Fiat justicia ruat coelum: „Der Gerechtigkeit soll Genüge…“ (go vegan)

Guido Barth befragt den Anwalt für Tiere: Adam Karp (2007)

Adam Karp, seit 1999 vegan

Adam Karp, USA – Anwalt für Tiere

Fiat justicia ruat coelum:

„Der Gerechtigkeit soll Genüge geleistet werden und wenn der Himmel einstürzt.
Adam Karp ist Amerikaner und er ist seit 1999 offiziell Anwalt für Tiere. Seine häufigsten Fälle handeln von: Verletzungen (z.B. Tierbisse), Tod, Tierquäleriei, schlechte Haltung und allgemeine Tierrechte. Adam Karp lebt vegan.

Warum bist du Anwalt für Tiere geworden?

Das lag mir am Herzen. Als ich vegan wurde, war ich gerade dabei meinen Master of Science abzulegen. Da wusste ich aber noch nicht, wo genau im Rechtswesen ich hin wollte; das erklärt auch, warum ich mich erst für ein anderes Masterprogramm eingeschrieben hatte: Stadtplanung und Transport. Eine besondere Anziehungskraft hat schließlich das Paradox der amerikanischen Kultur ausgeübt, wenn es um nichtmenschliche Tiere geht, wobei ich dazu in James Serpells (PhD, Forschung der Mensch-Tier Beziehung) „In the Company of Animals“ wichtige Impulse fand.

 Du lebst vegan, seit wann?

 Seit Ende 1999.

 Was hat Dich zu diesem Schritt ermutigt?

Tatsächlich war das ein Prozess über fast ein Jahr. Einmal waren da meine Bekannten, die bereits vegan lebten; vor denen hatte ich wirklich Respekt. Dann war da noch so eine hartnäckige Tierrechtsorganisation, „Action for Animals“ mit einem umfangreichen Angebot an Videos und Informationsmaterial. Den entscheidenden Ausschlag gab dann das Video von PeTA „Seven Minutes of Reality“.

Adam Karp hat sich auf Rechte für Tiere spezialisiert

Adam Karp ist ein Pionier

Ist Deine Arbeit mit der eines herkömmlichen Anwalts vergleichbar?

Ja, im Prinzip schon. Aber die Entsprechung trifft nur bedingt zu, als das Tiere nämlich von irgendjemandem „besessen“ werden müssen, damit sie einen rechtlichen Status haben – als Objekte. Im 18. Jahrhundert und im 19. Jahrhundert waren Sklaven und Tiere ähnlich gestellt. Sie waren Besitz. Ein Sklave konnte keine rechtlichen Ansprüche geltend machen. Jeglicher Anspruch wurde auf seinen Besitzer übertragen. So ist das mit Tieren auch heute noch. Unter diesem Aspekt hat Steve Wise (unterrichtet Tierrecht in Harvard) ganz passend gesagt, dass ich Tiersklaven-Recht praktiziere.

 

Anwälte sind prinzipiell geeignet, vegane natürlich besonders

 

Sind denn herkömmliche Anwälte ausreichend qualifiziert, um in Rechtsfällen mit Tieren qualifiziert arbeiten zu können?

Da ja Tiere rechtlich als Objekte klassifiziert sind, orientieren sich die Verfahren an den üblichen Rechtsprinzipien und den anerkannten Grundlagen. Die beherrscht natürlich jeder Anwalt, der seinen Beruf gelernt hat und sich schon mit Sach- und Personenthemen auseinandergesetzt hat. Die meisten Anwälte sind spezialisiert auf bestimmte Gebiete. Das geht auch gar nicht anders, so betrachtet hat ein Anwalt natürlich ein ganz bestimmtes Know-How in seinem Bereich.

Wie kann man sich speziell zum Anwalt für Tiere ausbilden, bzw. weiterbilden lassen?

In den USA hat das Angebot an Kursen in diesem Bereich explosionsartig zugenommen. Über 50 Universitäten bieten Tierrechtskurse an und in über 75 „Fakultäten“ gibt es Angebote, die vom Animal Legal Defense Fund (www.aldf.org) unterstützt werden.

 

Die Realität ist mitunter hart

 

Wie wirst du selbst im Gerichtssaal behandelt?

Das läuft immer nach einem bekannten Muster ab: Das fängt mit allgemeinen Gelächter an, dann werden die Leute wütend – besonders, wenn ich gute Argumente habe – und letzten Endes werden wir aber akzeptiert. Ich selbst befinde mich immer in allen drei Zuständen, weil ich im ganzen Staat (Bundesstaat Washington) arbeite und nicht nur in einer Stadt, wo du dann nach einer gewissen Zeit bekannt und anerkannt bist. Von anderen Verteidigern wirde ich oft aggressiv angegriffen. Kollegen von mir geht das genauso.

Wie würdest du die Situation der Tiere in den USA beschreiben, gerade, wenn man bedenkt, dass es in manchem Staat nicht mal auch nur einen einzigen Tierrechtsanwalt gibt?

Die Frage ist schwierig zu beantworten. Grundsätzlich gibt es aber immer mehr Anwälte, die sich in diesem Bereich engagieren, selbst, wenn sie sich mit der Sache als solches nicht identifizieren. Nehmen wir doch am besten die Konferenz „Future of Animal Law“ als Indiz für eine positive Entwicklung. Die Konferenz fand im April 2007 in Harvard statt und wurde vom ALDF gesponsert. Mit über 300 Teilnehmern war sie ausgebucht, das Interesse überstieg sogar die Kapazitäten.

Wie siehst du deine eigene Position?

Das Kalkül fällt positiv aus: Ich bin genau da, wo ich hingehöre. Ehrlich, ich empfinde es als große Ehre und Verantwortung, dass ich diese Gelegenheit habe und Tierrechte und Tier-Wohlfahrt mit unserem Rechtssystem fördern kann. Meine persönliche Utopie umfasst die komplette Abschaffung der Tier-Sklaverei. Das bedeutet die Befreiung der Tiere von jeglicher Ausbeutung. Der Begriff „vegan“ beschreibt meine Einstellung sehr gut und deutet auf eine Welt in der wir alle gemeinschaftlich leben.

Wie sieht deine Perspektive für die Zukunft aus?

Grundsätzlich wird es nur eine absolute Tierbefreiung geben, wenn die Tiere eine entsprechende rechtliche Stellung als Individuum erhalten und dann ihre Rechte derart einklagbar sind.

Tierrechtler und Tierfreund

Adam mit Kuschelfreund Kater

Gibt es Anzeichen dafür?

Ja, klitze-kleine. Kürzlich wurde ein Tierrechtsanwalt in Tennessee quasi als Vormund für ein Verfahren berufen. Dann gibt es die Verbote gegen die „Foie gras“ Produktion und gegen das „nicht-therapeutische“ Entfernen der Krallen bei Katzen. (dabei werden den Katzen die Endglieder mit den Krallen amputiert)

 

Hast du selber Haustiere?

Ja, zwei wundervolle Kater.

Adam, herzlichen Dank.

 

©Fragen und Übersetzung von Guido Barth
Fotocredit: Beitragsfoto Anne Barth, alle anderen Adam Karp

Kanzlei Adam Karp: http://www.animal-lawyer.com