Der Kampf gegen Alzheimer – Tierversuche sind der falsche Weg

 

Be vegan, be happy! Maus wird am Schwanz gehalten und mit der Spritze soll eine Substanz injiziert werden.

Tierversuche helfen in der Alzheimer-Forschung nicht wirklich weiter.                                                                     Fotocredit: © Gina Sanders –           Fotolia.com

Stuttgart – Die Krankheit Alzheimer stellt in den kommenden Jahren eine der größten Herausforderungen für die Medizin dar. Schätzungen zufolge leiden global bereits 44 Millionen Menschen an Demenzerkrankungen. Damit wuchs die Zahl der Patienten in den letzten drei Jahren um über 20% an. 1,2 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Alzheimer. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlichte jüngst einen Bericht, welcher für das Jahr 2050 über 135 Millionen Patienten weltweit und damit eine Verdreifachung der Patientenzahlen vorhersagt.

Trotz massiven Forschungsbemühungen gibt es bis heute kein wirksames Medikament, das den Verlauf von Alzheimer aufhalten oder gar die Krankheit heilen könnte. Aus über 1200 klinischen Studien erwuchsen nur 5 Medikamente, welche einige Symptome der Patienten abmildern konnten und welche nur bei ca. 50% der Patienten tatsächlich anschlagen. Zuletzt enttäuschte im November 2016 ein Medikament des Pharmaunternehmens Eli Lilly. Dessen Wirkstoff Solanezumab wurde als mögliches Jahrhundert-Medikament angepriesen und weckte die Hoffnung zahlreicher Patienten. Klinische Studien an Patienten kamen letztlich zu dem Ergebnis, das Medikament sei nicht wirkungsvoller als ein Placebo.

Im Dezember 2016 wurde nun in Amerika ein neues Gesetz zur Krankheitsbekämpfung verabschiedet, wodurch auch für ein Projekt zur Erforschung des Gehirns 1,5 Millarden Dollar bereitstellt werden.

Mäuse erkranken nicht an Alzheimer

Die Ärztevereinigung für verantwortungsvolle Medizin (Physicians Committee for Responsible Medicine) mahnte, dass Tierversuche der falsche Weg im Kampf gegen Alzheimer seien. Dr. Lam erklärte in einem Zeitungsartikel: In Jahrzehnten der Forschung und mit einigen hundert Millarden Dollar, welche in öffentliche und private Forschung geflossen sind, wurde nicht ein einziges Medikament gefunden, das die Krankheit Alzheimer aufhält. Der Grund hierfür ist, dass der überwiegende Teil der Forschung an Mäusen und Affen durchgeführt wird. Diese Tiere erkranken natürlicherweise gar nicht an Alzheimer. Stattdessen werden sie genetisch manipuliert, um an einer Nachbildung von Alzheimer zu erkranken. In den meisten Fällen pflanzen die Forscher den Tieren einen oder mehrere genetische Risikofaktoren ein und „heilen“ dann die künstlich erzeugte Krankheit. Diese „Heilungen“ ließen sich allerdings nicht zur Besserungen der Situation menschlicher Alzheimer-Patienten übertragen.*

Unterschiedliche Krankheitsverläufe

Christian Ott, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Vereins MENSCHEN FÜR TIERRECHTE – Tierversuchsgegner Baden-Württemberg e.V., ist Neurobiologe und fügt hinzu: „Bis heute gibt es kein krankes Tier, das dieselben Veränderungen im Gehirn und die kognitiven Probleme aufweist, mit welchen Alzheimerpatienten zu kämpfen haben. Die bekannten Veränderungen im Gehirn, Plaques und Neurofibrillen, treten in Tiermodellen teilweise zu früh, an falscher Stelle oder gar nicht auf. Da nur 5% der Alzheimererkrankungen eine genetische Komponente haben, ist das Studium von genetischen Risikofaktoren für den größten Teil der Patienten irrelevant.“

Um in Zukunft Besserung für Patienten zu erbringen, sollte die Forschung sich auf die menschliche Situation konzentrieren. Die amerikanische Ärztevereinigung erklärt: Tests an Tieren können gravierende Sicherheitsprobleme neuer Alzheimermedikamente nicht aufdecken. Schwellungen und Mikroblutungen im Gehirn wurden erst sichtbar, als man Menschen mit bildgebenden Verfahren untersuchte. Im Gegensatz hierzu waren Methoden, welche zum Beispiel mit Patienten-Zellen arbeiten, in der Lage, die Reaktion auf neue Medikamente genauer vorherzusagen als Tierversuche.**

Kombiniert mit Bevölkerungsstudien und klinischen Studien lassen sich so bedeutende Ergebnisse für das Leben der Alzheimerpatienten gewinnen. Das Studium von Risikofaktoren, welche Umstände eine Alzheimererkrankung begünstigen oder nicht, ist ein weiteres Mittel für eine erfolgreiche Prävention.

Laborneubau in Freiburg in der Kritik

Auch an den Universitäten in Baden-Württemberg wird Alzheimer erforscht. Damit Forschungsergebnisse den Patienten helfen, ist es wichtig, die Forschungsmethoden und deren Erfolg kritisch zu hinterfragen. Vor diesem Hintergrund kritisiert der Verein den geplanten Laborneubau für ca. 40 Millionen Euro in Freiburg. Der erklärte Schwerpunkt des IMITATE (Institute for Disease Modeling and Targeted Medicine) ist die tierexperimentelle Forschung. Das ist Forschungsförderung in eine erwiesenermaßen erfolglose und ethisch sehr bedenkliche Richtung. Erfolgsversprechender und zukunftsweisend wäre dahingegen die Förderung von komplexen Zellkulturen. In Baden-Württemberg arbeitet beispielsweise die Arbeitsgruppe um Prof. Marcel Leist an der Universität Konstanz an neurobiologischen Fragen in der Zellkultur.

„Es gibt nicht nur ethische, sondern auch medizinische Gründe, in der Wissenschaft vom Tierversuch abzukommen,“ erklärt Christian Ott. „Um die Hoffnung der zunehmenden Alzheimerpatienten nicht weiterhin zu enttäuschen, ist es wichtig, dass in der Forschung eine Abkehr vom Tierversuch erfolgt.“

 

*In fact, decades of research and hundreds of billions of dollars spent in public and private money have not produced even one disease-modifying treatment for Alzheimer’s. This is mostly due to the fact that the vast majority of this research is conducted using mice and primates—animals who do not get the disease naturally, but have been genetically modified to mimic the disease.
In most cases, scientists “engineer” one or several genetic risk factors in these animals, and then „fix“ the artificially created disorder. However, these “fixes” have not translated to functional improvements in humans with Alzheimer’s.

**Moreover, testing on animals can also fail to detect significant safety issues with potential new Alzheimer’s drugs. These concerns, which have included swelling and micro-bleeds in the brain, have only became apparent during clinical trials with the use of human neuroimaging techniques. In contrast, human-based in vitro techniques, such as human induced pluripotent stem cells derived from Alzheimer’s patients, have been able to more accurately predict experimental drug response in humans than animal models.

 

 

 

 

Quelle: MENSCHEN FÜR TIERRECHTE – Tierversuchsgegner Baden-Württemberg e.V.

 

 


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