Artenschutz International // Experten schlagen Alarm: Anzahl der Maui-Delfine sinkt erstmals auf unter 50

NABU International : „Neuseeland nimmt Aussterben der Mauis bewusst in Kauf“

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Hector- und Maui-Delfine leben in flachen Küstengewässern. Schleppnetz- und Kiemennetzfischerei ist die größte Gefahr für das Überleben der seltenen Art.
                                                                             Foto: (c) Steve Dawson/NABU International/Kampagne: Neuseeland/Delfine

San Diego – Die Zahl der kleinsten und seltensten Meeresdelfine der Welt, der Maui-Delfine, hat einen historischen Tiefstand erreicht: Nach neuesten Berechnungen existieren weltweit nur noch zwischen 43 und 47 der bedrohten Kleinwale, darunter nur noch etwa zehn gebärfähige Weibchen. Naturschützer schlagen darum Alarm. Auf dem derzeit in San Diego tagenden Wissenschaftsausschuss der Internationalen Walfangkommission (IWC) stellen NABU International und die weltweit führende Maui-Delfin-Expertin, Prof. Liz Slooten, die aktuellen Zahlen vor und warnen: Sollte sich nichts an den derzeitigen Schutzmaßnahmen ändern, könnten die extrem seltenen Delfine bereits in 15 Jahren ausgestorben sein.

Maui-Delfine sind eine Unterart der Hector-Delfine und leben ausschließlich in den flachen Küstengewässern Neuseelands in einer Tiefe von 100 Metern. Damit trägt Neuseeland die Verantwortung für die Tiere, der das Land bisher jedoch nicht nachkommt. Thomas Tennhardt, Vorsitzender der NABU International Naturschutzstiftung, sagt: „Die Wissenschaftler der IWC fordern die neuseeländische Regierung seit drei Jahren auf, die Maui-Delfine endlich durch ein lebensraumweites Verbot von Schlepp- und Stellnetzen vor dem endgültigen Aussterben zu bewahren. Doch Neuseeland stellt sich aus rein wirtschaftlichen Gründen bis zum heutigen Tag stur – und nimmt damit bewusst das Aussterben der Delfine in Kauf.“

Zahl der Maui-Delfine um 97% gesunken

Seit den 1970er Jahren ist die Zahl der Maui-Delfine infolge von Fischerei um 97 Prozent gesunken. In den Jahren 2010/2011 gab es nur noch etwa 60 Maui-Delfine. Trotz ihrer alarmierend geringen Anzahl sind nur 19 Prozent ihres Lebensraumes gegen Stellnetze und weniger als fünf Prozent gegen Schleppnetzfischerei geschützt. Daher verenden immer wieder Delfine als Beifang. Zusätzlich bedrohen seismische Tests sowie Öl- und Gasförderungen den winzigen Restbestand der Tiere, der bis heute weiter sinkt.

Da Maui-Delfine nur einen menschenverursachten Todesfall in zehn bis zwanzig Jahren verkraften können, ist sofortiges Handeln gefragt. „Die neuen Daten sind eine eindringliche Warnung: Neuseeland muss seine Haltung, die die Interessen der Fischereiindustrie über die des Artenschutzes stellt, endlich ablegen und den gesamten Lebensraum der Maui-Delfine konsequent vor schädlichen Fischfangmethoden, seismischen Tests sowie Öl- und Gasförderungen unter Schutz stellen. Ansonsten ist das Aussterben der Delfine lediglich eine Frage der Zeit“, so Barbara Maas, Artenschutzexpertin der NABU International Naturschutzstiftung. Stattdessen versuche die neuseeländische Regierung eine Schutzgebietserweiterung von drei Prozent als Erfolg für den Artenschutz zu verkaufen und mit einem nutzlosen fünfjährigen Forschungsprogramm Zeit zu schinden.

Würden die Maui-Delfine fortan vor menschenverursachten Todesfällen geschützt, könnte ihre Zahl innerhalb von 87 Jahren auf 500 Tiere anwachsen. Damit gälte die Population nicht mehr als akut vom Aussterben bedroht und könnte sich nach und nach erholen.

 

Quelle: NABU


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