„Ich liebe das offene Wasser“

Guido Barth trifft: Vasanti Niemz (2010)

Vasant lebt vegetarisch

Vasanti in Aachen.

Vasanti Niemz ist zum zweiten Mal in ihrem Leben den Ärmelkanal von Dover nach Calais geschwommen. Anders als beim ersten Mal, das war 1985, hat sie dieses Mal noch eine ausgedehnte Radstrecke und eine beachtliche Laufstrecke angehängt. Sie meditiere seit vielen Jahren täglich, sagt sie. Dennoch müsse sie sich natürlich auch physisch sehr gut auf solche Herausforderungen vorbereiten – nur damit keine Missverständnisse entstünden, fügt sie hinzu.

 

Unterstützt wird Vasanti bei ihren Aktivitäten vom Sri Chinmoy Marathon Team. Dem gehört sie selbst schon sehr lange an.

vegetarisch leben, sport lieben

Gut gefrühstückt und nun zum Start in Dover

Vasanti, vor Dir eine 30 km breite Meerenge, der Ärmelkanal, wie war das, als Du Dich auf den Weg gemacht hast?

Ich habe das erste Mal am 9. September 1985 erfolgreich den Ärmelkanal durchschwommen. Damals stand ich nach langem, wetterbedingtem Warten an den White Cliffs bei Dover und sah zum ersten Mal den Kanal in seiner ganzen Breite und auch die französische Küste. Ich konnte es kaum erwarten und war erfüllt von riesiger Vorfreude.

Welche Beziehung hast Du zum Wasser?

Ich liebe das offene Wasser seit meiner Kindheit – egal ob See oder Meer. Natürlich ist das Meer kraftvoller, lebendiger und unendlicher. Als die Idee zu meinem ersten Ärmelkanal-Schwimm aufkam, faszinierte mich die Vorstellung, in die Unendlichkeit schwimmen zu können, sozusagen.

Die Strecke Dover-Calais misst um die 30 Kilometer mit unterschiedlichen Tiefen, Wellen und Strömungen und es ist kalt. Wie fühlt sich das an?

Ein großer See, wie der Bodensee und natürlich erst recht das Meer, „atmet“ – auch bei Windstille ist diese Bewegung zu spüren. Die Strömungen und die Kälte und auch die Wellen sind natürlich eine spezielle Herausforderung, auf die man sich einstellen und die man trainieren muss. Je nach Mondstand ist Ebbe oder Flut und die wechselnden Gezeitenströmungen lassen einen im Ärmelkanal in einer S-Kurve schwimmen. Vor Frankreich kann einem die Strömung große Probleme bereiten. Mitunter kommst du nur Zentimeter um Zentimeter vorwärts, manchmal geht es sogar rückwärts. Es kommt manchmal vor, dass deswegen Versuche 100 Meter vor der Küste aufgegeben werden müssen.

Du gehörst dem Sri Chinmoy Marathon Team an, das wohl einen gehörigen Anteil an Deinem Erfolg hat?

Richtig, ohne meinen Lehrer und unser Team hätte ich mir das Ganze sicher nicht zugetraut – wahrscheinlich wäre ich überhaupt nicht erst auf so eine verrückte Idee gekommen! Mein Meditationslehrer Sri Chinmoy war ja selbst begeisterter Sportler und wollte immer zeigen, wie die innere Kraft der Meditation in die äußere Welt und auch in den Körper hineinwirken kann – und Sport wiederum der Meditation hilft.

Meditieren, vegetarisch leben

Entspannen ist wichitg für die Regeneration

Vasanti, Du siehst Dich nicht als Hochleistungsathletin, sondern für Dich ist Sport – wie es schon Sri Chinmoy gesagt hat, ein exzellentes Mittel, um sich selbst zu „transzendieren“, also über sich selbst hinauszuwachsen und Grenzen zu verschieben. Welche Rolle spielt dabei Deine vegetarische Lebensweise?

Mir wurde, als ich 1982 zur Meditation kam, gesagt, dass eine vegetarische Ernährung die innere Ruhe fördern würde. Und wer immer den Versuch eine zeitlang durchführt, kann das sicherlich bestätigen. Die anderen Aspekte – ethisch, weltpolitisch, gesundheitlich, etc. – wurden mir erst später bewusst. Sicher sind Vegetarier nicht automatisch die besseren oder spirituelleren Menschen, aber eine pflanzliche Ernährung fördert die Bewusstheit und die emotionale Ausgeglichenheit und ist besser für unsere Welt! Diese Ernährung unterstützt, im Idealfall ohne Ego und Aggressivität eine harmonische innere Kraft, mit der du sehr weit kommen kannst – nicht nur im Sport. Unter den Ausdauersportlern findet man übrigens erstaunlich viele Vegetarier. Die wissen, wie schwer verdaulich Fleisch ist.

like it looks like

The feeling is…

Mal unabhängig von Deinen eigenen Leistungen, was denkst Du, lässt sich mit dem menschlichen Körper alles erreichen?

Sri Chinmoy sagte einmal, „Wir sind in Wahrheit unbegrenzt, wenn wir es nur wagen, es zu versuchen und daran zu glauben.“ Meine Erfahrung ist, dass man Zugang haben kann zu einer Art höheren „Batterie“, die wirklich unbegrenzte Energie liefern kann – aber Körper und Geist müssen auch fähig sein, sie ohne Schaden aufzunehmen. Dafür muss man dann schon trainieren.

Was passiert bei Dir, wenn Du am Ende Deiner Kräfte?

Tiefs sind ganz normal. Natürlich muss man beim Sport dann schauen, ob man genug Wasser, Vitalstoffe und Kohlenhydrate zu sich genommen hat, bzw. man sollte von Anfang an darauf achten. Manchmal kann eine kurze Pause Wunder wirken – z.B. Massage, kurzer Schlaf, kurze Meditation. Wenn jedoch der Körper völlig fertig ist und ich keinerlei Freude mehr spüre: ist Schluss.

Vasanti, herzlichen Dank für das Gespräch.

 

©Guido Barth
Fotocredits: alle Fotos von Vasanti Niemz

www.channel-triathlon.com

 

 

Vasantis Speisenkammer:

Frühstück: Haferflocken, Nüsse, Rosinen und Soyamilch, gerne auch mal ein Powermix aus Haferflocken, heißer Gemüsebrühe und rohem Ei eingerührt (inspiriert von Japan). Vollkornbrot mit Butter und Käse oder Zuckerrübensirup (oder beides), oder auch mal nur einen Eiweiß-Shake oder Eier.

Warme Mahlzeiten: oft mit Vollkornnudeln, Kartoffeln, Hülsenfrüchten
(Erbsen, Linsen, Bohnen, Kichererbsen) und Gemüse (Kohl, Karotten etc.),
sportlermäßig eher einfach und als Eintopf oder auch Suppe, gerne mit frischem
Ingwer, Tomatensauce, Zwiebeln und Kräutern. Öfters Tofu (bio) oder Bohnen aller
Art für das Eiweiss. Dazu natürlich Salate, Sprossen, Obst, und zum Knabbern gerne
Sonnenblumenkerne, Nüsse, Rosinen, Cranberries oder auch mal Gojibeeren. 1-2
mal die Woche gesponsorte Burritos oder Tofusalat in meinem Lieblingsrestaurant
„Waves“, von Freunden geführt, in Heidelberg.

Englisches Ärmelkanalfrühstück in Dover: Spiegel- oder Rührrei mit Bohnen, gebratene Tomaten, Kartoffeln, dazu Toast und vorher Müsli

Trainings-“Futter“:

Eierwaffeln, Haferflocken, Nüsse und Rosinen, als Getränk oft
Gewürztee mit Fruchtzucker (gute KH-Quelle für Ultrasportler), bei längeren
Einheiten auch mal Gemüsebrühe für das Salz, beim Event selber beim Radeln und
Laufen vorwiegend Energie-Gels und Drinks mit Maltodextrin, Haferkekse, heiße Schokolade oder Tee. Ein basisches Lieblingsgetränk vor und nach dem Training ist auch eine frisch gepresste Zitrone, eine Spitze Cayennepfeffer, etwa 2 EL Baumsirup, mit Wasser vermischt (Neera).

Nahrungsergänzung: neben Eiweisspulver noch Blütenpollen und vegetarische Gelée Royale Kapseln.

 


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