DSDS: Juliette, wer ist für Dich ein Superstar?

Guido Barth trifft: Juliette (2003)

Go vegan!

Go vegan!

Im Gegensatz zu anderen Teilnehmern bei Deutschland sucht den Superstar im Jahr 2003 konnte Juliette tatsächlich tanzen und singen. Sie hatte beides in einer Ausbildung in Hamburg gelernt. Warum sie dennocht „nur“ zweite geworden ist, weiß wohl nur die Jury. Für mich viel wichtiger war es, dass sich Juliette schon lange vegetarisch ernährt.

 

Juliette, wer ist für Dich ein Superstar?

Die Rolling Stones sind Superstars.

Was macht sie für Dich zu Superstars?

Kontinuität und Qualität. Höhen und Tiefen erleben und dennoch Jahrzehnte lang erfolgreich sein.

Du bist dafür noch sehr jung. Wie war es bei DSDS – Deutschland sucht den Superstar?

Es war großartig. So ein Medienrummel macht dich aber natürlich noch nicht zu einem Super-Star.

Wie geht es mit Deiner Karriere weiter?

Gut! Ich gehe meinen Weg und ich bin sehr stolz darauf. Ich mache meine Musik und bin glücklich, das zu machen, was ich liebe und wohinter ich stehe. Ich bin nach meinen eigenen Maßstäben erfolgreich – ich mache das, was ich mir vorgenommen habe.

Wie war Dein künstlerischer Weg bisher?

Ich arbeite seit dreizehn Jahren auf der Bühne. Ich habe im John Neumeyer Center Tanzen gelernt. Singen habe ich beim Musical gelernt. Das kostet viel Kraft und Ausdauer. Ein Superstar entsteht ja nicht über Nacht. (lacht)

Jetzt geht es bergauf für Dich?

Ich hoffe es, ich hoffe es sehr. Es ist ein ungeheurer Hype. Da ist man plötzlich ganz oben und wundert sich, was ist denn eigentlich los. Und dann ist der Rummel erst mal vorbei und man taucht etwas ab. Das ist aber auch ganz gut, denn immer so im Fokus der Öffentlichkeit zu stehen, das ist für mich sehr krass. Und insofern war es gut, dass sich das erst mal beruhigt hat; das habe ich genossen. Ich habe mich auf das konzentriert, wofür ich das eigentlich alles gemacht habe. Auf die Musik – wie jeder Musiker. Ich habe mich auf mein Album konzentriert, auf den kreativen Prozess. Das ist das, was mir wieder Kraft gibt. Ich brauche die Kraft für meine ganzen anderen Aufgaben.
Bisher läuft das sehr gut. Ich merke, wie ich wieder ruhiger werde, mich mehr entspanne.

Du bist ja Tänzerin, also körperlich topfit und immer in Bewegung. Dafür brauchst Du viel Energie und Körper-Bewusstsein. Woher kommt das alles?

Du brauchst etwas, was dir Power gibt, Energie, aber das deinen Fluss nicht stört. Wenn jemand sehr aktiv ist und dann ein dickes Steak – so richtig mit Kartoffeln und Soße – das kann ich mir nicht vorstellen. Ich könnte das nicht. Ich esse alles, was ich will, ich esse auch viel und bin ein Scheunendrescher. Es muss mir aber gut tun.

Was tut Dir gut?

Stilles Wasser ist wichtig. Kräutertees sind immer gut. Es ist komisch, je mehr man sich bewusst ernährt, desto mehr merkt man auch, was es mit einem macht.

Welche Rolle spielt für Dich, woher das Essen kommt?

Umso mehr man auf Essen achtet, desto mehr merkt man auch die Unterschiede. Holland erkenne ich sofort: Wasser, Wasser, Wasser. Ich aber brauche diese spanischen Strauchtomaten, die kannst du riechen, mmmh. Diesen Geruch, diesen Geschmack: Das brauche ich. Schmecken, riechen, fühlen: alle Sinne sind ja am Essen beteiligt. Das ist ja das Coole daran.
Ich mache Yoga mit einer sehr guten Freundin. Sie ist auch meine Personal-Trainerin. Wir machen manchmal richtig viel Yoga. Ja, wir leben Yoga – auch bei der Ernährung. Wir zelebrieren das Essen. Bereitest du dein Essen selbst zu und freust dich darauf, so nimmst du mit deinem Körper die Nahrung ganz anders auf, als wenn alles nur hingestellt wird. Is´ einfach so. Ich merke da, wie alles ein Kreislauf ist und zueinander gehört. Jetzt wird’s aber langsam esoterisch hier, huch!

Machst Du dir Gedanken, wie und unter welchen Bedingungen Nahrungsmittel erzeugt werden?

Ehrlich gesagt: Wenig. Sicher kann ich mir vorstellen, dass es Länder gibt, wo die Trauben so richtig fett am Stock hängen – das Visuelle ist ja auch wichtig. Aber wo alles herkommt, das ist nicht so sehr mein Thema. Für mich ist wichtig, dass man den Sachen ansieht, dass sie nicht irgendwie in Plastiktüten verkauft werden, sondern, dass die Erde noch an den Kartoffeln klebt.

Kaufst Du viel auf dem Markt, wenn Du selbst einkaufst?

Ich kaufe gern beim Türken oder auf dem Markt, einfach frisch. Es gibt auch in „konventionellen“ Geschäften gutes Gemüse. Ich brauche nicht immer Bio.

Kannst Du das in Deinem Alltag umsetzen?

Ich denke, das hat auch etwas mit Erziehung zu tun. Was Küche betrifft, bin ich französisch aufgezogen, meine Mutter ist Französin und ich habe als Kind mehr Zeit in Frankreich verbracht als in Deutschland. In Frankreich ist alles frisch, alles vom Markt, viel Gemüse. Es hängt viel davon ab, wie man aufwächst. Ich trinke zum Beispiel schon immer nur stilles Wasser und irgendwann habe ich gemerkt, wie gut mir das tut.
Wenn unterwegs viel Hektik ist, wenn zu den unmöglichsten Uhrzeiten gegessen wird und man einfach etwas braucht, dann gebe ich mir schon auch mal einen Pommes-Schutz, einen kleinen Fettmantel, der mir gut tut. Das ist dann Seelennahrung und das finde ich auch sehr wichtig.

Du lebst seit einigen Jahren vegetarisch. Wie hast Du vorher gelebt?

Ich habe mich schon sehr früh gefragt, nicht mal bewusst, sondern mein Körper hat mir einfach gesagt: Worauf hast du Bock und was brauchst du nicht? Und rotes Fleisch brauchte ich einfach nicht. Also Rind und Schwein. Ich habe eigentlich immer nur Geflügel oder Fisch gegessen und das auch noch eher selten. Und irgendwann habe ich mich damit auch auseinander gesetzt und gedacht: Wie kommt das eigentlich, dass ich kein rotes Fleisch esse? Eigentlich komisch. Komisch deswegen, weil meine Mutter immer sehr viel Fleisch gegessen hat. Am liebsten „englisch“. Das Blut hat gespritzt. An dem Tag, wo mir das alles auffiel und ich darüber nachdachte, sah ich im Fernsehen eine Reportage über Tierhaltung. Das komplette Programm. Nicht nur Rinder und Schweine, sondern auch über Hühner und Fische. Und da war’s dann vorbei. Wenn ich eh nur Fisch und Geflügel esse und das auch noch selten, dann muss ich das eigentlich nicht mehr fördern. Ich muss nicht fördern, dass ein Huhn mit abgehacktem Kopf noch weiterläuft, tut mir echt leid. Das brauche ich nicht.
Seither habe ich für mich entschieden, dass ich das nicht will. Ich würde es aber niemals sagen, wenn ein Freund in meiner Gegenwart Fleisch isst, dass ich dann nicht mehr am Tisch sitzen will. Ich weiß, was ich will und was ich nicht will und unnötig finde. Das ist einfach mein persönliches Anliegen. Es geht mir gut dabei; da fehlt nichts. Ich kann mich besser ohne Fleisch ernähren.

Wie ist das mit dem Wohlfühlen – fühlst Du dich wohl?

Mein Motto ist: Du musst dich selbst glücklich machen, ein anderer wird’s für dich nicht tun. Und umso wohler du dich fühlst, dir dein Wohl schaffst, umso glücklicher bist du und umso mehr hast du einfach zu bieten. Im Leben generell. Du bist einfach offener und mehr da. Besser kann’s dir nicht gehen, als wenn du mit dir im Einklang bist. Und dann bist du auch bereit für größere und schwierigere Aufgaben, die auch kraftraubend sind. Wie zum Beispiel dieses Musikgeschäft.
Ich merke es wirklich, wenn ich wieder eine Zeit lang achtlos war, weil wieder mehr Stress ist und ich wieder viel Junk-Food gegessen habe und wieder nur am Rasen bin: Ich werde müde, ich werde muffig, mich regen Sachen schneller auf. Dann weiß ich wieder – uhuhu, Bremse, es wird wieder Zeit! Und es ist einfach cool, wenn dein Körper dir das so sagt. Wenn du soweit bist, dann weißt du, hey: Du hast es eigentlich ganz gut geschafft.

Was ist Dir wichtig im Leben?

Wichtig ist mir meine Balance. Ich brauche einen starken Halt von Familie und Freunden. Das ist mir sehr wichtig, ohne das kann ich nicht leben. Aber genauso geht es nicht ohne meinen Druck und meine Arbeit. Ich brauche beides. Ohne mich selbst zu fordern, geht es nicht. Und ich bin da wirklich extrem, wenn ich arbeite. Das muss alles auf dem Punkt – wirklich auf dem Punkt. Und wenn es nicht auf dem Punkt ist, dann wird Stunden, Nächte, Tage, Wochen gearbeitet. Das brauche ich. Ich brauche das Gefühl, dass ich sagen kann: Wow. Das ist es. Und Leute, die sich das ansehen, sagen auch: WOW. Das brauche ich. Aber genauso gut brauche ich das Fallen lassen. Das ist etwas sehr Schwieriges.

Du bist Vegetarierin seit du vor einigen Jahren jene Reportage über das Schlachten von Tieren gesehen hast. Vegetarisch, das hat doch auch viel mit Moral, mit Ethik zu tun.

Ja klar. Also, ich bin als Kind sehr tiernah aufgewachsen. Das macht den Unterschied. Du hast da einfach eine andere Bindung. Du machst dir diese grausamen Bilder ganz anders bewusst. Du kannst sie auch nicht mehr löschen.

Wie engagierst du Dich?

Ich rede darüber. Ich nutze, was ich habe. Komischerweise interessiert sich jetzt jeder dafür. Alle wollen wissen, was ich zu sagen habe. Vorher konntest du machen was du wolltest. Egal was. Ich finde es sehr wichtig, dass man darüber spricht. Wenn man so hört: Feministinnen und attac. Ja gut. Aber das brauchst du gar nicht zu sein. Du kannst es ja einfach auch für dich wissen. Wenn jemand dann meine Meinung dazu wissen will: Gerne, okay. Ich sag sie ihm. Weil es so ist.

Seit Mai letzten Jahres gibt es im Grundgesetz, im Paragraphen 20a, den Zusatz: … und für Tiere. Der Staat übernimmt damit auch eine Schutzfunktion für Tiere.

Ja, das ist auch richtig so.

Findest Du dieser Zusatz gehört wirklich in das Grundgesetz zu unseren Grundrechten?

Ja, natürlich. Es geht doch darum Lebewesen zu schützen. Nun. Da kannst du jetzt auch sagen: Dann darfst du auch keine Pflanzen essen. Okay, dann sehe ich etwas doof aus. Aber die Diskussion geht ja schon länger. Ich finde den Spruch von Paul Mc Cartney gut: Ich esse nichts, was Augen hat.

Juliette, hier noch ein weiteres Zitat: „Tiere sind meine Freunde, meine Freunde esse ich nicht.“

Ja. Michael Jackson. Ich finde das klasse. Das sind so Sachen, die sollen sein. Ich bin derzeit sehr interessiert an einer Kampagne mit Peta. Ich hoffe, dass klappt. Also etwas gegen Tierversuche. Ich finde, dass das etwas derart Unnützes ist. Da muss ich mich einfach engagieren. Tierversuche. Klar. Und Pelz. Pelz! Hallo. Was soll denn das. Es gibt unechte Pelze, die sind wunderschön. Die sind viel pflegeleichter – viel toller. Warum muss man Tiere häuten? Was soll das? Das ist doch so krank und elendig. Ne. Das sind so Sachen, die ich nicht verstehen kann.

Noch ein Zitat, von Tolstoi: „Solange es Schlachthäuser gibt, wird es auch Schlachtfelder geben.“

Ja, find ich gut. Ist es wirklich so? Ich weiß es nicht. Aber es wäre schön, einfach mal dieses Miteinander zu erleben.

Sind VegetarierInnen deiner Meinung nach anders – haben sie andere Charakterzüge? Geduldiger, ausgeglichener, friedlicher…?

Nein. Das hab ich nicht erlebt. Ich habe viele Freunde und die meisten sind Nicht-Vegetarier. Sie sind trotzdem meine Freunde. Die sind in solchen Sachen auch nicht engagiert. Ich glaube es gibt da keinen Unterschied.

Du hast PETA erwähnt.

Ja, über eine Kampagne würde ich mich richtig freuen. Das finde ich super wichtig. Da gibt es ja auch sehr gute Sachen. Ellis Baxter, z.B..

Ellis Baxter ist die, die einen gehäuteten Fuchs in den Händen hält?

Ja. Ich hätte da auch keine Angst vor Konfrontation. Das könnte auch krass sein.

Konfrontation mit der Öffentlichkeit?

Ja, genau deswegen. Das ist so wichtig. Das musst du nutzen, wenn die ganze Nation da sitzt und fragt: Was macht die da denn bloß?

Juliette, vielen Dank für deine Zeit.

Ich habe es genossen. Sonst sind die wichtigsten Fragen immer: Bist du im Stress? Nimmst du Drogen? Bist du lesbisch? Gerade bei Jugend-Magazinen ist das so. Ich bin ja auch nicht so jugend-kompatibel.

Warum – bist Du zu anspruchsvoll?

Na, ich weiss nicht. (lacht)
Euch vielen Dank für das schöne Gespräch.

 

 

Das Gespräch führten Martin Fütterer und Guido Barth

 


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