Interview mit Gudrun Schaumann: „Ich liebe die Romantik, sie ist wie ein Rausch“

Go vegan!

Gudrun Schaumann wurde an der renommierten „Juilliard School“ in New York ausgebildet.                                                                                           Fotocredit: (c) Angela & Lutz Stoess Photographie

Gudrun Schaumann ist Violinistin. Die Künstlerin lebt vegan und orientiert sich rohköstlich. Sie wuchs in Ost-Berlin auf, zu einer Zeit, als die Stadt noch geteilt war. Eines Nachts gelang der Familie eine aufsehenerregende Flucht über die Mauer nach West-Berlin.

Ihr Weg führte sie später weiter in die USA, wo sie in New York mit einem Stipendium der „Studienstiftung des deutschen Volkes“ eine musische Ausbildung an der berühmten „Juilliard School of Music“ erhielt. Aktuell gibt es von ihr die Doppel-SACD „The Circle of Robert Schumann“: mit Kompositionen von Robert und Clara Schumann, sowie Weggefährten (Vol 1 und 2, insgesamt vier CDs).

„Die Weihnachtsgans tut mir leid,…“

„Leberwurstbrötchen habe ich schon im Kindergarten abgelehnt.“ „Intuitiv“, wie sie sagt, denn sie habe damals noch gar nicht gewusst, woraus Leberwurst gemacht wird. Gudrun Schaumann war sechs, als sie erlebte, wie die Großmutter – im damaligen Ost-Berlin – das Grünfutter der „Weihnachtsgans“ aus deren Magen holte. Sie floh aus der Küche und echauffierte sich: „Die Weihnachtsgans tut mir leid, die esse ich nicht.“ Wenn es Eier gab, sagte sie: „Da kommen die süßen Küken heraus, die esse ich auch nicht.“ Früh regte sich offenbar ihr Mitgefühl für die Tierwelt.

Familiengarten in Berlin-Grünau

Sie ließ ihre Umwelt weiterhin ganz direkt wissen, was sie dachte. Etwas später wählte sie bei einer Mittagsmahlzeit mit Leber, Zwiebeln und Äpfeln, nur die Zwiebeln und Äpfel, dazu ein paar Kartoffeln. „Allein den Leber-Geruch fand ich zum Davonlaufen“. Ihre Vorlieben wuchsen alle im Familiengarten in Berlin-Grünau, wo sie mit bestem Appetit die großen Stachelbeerbüsche leer futterte, „war da nichts mehr dran, habe ich, zum Schrecken meiner Eltern, auch den jungen Sauerkirschbaum geplündert“, besonders gerne erinnere sie sich auch an die köstlichen Erdbeeren aus den riesigen Erdbeerbeeten.

Musik steht an erster Stelle

Go vegan!

Gudrun Schaumann hat ein sehr großes Interesse an der Musik von Robert Schumann und seinen WeggefährtInnen.    Fotocredit: (c) Angela & Lutz Stoess Photographie

Gudrun Schaumann bekam mit fünf Jahren ihren ersten Violinunterricht, dazu kam Klavier, Kammermusik und Fechten an der Oper. Sie schwamm, ging zur Leichtathletik und entdeckte ihre Passionen für: Schwebebalken, Stufenbarren und Ballett. „Meine Musikleidenschaft stand aber immer an erster Stelle – absolut“.

Biologisch im eigenen Garten

„Ich bin so froh, dass meine Mutter ihrer Zeit weit voraus war“. Sie habe nämlich nicht darauf bestanden, „dass ich esse, was auf den Tisch kommt“, sondern sie habe damit begonnen, sich mit einschlägiger ernährungswissenschaftlicher Literatur zu beschäftigen, beschreibt Frau Schaumann diese Zeit. Von da ab habe sich die ganze Familie rein vegetarisch ernährt, mit größtem Genuss auch mit besonders viel Rohkost, betont die attraktive Geigerin. „Mein Vater war Solo-Oboist an der Oper in Ost-Berlin und meine Mutter war an der Kunstakademie ausgebildet – sie begann ohne Zögern im eigenen Garten biologisch anzubauen.“ Sie lacht: „Auf den schlichten Sandböden der Mark Brandenburg wuchs zu unser aller Erstaunen und Begeisterung einfach alles im Überfluss: Äpfel, Birnen, Pflaumen, Aprikosen, Pfirsiche, Kirschen, Kürbisse, Mandeln, Salate, Kartoffeln etc. etc.  Ein wahres „Paradies“, und das in der DDR.“

„Schulbrot“ für lange Wege

„Von da an war das Frühstück mit Haferflocken, Nüssen und geriebenen Äpfeln aus dem eigenen Garten mein Lieblingsessen“. Wegen der sehr langen Schulwege in Berlin mit der S-Bahn gab ihr ihre Mutter als Kind immer ein kleines Thermosgefäß mit gekochter Hirse, dazu ein Glas Apfelmus, Äpfel und Mandeln.
„Das war mein ´Schulbrot´ “.

Erspieltes Stipendium

Fotocredit: (c) Angela & Lutz Stoess Photographie

Gudrun Schauman: „Mir liegt die Romantik“.                                                           Fotocredit: (c) Angela & Lutz Stoess Photographie

Ein Stipendium führt Gudrun Schaumann nach New York, an die „Juilliard School of Music“. Dort lebte sie mehrere Jahre in der Welt-Metropole. „Es war eine grandiose Zeit“. Heute ist die Musikerin als Kammermusikerin viel unterwegs: Als Ensemble-Spielerin im Duo, Trio und Streichquartett. In der Musik liege ihr besonders die Romantik, „sie kann wie ein Rausch sein“.

Selbstversorgerin auf Reisen

Auf ihren Reisen versorgt sie sich am liebsten selbst. Dazu geht sie in Naturkostläden und recherchiert im Internet vegane oder vegetarische Imbisse und Restaurants. „Das ist nicht immer ganz einfach“. Über die Jahre sei das Bio-Angebot in der Quantität, aber besonders auch in der Qualität, viel, viel besser geworden, freut sie sich. Auf die Frage nach ihrer Heimatstadt Berlin ruft sie: „Phantastisch, was es da heute alles gibt.“

 

 

©Guido Barth
Fotocredits: „Angela & Lutz Stoess Photographie“

http://www.gudrunschaumann.de

Aktuelle Doppel-(SA)CDs: „The Circle of Robert Schumann“ Volume 1 und Volume 2 – insgesamt 4 (SA)CDs 

http://www.gudrunschaumann.de/diskografie.html