Ganz ohne Gülle: Die ersten zwei Ökobetriebe dürfen sich »biozyklisch-vegan« nennen.

 

Be vegan!

In naher Zukunft wird es die ersten Produkte als „biozyklisch-vegan“ gelabelt aus Deutschland geben.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                          Logo: © BNS Biocyclic Network Services Ltd

Die ersten zwei deutschen Ökobetriebe dürfen sich offiziell »biozyklisch-vegan« nennen und ihre Erzeugnisse mit dem Gütesiegel »biozyklisch-veganer Anbau« kennzeichnen. Damit kommen demnächst die ersten Produkte aus Deutschland mit diesem Label in den Handel. Zertifiziert wurden der Obstbaubetrieb »Biolandhof Hund« aus  Meckenbeuren in Baden-Württemberg sowie die »PfalzBio GbR« im rheinland-pfälzischen Kandel, die vorwiegend Gemüse im Freiland anbaut.

Beide Biobetriebe hatten sich schon vor vielen Jahren entschlossen, vollständig nach veganen Prinzipien zu wirtschaften. Sie wurden 2017 als erste Betriebe in Deutschland von einer Öko-Kontrollstelle, dem LACON-Institut aus Offenburg, nach den neu entwickelten biozyklisch-veganen Richtlinien kontrolliert. Bis Partner im Lebensmitteleinzelhandel gefunden sind, vermarkten die Betriebe ihre Erzeugnisse nur direkt vor Ort und künftig auch über Online-Shops.

Vollständig transparent

Die Verbraucher profitieren von der Transparenz, die das biozyklisch-vegane Siegel garantiert: Die gelabelten Produkte sind nicht nur frei von sämtlichen Inhaltsstoffen tierischen Ursprungs. Bereits der Anbau erfolgt nach veganen Prinzipien. Die Betriebe schließen somit jeglichen Einsatz von »Nutztieren« zu kommerziellen Zwecken aus; ebenso von Dung oder sonstigen Betriebsmitteln von Tieren wie Hornspäne oder Blut- und Knochenmehle.

Unterstützung bei der Umstellung

»Auf rein pflanzlicher Grundlage zu wirtschaften schont Umwelt sowie Ressourcen und vermeidet jegliche Ausbeutung von Tieren«, sagt Konstantinos Tsilimekis, Leiter des Wissenschaftsressorts der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt. »Die Bodenfruchtbarkeit lässt sich auch – anders als häufig behauptet – ganz ohne sogenannte Nutztiere erhalten oder aufbauen.« Unterstützung bei der Umstellung finden Betriebe in Deutschland beim Verein Biozyklisch-Veganer Anbau. In diesem engagiert sich die Albert Schweitzer Stiftung als Mitglied seit dessen Gründung.

Globaler Bio-Standard

Auch international ist das Gütesiegel für die Betriebe rechtlich anerkannt. Die Anbaumethode ist seit Ende 2017 global als Bio-Standard gültig und somit der EU-Bio-Zertifizierung gleichwertig. Seit die Internationale Vereinigung der ökologischen Landbaubewegungen (IFOAM) den Standard anerkannt hat, sind weltweit Kontrollen und Zertifizierungen von Betrieben nach den biozyklisch-veganen Richtlinien möglich. In diesem Jahr sollen weitere Betriebe in Deutschland zertifiziert werden, sodass immer mehr Produkte mit dem biozyklisch-veganen Siegel in den Handel kommen.

Da biozyklisch-vegane Betriebe keine Exkremente von Tieren auf ihren Flächen ausbringen, besteht kein Risiko, dass antibiotikaresistente Keime aus der Tierhaltung auf die Felder gelangen. Bei herkömmlich erzeugten Lebensmitteln hingegen finden Wissenschaftler immer wieder multiresistente Erreger.

Ins Ökosystem eingebettet

Über die Anforderungen der EU-Ökoverordnung hinaus legen die biozyklisch-vegan arbeitenden Betriebe besonderen Wert darauf, den Betrieb als Kreislaufwirtschaft in das umgebende Ökosystem einzubetten. Zudem fördern sie gezielt Humusaufbau, Bodenleben und Artenvielfalt. Die Bodengesundheit und Produktivität verbessert der biozyklisch-vegane Anbau mit rein pflanzlichen Präparaten wie reifem Kompost, Mulch und Gründüngung. Durch möglichst natürliche Wachstumsbedingungen lassen sich Pflanzenschutzmaßnahmen auf ein Mindestmaß verringern.

 

 

 

 

 

Quelle: Albert Schweitzer Stiftung