Große Koalition will Pelztierhaltung neu regeln: Tierschutzverbände kritisieren fehlendes Verbot und Hintertüren für noch existierende Betriebe

 

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Ein Nerz auf einer typischen deutschen Pelzfarm.                                                                                                                                                                                                                                                                 Fotocredit: © PETA

Berlin / Stuttgart – Die Tier-rechtsorganisation PETA und die Tierschutzorganisationen Animal Public, Bund gegen Missbrauch der Tiere, Bundesverband Tierschutz, Deutscher Tierschutzbund, VIER PFOTEN und Pro Wildlife fordern in einem gemeinsamen Brief an die Bundestagsfraktionen ein striktes Verbot der Pelztierhaltung in Deutschland.

Die Große Koalition hat am Donnerstag einen Gesetzesentwurf zur Regelung der Pelztierhaltung in den Bundestag eingebracht (BT-Drucksache 18/12085). Anders als vom Bundesrat, der Mehrheit der Deutschen und Tierschutzverbänden gefordert, sieht der Antrag kein generelles Verbot vor. Es sollen lediglich die Anforderungen aus der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung für „Pelztiere“ in Form eines Verbotes mit Erlaubnisvorbehalt im Tiererzeugnisse-Handels-Verbotsgesetz überführt werden. Die Pelztierhaltung würde somit nicht grundsätzlich verboten; Pelztierhalter könnten neue Farmen eröffnen, solange sie die Haltungsbedingungen erfüllen. Den sechs verbliebenen Pelzfarmen soll zudem eine Übergangsfrist von fünf Jahren genehmigt werden – aus Tierschutzsicht ein beschämendes Ergebnis.

Deutliche Mehrheit für ein Verbot

„Rund 80 Prozent der Deutschen fordern ein klares Pelzfarmverbot. Ein Gesetz mit Hintertürchen und Schlupflöchern für Pelzfarmer wäre ein Freibrief für weitere Tierquälerei“, sagt Harald Ullmann, 2. Vorsitzender von PETA Deutschland e.V. „Wildtiere in winzige Drahtkäfige zu sperren und nach wenigen Monaten zu vergasen, ist nicht mit dem Tierschutzgedanken vereinbar. Die Große Koalition sollte im Bundestag mit ihrer Mehrheit ein endgültiges Verbot der sogenannten Pelztierhaltung beschließen. Länder wie Großbritannien, Kroatien oder Österreich haben dies bereits vor Jahrzehnten verfassungsgemäß und effektiv umgesetzt.“

Bereits im Juli 2015 beschloss der Bundesrat mehrheitlich einen Gesetzentwurf für ein Pelzfarmverbot (BR-Drs. 217/15), um die Tötung von Tieren für modische Luxusgüter gesetzlich zu unterbinden. Auch das Bundeskabinett stimmte dem Vorhaben im August zu (BT-Drs. 18/5866), und Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) gab im November 2015 bekannt, ein Verbot zu unterstützen.

Neue Haltungsverordnungen weiter nur am Profit orientiert

Laut einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens GfK aus dem Jahr 2016 befürworten 79,8 Prozent der Deutschen ein Verbot von Pelzfarmen durch den Bundestag. Aktuell sind in Deutschland noch sechs Nerzfarmen in Betrieb. Entgegen den staatlichen Vorgaben in der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung werden dort seit über fünf Jahren zehntausende Nerze in viel zu kleinen Käfigen gehalten. Die Pelzfarmer weigern sich seit 2016, den Tieren zusätzlich festen Boden, Schwimm- oder Klettermöglichkeiten zur Verfügung zu stellen. Die neuen Haltungsanforderungen für Nerze auf deutschen Pelzfarmen sind jedoch mit einem Quadratmeter Käfigfläche pro Tier weiterhin nicht tiergerecht. In deutschen Zoos sind mindestens acht Quadratmeter vorgeschrieben.

Nerze lieben es, zu schwimmen und leben meist in der Nähe von Gewässern. Sie können mit nur einem Atemzug 15 Meter tief tauchen. In freier Wildbahn verteidigen die Wildtiere ihr Revier sehr intensiv und sind absolute Einzelgänger.

 

 

 

 

Quelle: PETA

 

 

 


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