Drei Bonobo-Schimpansen im Frankfurter Zoo gestorben

 

PETA übt scharfe Kritik an Zooverantwortlichen und fordert erneuert Verbot der Haltung von Menschenaffen

Be vegan, be happy! Vereinsamter Menschenaffe im Stuttgarter Zoo Wilhelma.

Vereinsamter Menschenaffe im Stuttgarter Zoo Wilhelma.                                                                                                                                                                                                                                                           Fotocredit: © PETA Deutschland e.V.

Frankfurt / Stuttgart – Todesfallserie geht weiter: Der Zoo Frankfurt vermeldete vorgestern den Tod von drei Bonobos. Die ein und drei Jahre alten Tiere Tikala und Wolo starben an den Folgen einer Lungen- und Mandelentzündung, während der 32-jährige Ludwig aufgrund seines schlechten Allgemeinzustandes eingeschläfert wurde. 

Die Tierrechtsorganisation PETA übt scharfe Kritik an der Haltung von Menschenaffen in Gefangenschaft und fordert die Frankfurter Zooverantwortlichen auf, die Haltung der sensiblen Tiere zu beenden.

Im Frankfurter Zoo verstarben seit 2014 vier Gorillababys. In ganz Deutschland haben im selben Zeitraum 11 junge Menschenaffen die mangelhaften Bedingungen in Gefangenschaft nicht überlebt. Die Todesursachen sind bei den meisten Tieren Infektionen – diese werden vor allem durch eine schlechte Belüftung in den kleinen, bunkerähnlichen Innengehegen begünstigt oder durch den Kontakt zu Menschen ausgelöst. PETA fordert eine unabhängige Untersuchung der zahlreichen Todesfälle im Frankfurter Zoo.

Wildtierexperte beklagt „strukturelle Missstände“

„Die zahlreichen Todesfälle von jungen Menschenaffen im Frankfurter Zoo sind ein Hinweis auf strukturelle Missstände“, so Wildtierexperte Peter Höffken, Fachreferent für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA. „Menschenaffen können nicht tiergerecht in Gefangenschaft gehalten werden. Auch das Argument des Artenschutzes zählt nicht: Es ist nicht möglich, im Zoo geborene Menschenaffen erfolgreich auszuwildern.“

In deutschen Zoos sind seit Anfang 2014 mindestens elf junge Menschenaffen gestorben: Im April 2016 wurde ein Orang-Utan-Baby im Dortmunder Zoo eingeschläfert. Das Tier litt unter einer Infektionskrankheit und inneren Verletzungen. Im Frankfurter Zoo starb im Januar 2016 und im September 2015 jeweils ein Neugeborenes von Gorillamutter Dian. Ebenfalls im Zoo Frankfurt starb im Juli 2015 ein nur wenige Tage altes Gorillababy; im Mai 2014 erlag der sechs Monate alte Gorillajunge Tandu einer Durchfallerkrankung. Im Stuttgarter Zoo Wilhelma überlebten 2014 und Anfang 2015 zwei junge Bonobos Infektionskrankheiten nicht, deren Auslöser auf Mängel in der Lüftungsanlage zurückzuführen gewesen sein sollen. Ende 2014 kam Orang-Utan-Baby Olivia im Zoo München durch ein Schädeltrauma ums Leben. Im Juni desselben Jahres starb der sechs Monate alte Gorillajunge Jengo im Zoo Leipzig. 2012 starb das Schimpansenbaby Nayla im Zoo Osnabrück. Anfang 2011 erlag das ein Jahr alte Orang-Utan-Mädchen Masaja einer Erkrankung; 2010 starb Gorillababy Juma im Stuttgarter Zoo an einer Lungenentzündung; 2009 verstarb Schimpansenbaby George im Krefelder Zoo.

Tiere erleben Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit

Gorillas, Schimpansen und Orang-Utans sind dem Menschen derart ähnlich, dass sie die Ausweglosigkeit ihrer Situation in Gefangenschaft erkennen, stellten renommierte Primatologen wie Professor Dr. Volker Sommer fest. Laut ihm können die intelligenten Tiere Zustände wie Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit erleben [1]. Während Gerichte in den USA und Argentinien den nächsten Verwandten des Menschen schon gewisse Grundrechte zugesprochen haben, werden die sensiblen Tiere in Deutschland allein zur Belustigung der Zoobesucher in enge, karge Gehege gesperrt.

PETA fordert ein Import- und Nachzuchtverbot für Menschenaffen in Gefangenschaft, um die Haltung mittelfristig auslaufen zu lassen. Die Tierrechtsorganisation weist darauf hin, dass die Haltungsbedingungen selbst in einem größeren Zoo nicht mit den natürlichen Lebensräumen von Menschenaffen vergleichbar sind. Bonobos sind nur in den tropischen Wäldern der Demokratischen Republik Kongo beheimatet. Dort besteht eine Gruppe aus 30 bis über 100 Tieren, die ein Areal von 20 bis 60 Quadratkilometern bewohnen. Einer wissenschaftlichen Studie von 2011 zufolge führt die Gefangenschaft bei Schimpansen grundsätzlich zu Verhaltensstörungen [2].

 

[1] Goldner, Colin (2014): Lebenslänglich hinter Gittern. S. 218. Aschaffenburg: Alibri Verlag.
[2] Birkett LP, Newton-Fisher NE (2011): How Abnormal Is the Behaviour of Captive, Zoo-Living Chimpanzees? PLoS ONE 6(6): e20101. doi:10.1371/journal.pone.0020101.

 

Buchbesprechung zu: „Lebenslänglich hinter Gittern – Die Wahrheit über Gorilla, Oran Utan & Co in deutschen Zoos“ von Dr. Colin Goldner (Alibri Verlag, Mai 2014 )

 

 

 

 

 

Quelle: PETA

 

 


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