Maroon Sänger André Moraweck: „…Baguette, das war belegt mit Paprika-Chips“

Guido Barth trifft: André Moraweck, Sänger der Metalcore-Band Maroon (2009)

André Moraweck lebt vegan

Man in the middle: André Moraweck mit Maroon
                                  Fotocredit: ©Nina Kolle

André Moraweck ist Sänger der 1998 gegründeten und heute weltweit erfolgreichen Thüringer Metalcore Band Maroon. André Moraweck ist 34 Jahre alt und lebt seit langem vegan. Guido Barth hat sich mit dem Musiker vor einem Konzert in Berlin getroffen.


André, Maroon ist eine äußerst erfolgreiche Metalcore Band, allein eure MySpace Seite wurde schon viele Millionen Mal aufgerufen. Wieviel Arbeit steckt dahinter?

(Lacht). Das ist schon einiges. Ganz hart waren die ersten Jahre, da musst Du Dich 100 Prozent auf die Band konzentrieren. Du bist ständig auf Tour, du schreibst, du komponierst, sitzt im Studio oder gibst mitunter extrem viele Interviews. Manchmal bist du wochenlang oder sogar monatelang nicht zu Hause. Wenn du zurückkommst, bist du ziemlich erschöpft und bringst nicht Mal Geld mit.

„Order“, so heißt das aktuelle Album von Maroon. In einer Mischung aus härteren Klängen mit vielen melodischen Sequenzen gelingt den vier Musikern aus Thüringen ein äußerst abwechslungsreiches, intensives Album – mit fast visionären musikalischen Zügen ist ein tolles Werk entstanden. Das Album gilt, bereits jetzt, als eines der besten Metal-Alben des Jahres 2009.


Du bist in Nordhausen, in Thüringen, aufgewachsen. Es gab da Mal einen anderen bekannten „Vegetarier“…

Eduard Baltzer. Ich weiß Bescheid, schließlich ist er der Gründer der vegetarischen Bewegung in Deutschland. Ich kenne auch die Geschichte des Vegetarierbundes ziemlich gut. Interessant ist dazu ja gerade, dass damals (1867, Anm.d.R.) in Nordhausen eines der ersten vegetarischen Zentren überhaupt eröffnet wurde.

Ein Thema für Maroon: Straight Edge

Metalcore Band „Maroon“ aus Thüringen
                                                                             Fotocredit: ©Nina Kolle

Du selbst lebst vegan und folgst in Deiner Lebensweise der Straight Edge Bewegung. Was genau bedeutet das für Dein Leben?

Ich rauche nicht, ich trinke nicht, ich nehme auch sonst keine Drogen und ich bin glücklich verheiratet und Vater. Ich liebe die Natur und ich bin wann immer möglich draussen. Außerdem benutze meistens das Fahrrad. Und, ich lebe eben vegan.

Welches sind die Gründe für Deine vegane Lebensweise?

Das ist ganz klar ethisch motiviert, wobei die Qualität der Nahrungsmittel heute auch eine ganz große Rolle spielt. Was das angeht, war es mir früher egal, ob das Zeug Chemie war: Hauptsache vegan. Heute esse ich fast ausschließlich bio.

Essen aus Tour

André Moraweck:

„Was das Catering angeht, haben wir schon ziemlich alles erlebt. Das fängt an bei einem Teller Pasta und einem Tetrapak kalter Tomatensauce. In Frankreich gab es Mal Baguette, das war belegt mit Paprika-Chips. Sonst nix. Inzwischen ist das zum Glück anders; jetzt, wo wir bekannter sind, gibt es da keine Problem mehr. Die Veranstalter bekommen einige Wochen vor dem Konzert unseren Catering-Rider, auf dem steht alles ganz genau drauf. Es wird haarklein erklärt, was für uns vegan bedeutet und was wir haben möchten. Damit kann der Veranstalter dann alles vorbereiten. Ich persönlich ernähre mich während einer zweiwöchigen Tour gerne auch Mal nur von Rohkost und Wasser.“

Interview über Musik und vegan

André Moraweck und Guido Barth
                                          Fotocredit: www.more-metal.com

Deine Arme, dein Hals und dein Oberkörper sind großflächig tätowiert. Da sind Symbole und Darstellungen, die wohl aus der nordischen Mythologie kommen. Auf einem Unterarm steht „Straight Edge“, auf dem anderen „vegan“. Worum geht’s?

Ich bin sehr interessiert an nordischer Mythologie, was aber jetzt erstmal nichts direkt mit dem Veganen zu tun. Das lief parallel, sagen wir Mal so. Ich bin seit 15 Jahren vegetarisch und 10 Jahre ist es jetzt her, das ich angefangen habe, viel über nordische Mythologie zu lesen. Das ist für mich eine spirituelle Sache. Keine Religion, sondern meine persönliche Verbundenheit mit der Natur, der Erde und allen Geschöpfen – irgendwie.

Spirituell, was bedeutet das für Dich?

Das bin ich, das, was in mir ist. Das ist alles, was mich ausmacht und alles das, was meine Umwelt von mir mitbekommt. Spirituell bedeutet für mich eigentlich, mit der Natur in Einklang zu leben. Das ist für mich eben ganz wichtig, mit der Natur zu leben. Mystisch und die Natur nicht nur als Objekt zu sehen, auf dem man rumlatschen kann, frische Luft schnappt, oder mit dem Hund spazieren geht. Für mich bedeutet das: alles richtig wahrnehmen, hinter jedem Baum, hinter jedem Busch, hinter jeder Wolke, einfach zu atmen und genau zu merken, was da so hinter steckt. Das ist halt mehr, als ein Zufluchtsort nach der Arbeit.

„Dass nochmal eine große Revolution kommt, glaube ich nicht. Die Menschen sind so satt und eingefettet“. André Moraweck


So ein Musikerleben ist aber nicht gerade ein ruhiges Leben, besonders, wenn man, wie Maroon, sehr erfolgreich unterwegs ist. Da geht es wohl recht häufig ziemlich turbulent zu.

Das stimmt. Da sind immer Leute um dich herum und es ist immer was los. Super, ja. Die Musik bedeutet mir unheimlich viel und für mich ist das auch ein wichtiges Ventil, wenn ich auf der Bühne alles rauslassen kann. Aber, ich bin dann auch froh, wenn es Mal ruhiger zugeht. Wenn ich dann nach Hause komme, schnappen meine Frau und ich unser Kind und wir gehen raus. Ich liebe es, draußen zu sein. Das kann dann auch Mal ein bisschen länger dauern. Wir wandern extrem gerne, ich würde sagen, wir machen schon fast professionelles Trekking; über Wochen sind wir mit richtig viel Gepäck unterwegs. Hohe Tatra, Island, viel Norwegen und Schweden: Das ist unglaublich schön. In ein paar Jahren möchten wir gerne nach Schweden auswandern. Dort würde ich gerne ein Gästehaus eröffnen und naturnah leben.

Ohne Musik?

Ganz ohne sicher nicht. Ich könnte mir vorstellen, dass ich nochmal was ganz anderes mache, z.B. Dark-Ambiant Geschichten. Instrumentale Musik, alleine mit dem Computer und selbstgebauten Instrumenten. Das gäbe es dann alles kostenlos, online.

Derzeit sieht es aber eher so aus, dass um euch ein echter Wirbel entsteht. „Order“, euer neues Album ist sehr erfolgreich gestartet und gilt schon jetzt als eines der besten Metal-Alben dieses Jahres. Wenn eine Band richtig erfolgreich wird, was verändert sich dann?

Wir waren ja schon vorher erfolgreich, aber es stimmt, jetzt, wo unser neues Album gleich in den Charts gelandet ist, hat sich nochmal etwas verändert. Wir werden auf den Festivals gleich ein paar Plätze höher gelistet. Unser Bandname wird nun auf den Plakaten gleich fetter gedruckt. In Zukunft bedeutet das sicher auch mehr Geld. So freuen sich besonders auch die Manager über so eine Charts-Platzierung. Das gilt auch für viele, die sich immer der unabhängigen Musikszene zurechnen.

André, herzlichen Dank für das Gespräch.

©Guido Barth
Fotocredits: Foto 1 und Foto 2 ©Nina Kolle
Fotocredit  : Foto 3 www.more-metal.com
Logo und CD-Cover: Century Media

Aktuelles Album von Maroon:

Cover_Order
„Order“
Audio CD (17. April 2009)
Label: Century Media (EMI)
ASIN: B001V7UX8K

 


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