Baden-Württemberg: Politik kapituliert vor der Jagd-Lobby

Go vegan!

Jagdbeute: es gibt wohl nicht wenige, die daraus einen großen Lustgewinn erzielen.                                                                                                                          Fotocredit: © Sandro und Bianka Pelli / www.schonzeit-fuer-fuechse.de

Einseitige Änderungen führen das „Wildtiermanagement-Gesetz“ ad absurdum. Der vor der Sommerpause vorgestellte Referentenentwurf zum Baden-Württembergischen Landes-jagdgesetz blieb aus Sicht des Tier- und Naturschutzes bereits weit hinter den Erwartungen zu-rück. Wie nun an die Öffentlich-keit drang, sollen die bereits äu-ßerst überschaubaren Verbes-serungen nun weiter aufge-weicht werden.

Faktor Jagdlust

Was übrig bleibt, ist eine weiterhin einseitig an den Abschussinteressen der Jägerschaft orientierte Politik, die die ursprünglichen Ziele der Jagdrechtsreform ad absurdum führt. So setzte die Jägerschaft beispielsweise durch, dass die Jagd sich auch weiterhin nicht an wildtierökologischen Anforderungen auszurichten braucht. Ob die Bejagung einer Tierart erforderlich ist oder nicht, spielt also auch weiterhin keine Rolle. Ein „vernünftiger Grund“ für die Tötung von Wildtieren nach § 1 Tierschutzgesetz ist bei kaum einer derzeit bejagten Wildtierart gegeben – Beutegreifer wie Hermelin, Fuchs und Dachs, aber auch Vögel werden also weiterhin aus bloßer Jagdlust getötet. Wissenschaftliche Studien zeigen bereits seit geraumer Zeit auf, dass eine flächendeckende „Regulierung“ dieser Tierarten durch die Jagd weder nötig noch – im Falle des Fuchses – überhaupt möglich ist.

Jagdruhe: zwei von acht geforderten Monaten bleiben übrig

Bei den Jagd- und Schonzeiten gibt es praktisch keine Verbesserungen gegenüber den derzeitigen Regelungen. Von den Forderungen der Naturschutzverbände nach einer mindestens achtmonatigen vollständigen Jagdruhe sind gerade noch zwei Monate übrig geblieben, diese zudem im März und April, in denen auch bisher nur wenig gejagt wird. Selbst in dieser Zeit dürfen Wildschweine in der offenen Landschaft sowie im Wald innerhalb von 200 Metern vom Waldrand entfernt getötet werden, was de facto bedeutet, dass es in kleinen und schmalen Waldstücken wie etwa am Albtrauf weder für Wildschweine noch für alle anderen Wildtiere überhaupt eine Ruhephase gibt. Auch gefährdete Arten wie der Feldhase, die im Rahmen des sogenannten „Entwicklungsmanagements“ zunächst geschützt werden sollten, bleiben nun jagdbar; dasselbe gilt für Rabenvögel, für die Naturschützer schon seit langem eine Unterschutzstellung gemäß den Vorgaben der EU-Vogelschutzrichtlinie fordern.
Die zunächst vorgesehenen Einschränkungen von Fütterung und Kirrung wurden massiv aufgeweicht. Somit werden Jäger auch weiterhin über das Einbringen großer Futtermengen in die Reh- und Wildschweinpopulationen diese künstlich hoch halten, um bessere Jagdstrecken zu erzielen.

Ohne Jäger klappt’s besser

Ein Schlag ins Gesicht für den Tier- und Naturschutz ist zudem, dass Tier- und Naturschutzverbände es weiterhin dulden müssen, dass auf ihrem eigenen Grundbesitz gegen ihren Willen gejagt wird. Die Jägerschaft will hiermit konsequent verhindern, dass größere jagdfreie Areale entstehen – schließlich würden diese der Öffentlichkeit unmittelbar vor Augen führen, dass es ohne Jagd und Jäger besser geht. Weitgehend jagdfreie Gebiete wie etwas Nationalparks oder der Schweizer Kanton Genf belegen dies bereits eindrucksvoll.
Grüne und SPD müssen sich angesichts all dessen fragen lassen, ob sie es mit dem Natur-, vor allem aber dem Tierschutz auch nur ansatzweise ernst meinen. Während man der Jägerschaft in nahezu allen Punkten entgegengekommen ist, findet das Tier als leidensfähiges Individuum, aber auch der aktuelle Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse kaum Berücksichtigung. Das ursprünglich ausgegebene Ziel der Landesregierung, den Tierschutz zu stärken und die Jagdgesetzgebung an ökologischen Erfordernissen auszurichten, wurde jedenfalls voll und ganz verfehlt.

.