„Constants“ – auf der großen Bühne angekommen

Guido Barth spricht mit: Will Benoit (2010)

Will Benoit lebt vegetarisch

„Constants“, links: Will Benoit

Will Benoit von der Band „Constants“ lebt seit vielen Jahren vegetarisch. Das führt er auf Erfahrungen im Fast Food Bereich zurück. Er ist mit seiner Band Teil eines Band-Kollektivs, deren Gründer er auch ist und das sich in erster Linie darin auszeichnet, dass alle Produktionen ausschließlich selbst finanziert werden und wie der Musiker sagt, „wir damit ein großes Stück unabhängig sind. Das Geld aller verkauften Produkte geht direkt an die Künstler.“ Will Benoit pflegt einen hohen ökologischen Anspruch, dem ich hier kritisch nachgehen möchte. Außerdem hat seine Band mit „If Tomorrow The War“ ein neues, sehr hörenswertes Album eingespielt.

Immer wieder tauchen da irgendwelche Pseudo-Ökos in der Musikszene auf und fahren mit dieselbefeuerten Tourbussen von Stadt zu Stadt, von Land zu Land und manchmal über alle Berge. Zum Glück gibt es aber auch viele Bands mit einem echten ökologischen Bewusstsein. Da gilt es, wirklich zu unterscheiden. Wie man letztlich den Unterschied erkennt? Menschenkenntnis und Details. Wenn man mit den Leuten im Interview sitzt, bekommt man einen ganz guten Eindruck davon, wie viel ihnen ihr, nennen wir es Mal „ganzheitliches Produkt“, bedeutet. Also, was steckt hinter dem, wovon sie reden. Spätestens bei Details fällt die Maske, wenn der rhetorische Untergrund langsam schlüpfrig wird. Auch die Constants bewerben ihren pflanzenbefeuerten Tourbus und sie setzen noch eins drauf und betreiben gleich ihr eigenes Studio und das zu 100% mit Solarenergie. Klingt schon nach Substanz.

Kopf? Denken?

Lass uns reden – ja und tatsächlich kommen Details auf den Tisch zum „Warum“ und „Wie“ und der Interviewer (ich) zeigt sich schon ein bisschen wohlgeneigt. Die Jungs betreiben richtig Aufwand. „Man brauche sich nicht Mal im Kopf anstrengen, um zu erkennen, dass die Welt sich ziemlich schnell auflöst.“, streut Will Benoit, der Kopf der Band ein. Er lacht dabei unschuldig, als könne man an seinen Worten, an seiner Überzeugung gar nicht zweifeln. „Gut, die Mehrheit der Menschen hält uns sicher immer noch für naiv. Du weißt schon, es ist dieses unausrottbare Klischee über die ewig dumme Jugend.

Ich erkenne darin trotzdem ein gutes Zeichen, das ist für mich ein Beleg, dass wir nämlich unsere Köpfe noch selbständig benutzen, was , so traurig das ist, den meisten völlig abgeht.“ Ökologisch ist Trend, ob man da allerdings mit ein bisschen Pflanzendiesel und ein bisschen Solarstrom vom Dach einen Unterschied macht. Ist das tatsächlich so gravierend, dass man das auch möglichst überall bemerken und vermerken muss.
Will fragt mich: „Wie oft hast du das denn schon bei anderen Bands gelesen, oder davon gehört?“ So oft nicht, das stimmt, andererseits hat jeder xy-ste Haushalt heute Solaranlagen auf dem Dach, selbst öffentliche Verwaltungen. „Hey man, das ist auch bei sehr gutem Willen eine Frage des Geldes. Wir sind Musiker und der Welterfolg läuft uns nicht gerade hinterher“.

Come together

Will Benoit lebt mit seiner Frau und den anderen Bandmitgliedern in dem Haus, in dem sich auch das Studio befindet. „Alles wird mit Solarenergie versorgt. Müll produzieren wir nur ganz wenig und alle Geräte verbrauchen extrem wenig Energie, worauf wir hier mächtig stolz sind“, freut sich Benoit. Welterfolg? Wenn auch noch nicht wirklich, verkaufen „Constants“ ihre Alben und sind viel auf Tour und das nicht nur als Support im Meer der Kollegen – deren Ansage gerade Mal beim Provinzfestival bejubelt wird. Letztes Jahr waren die Constants Co-Headliner von Caspian. Und bei Caspian steht das Tor zur Welt noch ein schönes Stück weiter offen. „Das heißt nicht, wir schwimmen wie von selbst im Geld. Wir kommen eher so gerade über die Runden und da ist das schon ein erheblicher Aufwand, den wir da betreiben: aus Überzeugung“.

Einverstanden – die Constants treffen gute Entscheidungen, sie treffen sie gemeinsam und das machen sie oft richtig, wie man das auch musikalisch am neuen Album „If Tomorrow The War“ hören kann: ein Mix aus, wie es auf der Webseite heißt: „The ambient post rock of Constants explores dissonant melody, odd-metered syncopation and rise-and-crash dynamics“. So wird Musik heute beschreiben, den puristischen Genre-Stil im klassischen Sinne gibt es einfach kaum noch. Es ist ein gekonntes Album, irgendwie, als hätten die „Constants“ ihren Stil gefunden: intelligent und experimentell.

©Guido Barth
Foto und Cover: Make My Day Records/www.makemydayrecords.de

„Constants“ auf Facebook. Aktuelles und fünftes Studio-Album „Album „Pasiflora“ (2012)

If Tomorrow the War (2010)
CONSTANTS-If_Tomorrow_The_War-2010-COVER