch dieses Jahr wieder zweimal in Übersee. Im Sommer kommen wir wieder, da sind wir hier (in Europa) für einige Festivals fest gebucht“.

Melodic-Post-Punk

Nach zuletzt "Ruiner" und "Career Suicide", nun: "Partycrasher"

Nach zuletzt „Ruiner“ und „Career Suicide“, nun: „Partycrasher“

„Carrer Suicide“ war vor sechs Jahren das bisher letzte Album. Nun endlich steckt mit „Partycrasher“ wieder ein neues Album im Gepäck. Das Genre? Post-Punk? Post-Hardcore? Am besten passt wohl die Kategorie „Melodic-Post-Punk“. Ein echter Kracher. „AWS“ bieten wie immer  mehr als dumpf-monotone Akkordfolgen. Diesmal sind sie noch ein bisschen raffinierter als zuvor zu Werke gegangen. „Wir haben einen hohen Anspruch und wir wollen uns ja auch weiterentwickeln. Du willst motiviert und neugierig bleiben und dabei auch Spass haben. Ich glaube, nur so kannst du auch wirklich kreativ sein. Die Prozesse dauern bei uns, aber irgendwann sind wir dann auf einem neuen, einem höheren Niveau – immer vorausgesetzt, du arbeitest wirklich an dir. Das haben wir all die Jahre gemacht“. „AWS“ sind bekannt für ihr präzises Spiel. So haben sie sich einen exponierten Platz in der Szene erarbeit. Dafür spricht die weltweit große „Fangemeinde“ und ihre Shows, die sie oft zusammen mit vielen „großen“ Bands gespielt haben. Lagwagon, Pennywise, Rise Against, Strike Anywhere: das sind Namen, die für sich sprechen. Es gibt noch viele mehr.

Work in peace at „No Idea Records“

„Wir sind jetzt seit einiger Zeit bei „No Idea Records“ und haben da wirklich ein zuhause gefunden. Das ist ein gutes Gefühl, wenn du ganz in Ruhe an den Texten feilen kannst und neue Tunes ausprobierst. Das Label hat uns total den Rücken frei gehalten“. Die Beziehung zum „No Idea“ Label bekommt der Band sichtlich gut. Das neue Album „Partycrasher“ ist exzellent arrangiert, die Lyrics sind ausdrucksstark und der satte Sound drängt druckvoll vorwärts. „No idea“ organisiert seit 1989 auch das gigantische und alljährlich stattfindende „Fest“ in Gainsville in Florida. Dort kommen jedes Mal hunderte Bands auf zahlreichen Bühnen zusammen. „AWS“ sind jetzt seit ein paar Jahren immer mit dabei. „Das ist schon sowas wie Tradition“, freut sich Brian.

vegetarisch ohne Fisch

Brian ist in Kanada, in Toronto, zu Hause. „Es heißt zwar immer „AWS“, die US-Band, aus New Bedford, aber ich komme aus Kanada“. Die anderen Bandmitlgieder kommen aber tatsächlich aus den USA, aus Michigan und Massachusetts. „Ich bin der einzige, der vegetarisch lebt. „Ohne Fisch“, wie er betont. Er wisse, dass in Nordamerika viele Menschen dazu ein etwas anderes Verständnis hätten. So komme es immer wieder vor, dass sich Leute als vegetarisch bezeichnen würden, obwohl sie Fisch oder „weißes Fleisch“ essen würden, klärt er auf. Für mich als Interviewer bleibt da vor Interview- Terminen auch oft ein Rest an Unsicherheit. So ist es mir einmal passiert, dass „Neko Case“, von der ihre Agentin sagte, sie lebe vegetarisch, beim Treffen im „Ramones Museum“ in Berlin, meinte, dass das nicht stimme. So kann es gehen. Das Interview war aber trotzdem spannend: irgendwie.

Experiment: vier Wochen vegetarisch

„Die Caterer bekommen unseren „Rider“ und wissen so immer Bescheid, was ich essen möchte. Das klappt sehr gut“. Ob Brian meiner Nationalität schmeicheln möchte, als er sagt, dass das Catering in Deutschland immer am besten sei. Danach käme Frankreich. UK sei scheußlich. Sie würden in der Band über das Thema „vegetarisch“ eigentlich gar nicht weiter sprechen. „Alle akzeptieren das, wie es ist und ich will nicht missionieren“. Ich frage ihn, warum er vegetarisch geworden ist. „Ich bin 2005 zum Arzt gegangen, weil ich mich oft schlapp fühlte und immer müde war. Der Arzt meinte, wie wäre es Mal mit einem Experiment: vier Wochen vegetarisch. Das habe ich gemacht und das lief so gut, dass ich dabeigeblieben bin.“ Ich hake nach, ob denn inzwischen auch ethische Aspekte eine Rolle spielen würden. „Unbedingt“. „Ich finde, wie wir mit Tieren in Tierversuchen und in der Massentierhaltung umgehen ist ein „dunkler Punkt“ in unserer Geschichte.

Die Show „rockt“

Chez HeinzDas „Bei Chez Heinz“ ist als Veranstaltungsort ein Unikum, als das es sich im Keller unter einem öffentlichen Schwimmbad befindet. Die Decke ist niedrig und die Bühne so gut wie ebenerdig. Echt punkig: Musiker und Gäste sind miteinander auf Augenhöhe. „KMPFSPRT“ heizen als Support mit Titeln ihres neuen Albums „Jugend Mutiert“ kräftig ein. „AWS“ forcieren das Tempo noch deutlich und die Temperatur in der gut gefüllten Location steigt rapide an. Sie spielen das ganze Album runter. Das kommt schon wirklich klasse rüber. Die Musiker sind greifbar. „Nuno“, der Sänger, ist manchmal eher auf der Tanzfläche als auf der Bühne. Einige Songs sind von  „Ruiner“ und „Carrer Suicide“, den vorigen Alben, eingestreut. Als die Jungs zur Zugabe mit ihren nassen Handtüchern um den Hals wieder auf die Bühne zurückkommen, denke ich an Brian, wie er mir sagte, wie sehr er diese Live-Shows liebe: „besonders die im berühmten „Horseshoe“ in Toronto. „Da haben schon die großen Bands gespielt, als ich noch ein Kid war. Heute stehe ich da – vor den Kids“.

 

(The Wilhelm Scream ist übrigens ein in der Filmindustrie bekannter Schrei, der ursprünglich 1951 für den Film „Distant Drums“ aufgenommen wurde. Es ist der letzte Schrei eines Mannes, der von einem Alligator gefressen wird. Seither tauchte der Schrei immer Mal wieder in Filmen auf, so z.B. auch bei „Star Wars“ und „Indiana Jones“)

Das Album „Partycrasher“ auf Amazon

AWS_TourPoster_DatesA Wilhelm Scream – Europe/UK Tour 2014

20.02 Neukirchen, DE – Stummsche Reithalle
21.02 Bochum, DE – Riff
22.02 Hannover, DE – Chez Heinz
23.02 Hamburg, DE – Headcrash
25.02 Karlsruhe, DE – Jubez
26.02 München, DE – Backstage
27.02 Wiesbaden, DE – Schlachthof
28.02 Köln, DE – MTC

01.03 Ieper, BE – Ieperfest
02.03 Lichtenstein, DE – JZ Riot
03.03 Berlin, DE – Cassiopeia
04.03 Eindhoven, NL – Aloys
06.03 Zurich, CH – Dynamo
07.03 Milan, IT – Live Forum
08.03 Nyon, CH – Usine a Gaz
09.03 Paris, FR – Batofar
11.03 Leeds, UK – Cockpit
12.03 Bristol, UK – The Exchange
13.03 Norwich, UK – Waterfront
14.03 Southhampton,UK – Joiners
15.03 London, UK – Boderline

support: Kmpfsprt (2/20-2/25, 2/27)
support: ASTPAI (2/28, 3/2-3/8)
support: Gnarwolves (3/11-3/15)

 

Fotocredit „AWS“ Fotos: (c) Chris Robinson

 

 


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