Frans De Waal, „Der Mensch, der Bonobo und die zehn Gebote – Moral ist älter als Religion“

 

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Frans de Waal findet viele Ähnlickeiten zwischen Primaten und Menschen.                                                                                                                                                                            Buchcover: (c) Klett-Cotta

Es ist ein unterhaltsames Buch, das Frans de Waal hier vorgelegt hat – besonders auch aufgrund der vielen Bezüge zu Hieronymus Boschs Triptychons „Garten der Lüste“. Einem Werk, das lange als Sinnbild für die verderbte Sündhaftigkeit eines gottlosen („unmoralischen“) Lebens gestanden hat. 

Frans de Waal findet bei seinen Beobachtungen der Primaten auf eindringliche Weise bestätigt, wie nahe sich Mensch und Primaten in ihrem (moralischem) Verhalten sind. Dass das so ist, ist in den vergangenen Jahrzehnten von immer mehr Menschen zusehends akzeptiert worden.

Eines bleibt dennoch gewiss: moralischer Maßstab und Deutungshoheit liegen auch weiterhin beim Menschen („Der ’selbsternannten‘ Krone der Schöpfung“). Auch wenn wir mit dieser Lektüre lernen, dass Primaten im Einzelfall genauso gerecht, kooperativ und empathisch handeln können, wie wir Menschen.

Die Annahme, dass die Primatenwelt ein „gottloses Universum“ ist, muss eine Annahme bleiben. Wir wissen es nicht wirklich. Dennoch: angenommen es ist so, dass Bonobos tatsächlich keinen Gott kennen, dann funktioniert Frans de Waals Argumentation gut. Denn auch ohne Gott lässt sich bei den Bonobos und anderen Primaten moralisches Handeln identifizieren. Da wir davon ausgehen, dass Bonobos, anders als wir selbst, sich seit Beginn ihrer Existenz nicht sozial weiterentwickelt haben, werden ihre Verhaltensweisen schon immer unverändert vorhanden gewesen sein. Moralisches Verhalten hat es also schon gegeben, als uns gottgläubige Religionen noch gänzlich unbekannt waren. Moral ist – anders als es gerne postuliert wird, keine exklusive Gabe irgendeiner Religion oder dem Menschen vorbehalten. Moralisches Verhalten ist ein natürliches Ingredienz sozialer Strukturen.

Bei allen Ähnlichkeiten, die zwischen Primaten und Menschen beobachtbar sind, gibt es doch auch gravierende Unterschiede. Einer davon ist: wir essen sie. Eine anderer ist, dass wie diese Tiere in Zoos einsperren. Beobachtungen, die in solch einem Umfeld gemacht werden, stehen zurecht in der Kritik, dass die gewonnenen Erkenntnisse nur von relativem Wert sind. Auch wenn Verhaltensforscher immer wieder darauf hinweisen, dass sich Primaten in ihrem natürlichen Lebensraum genauso verhalten.

Dass Verhaltensforschung erfolgreich im Dschungel möglich ist, haben schon die drei mutigen Frauen: Dr. Jane Goodall, Dr. h.c. Dian Fossey und Dr. Birutė Mary F. Galdikas bewiesen.

Das Buch bietet eine ergiebige, intelligente Lektüre. LeserInnen lernen viel über das Verhalten von Primaten in Hierarchien, bei Konflikten, in der Liebe, Trauer und im allgemeinen sozialen Verhalten – und über sich selbst.

Frans de Waal, 1948 geboren, ist Biologe und ein anerkannter Primatenforscher. Als Autor ist er Verfasser sehr erfolgreicher populärwissenschaftlicher Bücher.

Guido Barth

Be vegan!

Moral als Basis funktionierender Gesellschafts-Strukturen.                                                                     Buchcover: (c) Klett-Cotta

Aus dem Amerikanischen von Cathrine Hornung (Original: The Bonobo and the Atheist. In Search of Humanism Among the Primates)
2. Aufl. 2015, 365 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, Tafelteil
ISBN: 978-3-608-98045-5

24,95 EUR

Als E-Book 19,99 EUR

 

 

Sie können zu diesem Thema in der Frankfurter Rundschau ein Interview von Arno Widmann mit Frans de Waal lesen.

 

 

 


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