vegan leben: „Ich will Spass, hab aber einen ernsten Hintergrund“

 

Guido Barth trifft: Dan Mathews (2009)

Peta-Vizepräsident Dan Mathews ist selbst ein Star

Dan Mathews vor einem Plakat mit dem Cover seines Buches „Respekt!“ in einer Bar in Hamburg

Mathews ist Vizepräsident und Kampagnenchef der weltweit aktiven Tierrechtsorganisation Peta. Gerade ist sein Buch „Respekt!“ auf dem deutschen Markt erschienen. In abenteuerlich-spannender Manier, heiter und humorvoll, erzählt der Autor aus nun fast 25 Jahren als Initiator vieler internat-ional erfolgreicher Kampagnen.

Mathews sieht sich selbst als dynamischer Aktivist, der in seinem Leben bei ernstem Hintergrund trotzdem Spaß haben will. Auch Dank der vielen Prominenten, die ihn unterstützen: Paul McCartney, Pamela Anderson, Pink, Nina Hagen u.v.a., steht er oft im Scheinwerferlicht der Medien.

Sie leben vegan, welche Kriterien gibt es, nach denen Sie auf Ihren Reisen Hotels aussuchen?

Ehrlich gesagt, in Hotels übernachte ich selten. Ich bin jetzt seit fast 25 Jahren für
Peta aktiv, ich habe überall auf der Welt gute Freunde. Bei ihnen rufe ich an und
sage, dass ich ich komme und wir freuen uns immer wahnsinnig, dass wir uns Mal
wiedersehen. Außerdem sind Hotels sehr teuer und bei Peta stecken wir das Geld
lieber in unsere Kampagnen.

Bringen Sie von Ihren Reisen so etwas wie Souvenirs mit?

(Lacht) Man nennt mich den modernen „Marco Polo“. Da können Sie sich gleich
denken, was sie in meiner Reisetasche finden. Ich koche und grille sehr gerne und
bin ein ausgesprochener Gewürzeliebhaber. Ganz gleich, wo ich gerade bin, kaufe
ich Gewürze und alle möglichen Gewürzsaucen.

Dan Mathews mit Freunden vor der Olivia Jones Bar

Dan Mathews steht rechts und freut sich sichtlich über die spontane Aktion mit Freunden. Olivia Jones Bar, Große Freiheit 35 in Hamburg

Wenn Sie soviel unterwegs sind, wo fühlen Sie sich da zu Hause?
Auf der ganzen Welt. Ich bin auf der ganzen Welt zu Hause. Peta sitzt in Norfolk, dort habe ich meine Wohnung. Aber zu Hause fühle ich mich überall.

In den vielen Jahren als Kampagnen-Chef und Vize-Präsident von Peta sind Sie oft verhaftet worden. Wie sieht es in Gefängnissen mit dem vegetarischen Essen aus?

Das ist eigentlich kein großes Problem. In den ersten Jahren haben ich einen
Connoisseur’s Guide geschrieben, einen „Michelin“ Guide für Gefängnisse. Darin
habe ich den Service (lacht), das Essen und die Unterkunft bewertet. Wie gesagt,
vegetarisch ist kein Problem, schon wegen der unterschiedlichen Religionen, aber
vegan ist schwierig. Peta engagiert sich da im Namen von Inhaftierten und wir
schreiben an die Gefängnisbetreiber.

Vegan leben, mit viel Sinn für Stil und jede Menge Charme In Ihrem Buch beschreiben Sie in einem Kapitel, wie Pamela Anderson zu Peta gekommen ist.

Ja, nicht etwa wir haben den Kontakt zu ihr aufgenommen, sondern sie hat uns
gebeten, dass wir sie in unseren Kampagnen einsetzen. Das ist schon viele Jahre
her und mit ihr verbindet mich inzwischen eine sehr enge Freundschaft. Wir waren
auch zusammen auf dem Wiener Opernball. „Mörtel“ Lugner hatte Pam eingeladen
und sie hat mich mitgenommen. Meine Güte, ganz Österreich hatte bis zuletzt eine
wahnsinnige Angst, dass wir den Ball als große Bühne nutzen wollen. Im Fernsehen, ach, in allen Medien wurde darüber berichtet. Und Österreich ist wirklich konservativ.
Da musst Du aufpassen. In einigen Fernsehauftritten zur besten Sendezeit konnten
wir die Stimmung aber drehen. Es wurde ein wunderbarer Abend. Allein Pams
Anwesenheit sorgte für genug Aufsehen. Wir hatten wirklich keinen Moment daran
gedacht, den Ball als Bühne für einen „Aufstand“ zu nutzen.

Es wäre nicht Ihr erster gewesen.

Nein. Ich sagte ja, ich war schon mehrfach im Gefängnis gewesen, insgesamt über
20 Mal. Oft einfach, weil wir nackt demonstriert haben. Ich habe in Mailand als
Priester verkleidet Modeschauen gestört und wir haben Büros von Modemachern,
die Pelz verarbeiten, besetzt, um sie zu Verhandlungen mit uns zu drängen. Der
bekannteste Fall ist sicher Calvin Klein, der uns nach anfänglichen Hakeleien,
wirklich weit entgegen gekommen ist – oder Ralf Lauren, ein toller Mensch. Aktuell
waren wir zu den Oskarverleihungen im Februar aktiv. Armani hatte sein
Versprechen gebrochen und doch wieder Pelze in seiner Kollektion verwendet. Wir
haben alle Stars informiert und sie gebeten, doch bitte keine Armani Mode zu tragen.

Dan Mathews Buch "Respekt! wird von Olivia Jones und Dirk Bach promotet

Dan Mathews mit Olivia Jones in der Olivia Jones Bar

Welche Kampagnen sind derzeit aktuell?

Wie seit Jahren KFC. Jahrelang haben die jegliches Entgegekommen blockiert und
gelogen. In Kanada haben wir da gerade einen riesigen Erfolg erlebt. KFC Kanada
hat nach wirklich harten Verhandlungen zugestimmt, dass sie von ihren Lieferanten
Mindeststandards fordern.


Spektakuläre Kampagnen. Konsequenz? Immer mehr vegan lebende Menschen

Worum geht es bei diesen Standards konkret?

Hühner sind sehr verletzliche Tiere und da sie relativ klein sind und in Massen
gezüchtet werden, hat man sie „gerne“ aus dem Tierschutzgesetz, das in den den
60er Jahren verabschiedet wurde, ausgeschlossen. Allein KFC ist verantwortlich für
den Tod von über einer Milliarde Hühner jedes Jahr. Die Aufzucht ist grausam, das
Verladen für den Transport außerordentlich brutal und oft sind die Tiere nicht Tod –
in wird am Fließband mit einem rotierenden Messer der Hals durchgeschnitten, wenn sie durch ein Tauchbad mit kochendem Wasser zum entfedern gezogen werden. Wir möchten, dass das geändert wird. Unser Ziel ist natürlich, dass gar keine Tiere mehr getötet werden, aber das geht nicht von einem Tag auf den anderen.

Was hat KFC Kanada jetzt zugestanden?

KFC Kanada wir ein neues technisches Verfahren zum Töten einsetzen. Das nennt
sich Controlled Killing Atmosphere, kurz „CAK“. Dabei wird der Atmosphäre
sukzessive Sauerstoff entzogen. Die Tiere schlafen ein und sterben. Das ist weit
weniger qualvoll, als kopfüber, oft mit gebrochenen Beinen am Fließband hängend,
ans Messer transportiert zu werden.

Wie sehr hilft eigentlich der Einsatz von Stars?

Wenn ich meine Mutter – die auch vegan lebt, sie ist 80, irgendwo hinstelle und sie
sagt etwas, das interessiert niemanden. Sagt aber Pink oder Alec Baldwin genau
dasselbe, reißt sich die ganze Welt darum. Wir haben Mal ein Video gemacht und
waren etwas enttäuscht, dass es sich nicht soviel Menschen anschauen, wie wir es
erwartet hatten. Pink hatte dann die Idee, dass wir das Video einfach auf ihre Seite
hochladen. Du glaubst gar nicht, wieviele Leute sich seitdem das Video angeschaut
haben. Rekordverdächtig.

Ihr Buch hat den Untertitel: sein Leben, seine Kampagnen, seine Stars. Wie hat das mit den Stars angefangen?

Ganz zu Anfang war ich ja nur Telefonist bei Peta, als ich die Kampagnenleitung
übernommen hatte, kannte ich niemanden. Ich habe eines Tages eine der
schillerndsten Persönlickeiten überhaupt getroffen: Nina Hagen. Sie hatte da schon
ihr Lied „Don’t Kill The Animals“ veröffentlicht. Sie hat mir Mut gemacht und mich
bestärkt, an mich zu glauben. Sie hat mir so viele Türen geöffnet und mich ganz,
ganz vielen Leuten vorgestellt, wodurch über die Jahre erst die ganzen Erfolge
möglich wurden. Heute bin ich mit vielen dieser wunderbaren Menschen wirklich eng befreundet: Nina, Pamela, Pink, Paul McCartney und so viele andere. Danke, danke, an alle.

Dan Mathews und Guido Barth haben sich hervorragend verstanden

Dan Mathews mit Guido Barth nach dem Interview.                                                                                                          Fotocredit: (c) v-p / privat

Was wollen Sie bei den Menschen erreichen?

Es ist wichtig, die Menschen zu animieren, ihre Denkgewohn-heiten Mal zu hinterfragen. Da gibt es bei Tierrechten durchaus Parall-elen zum schwul sein. In den Metropolen dieser Welt und in der Szene dreht sich da keiner mehr um. Ich gehe mit meinem Freund aber gerne dort Hand in Hand spazieren, wo es noch auffällt und ich provoziere auch ganz gerne.

Dan Mathews, vielen herzlichen Dank für das Gespräch.

 

©Guido Barth


Alle Fotos: Guido Barth

Buch:

RESPEKT!:

Tierschützer Dan Mathews: Sein Leben, seine Kampagnen, seine Stars

Verlag: Atrium-Verlag, Hamburg (März 2009)
ISBN: 9783855355051


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