Buchen-Urwälder in Brandenburg – Entwicklung dank EU-Naturschutzrichtlinien

Bedeutender Naturschatz Grumsin – „Fitness-Check“ darf nicht zum Naturschutz-Abbau führen

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UNESCO-Weltnaturerbe Grumsin: Der Grumsiner Forst ist das größte FFF-Gebiet im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin.                                                                                                 Foto: (c) NABU (Umwelt/Natur/EU) / Klemens Karkow

Angermünde/Berlin – Die Naturschutzgesetzgebung der EU soll auf den Prüfstand: Bis zum 24. Juli haben alle Bürgerinnen und Bürger in den Mitgliedstaaten die Gelegenheit, sich zur Bedeutung und zu einer möglichen „Modernisierung“ der zwei wichtigsten EU-Gesetze für den Natur- und Artenschutz zu äußern: der Fauna-Flora-Habitat- (FFH-) und der Vogelschutzrichtlinie.

Es gilt die Erfolgsgeschichten der Richtlinien fortzuschreiben und geplante Lockerungen zu verhindern. Mit der Aktion „Naturschätze retten“ stellt der NABU jede Woche unter www.nabu.de/naturschaetze ein Gebiet, eine Art oder einen Lebensraum vor, die vom Schutz der EU profitieren oder ohne diesen verloren gehen könnten. Diese Woche der Naturschatz #12: Naturnaher Buchenwald Grumsin in Brandenburg.

Stark bedroht

Alte Buchenwälder gehören zu den am stärksten bedrohten Lebensräumen der Erde. Mehr als 4.000 Pflanzen- und 6.700 Tierarten finden hier ein Zuhause – vorausgesetzt die Wälder sind in einem naturnahen Zustand mit urwaldähnlichen Strukturen. Doch solche nutzungsfreien Buchenwälder gibt es in Deutschland nur noch auf weniger als 0,2 Prozent der Waldfläche, und das obwohl die Bundesrepublik von Natur aus zu mehr als der Hälfte von Buchenurwäldern bedeckt wäre.

„Viele Buchenwaldtypen gibt es nur bei uns in Deutschland. Daher tragen wir besondere Verantwortung für diesen Lebensraum“, sagt Aija Torkler, Leiterin des NABU-Naturerlebniszentrum Blumberger Mühle. Hier, am Eingang zum Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin im nördlichen Brandenburg, darf sich wieder wertvoller Buchenwald entwickeln. Gut 6.100 Hektar des Waldgebiets Grumsiner Forst/Redernswalde stehen unter Schutz durch die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union. Und gut ein Zehntel ist seit den 1980er Jahren komplett aus der Nutzung herausgenommen. „Dadurch, dass hier niemand in die Entwicklung des Waldes eingreift, können wieder urwaldähnliche Strukturen entstehen. Das ist ein großes Geschenk für die Natur und unsere Artenvielfalt“, freut sich Torkler.

NABU-Naturerlebniszentrum

Besucher können im NABU-Naturerlebniszentrum den Lebensraum Buchenwald und seine unglaubliche Artenvielfalt entdecken. In einer Dauerausstellung lässt sich die Entstehungsgeschichte der Buchenwälder nacherleben, wie die Eiszeit die faszinierende Landschaft aus Seen, Mooren und Erlensümpfen prägte. Auch die Bewohner der Buchenwälder werden vorgestellt: Schwarzstorch, Moorfrösche, Großes Mausohr oder der Ästige Stachelbart, ein krauser Pilz, der sich auf die Stämme morscher Laubbäume spezialisiert hat. Erfahrene NABU- und Naturwacht-Mitarbeiter sowie zertifizierte Natur- und Landschaftsführer bieten zudem Führungen in die Buchenwälder an.

„Die FFH-Richtlinie der EU ist für die Entwicklung des Grumsiner Forsts elementar. Sie sorgt dafür, dass Biotope geschützt und in ihrer Vielfalt erhalten bleiben. Zahlreiche Bäume dürfen ungestört alt werden und irgendwann absterben. So entstehen wertvolle Bruthöhlen an abgebrochenen Ästen und verschiedenes Totholz. Die abgestorbenen Bäume bilden die Lebensgrundlage für zahllose Insekten, Fledermäuse und Pilze“, so Torkler weiter.

UNESCO-Weltnaturerbe seit 2011

Wie wichtig die Bedeutung des Grumsiner Forsts und der naturnahen Buchenwälder Deutschlands ist, zeigt auch ihre Ernennung zum UNESCO-Weltnaturerbe. 2011 wurde der Grumsin gemeinsam mit vier weiteren deutschen Buchenwaldgebieten von der UNESCO in die Liste der Weltnaturerbestätten aufgenommen. Die Wälder sind damit der Serengeti in Ostafrika und dem Yellowstone-Nationalpark in den USA gleichgestellt.

Wer das FFH-Gebiet Grumsiner Forst/Redernswalde erleben möchte, hat in der „Naturschatz“-Woche vom 13. bis 19. Juli Gelegenheit dazu. Im NABU-Naturerlebniszentrum Blumberger Mühle zeigt Naturfotograf Sebastian Hennigs seine Ausstellung „Lebensraum Buchenwälder“, gefährdete Arten sowie die Nutzung des FFH-Gebiets werden vorgestellt und NABU-Waldexperte Stefan Adler gibt Auskunft zur Umsetzung des europäischen Naturschutzrechts im deutschen Wald. Darüber hinaus kann das Weltnaturerbe bei einer Kindersafari und einer geführten Wanderung erkundet werden. Termine: https://blumberger-muehle.nabu.de/angeboteundtermine/veranstaltung.html

Der NABU stellt seit Ende April jede Woche eine geschützte oder gerettete Art, einen Lebensraum oder ein Natura-2000-Gebiet über die NABU-Webseite, Presse, soziale Medien und auf Veranstaltungen vor, die alle vom EU-Schutz abhängen. Dazu zählen neben dem Buchenwald Grumsin unter anderem auch der Wolf und der Biber, ebenso wie das Große Torfmoor in Nordrhein-Westfalen, das Tegeler Fließtal der Hauptstadt Berlin oder das Nationale Naturerbe „Weinberg Wetzlar“.

 

Quelle: NABU


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