Buch von Hilal Sezgin: „Artgerecht ist nur die Freiheit“

Go vegan!

Hilal Sezgin lebt vegan auf einem Bauernhof.
                                Fotocredit: (c) Ilona Habben

Hilal Sezgin, das ist die bekannte Journalistin, die in Zeitungen wie der F.A.Z. und der Zeit, sowie auch in anderen Medien sachkundig zum Thema Tierrechte schreibt und in Talkshows darüber spricht. Die studierte Philosophin und langjährige Journalistin hat mit ihrem neuen Buch „Artgerecht ist nur die Freiheit“ ein Buch geschrieben, dass präzise ethische Werte – so sie überhaupt vorhanden sind – im Verhältnis zwischen Mensch und Tier isoliert und Denk- und Verhaltensweisen analysiert.

Das Buch ist in fünf Kapitel eingeteilt und zählt zusammen mit den Anmerkungen etwa 300 Seiten. Die Autorin bietet den LeserInnen viele rationale Argumente die gegen die Massentierhaltung sprechen. Diese Argumente bestätigen alle Gründe, auf die sich die Menschen berufen, die bereits vegetarisch oder vegan leben und jegliche Nutztierhaltung ablehnen. Sie haben aber auch genug Substanz um Fleischesser zu überzeugen: rational. Nun ist es aber so, dass das, was rational verstanden wird nicht unbedingt zu einer Verhaltensänderung führt.

Rational in der Sackgasse

Darin liegt wohl auch das größte Problem aller Menschen, die sich für mehr Tierschutz und Tierrechte einsetzen. „Keine Frage“, die Argumente dieser Gruppe von Menschen sind exzellent. Was aber hilft das bei einer so großen und finanzkräftigen Lobby der Fleisch-Produzenten. Noch wichtiger aber, Fleisch-Produzenten und Fleisch-Konsumenten zählen Tradition und Kultur auf ihrer Seite. Und in diesen beiden letzten Bereichen werden soziale Werte in erster Linie auf emotionaler Ebene weitergegeben. Rationale Argumente, so gut sie auch sein mögen, führen – und das wissen wir aus der Psychologie, bei tief verankerten Verhaltensweisen (emotional verankert) zu keinem Wandel im Denken und somit schon gar nicht im Handeln (jedenfalls nur sehr, sehr schwer).

Hier setzt Frau Sezgin sehr klug an und das ist bei allen sonstigen Qualitäten des Buches das größte Verdienst dieses Buches. Frau Sezgin bezieht immer wieder die emotionale Ebene, also das eher unbewusste „Lernen“, mit ein. Sie verfällt dabei nicht in irgendwelche Romantizismen, sondern argumentiert als Philosophin mutig und sachlich und formuliert als Journalistin prägnant und lebendig. Vor allem bleibt sie, wie sie es auch in der Einleitung erwähnt, auf Augenhöhe mit der aktuellen akademischen Debatte zur Tierethik.

Die Kapitel des Buches

1. Kapitel: Was heißt hier Ethik?
2. Kapitel: Dürfen wir Tier quälen?
3. Kapitel: Dürfen wir Tiere töten?
4. Kapitel: Dürfen wir Tiere nutzen?
5. Kapitel: Wie können wir mit Tieren leben?

„Gewalttätige Gesellschaft“

Hilal Sezgin spürt feinste Ausprägungen im menschlichen Empfinden, Verstehen und Handeln auf. Dabei geht sie auf das ganze Spektrum der Tierethik-Debatte ein: Tiere wollen leben (z.B. Wildschweine fliehen über Stunden vor Treibjägern), wie leiden einzelne Tiere (z.B. Fische am Haken)?, Speziesismus, Zukunftspläne, Würde, gesellschaftliche Verhaltens- und Fehlverhaltensweisen und vieles mehr. Mir persönlich hat das letzte Kapitel besonders gut gefallen: „Wie können wir mit Tieren leben?“ Die Autorin geht darin ganz direkt auf die „Gewalttätige Gesellschaft“ ein, die im Alltagsleben ohne jegliche Scham über die grausigsten Verbrechen (z.B. Tierversuche) an Tieren spricht, ganz öffentlich. Frau Sezgin zeigt aber auch positive Ansätze und Wege, wie wir zu einem „menschlicheren“ Miteinander im Zusammenleben mit Tieren finden können.

Jahrelange Arbeit

Das Buch ist in vielen Jahren mühsamer Arbeit entstanden. Das merkt man ihm zum Glück an. Die Argumentationsführung ist sehr klar, dabei werden auch komplexere Zusammenhänge gut verständlich beschrieben. Die Autorin verbindet sehr viele Ansätze und verknüpft diese so gut miteinander, dass am Ende des Buches das Gefühl bleibt, wichtige Antworten auf schwierige Fragen bekommen zu haben. Auch, wenn man sich vieles einfach nicht merken kann, weiß man doch, dass man, wenn man vegan lebt, auf dem richtigen Weg ist. Und ein weiteres Gefühl, dass sich beim Lesen schon zu Beginn des Buches einstellt, kommt über alle Kapitel immer wieder. Das ist dieses Gefühl: so hätte ich das Buch auch geschrieben. Deswegen kann ich es auch sehr gut weiterempfehlen.

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Artgerecht ist nur die Freiheit
Eine Ethik für Tiere oder Warum wir umdenken müssen

3. Auflage 2014. 304 S.: Klappenbroschur
C.H.BECK ISBN 978-3-406-65904-1

Auch als E-Book lieferbar.
Erschienen: 21.01.2014, sofort lieferbar!

 

 

 Fotocredit: (c) Ilona Habben


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