Eine junge Schauspielerin auf dem Weg nach oben

Guido Barth trifft: Katie Pfleghar (2009)

vegane Künstlerin

Katie Pleghar, Schauspielerin

Die vegan lebende Schauspielerin Katie Pfleghar hat 2008 die Wahl zur „Sexiest Vegetarian“ gewonnen. Die Tierrechtsorganisation PETA wählte sie neben Stars wie Leona Lewis in den USA als Gewinnerin in Deutschland aus.

Ihre bisher wichtigste Rolle hatte sie in „Klimt“, einem Kunstfilm mit internationaler Produktion. Im Frühjahr wurde der große Sat.1 Film „Claudia – das Mädchen von Kasse 1“ ausgestrahlt, in dem sie mitspielt. Katie spielt jedoch nicht nur in TV- und Kinofilmen, sondern auch in Serien und im Theater. Die Kurzfilme, in denen sie vor der Kamera steht, werden weltweit auf Festivals gezeigt. Ich treffe sie in Maja’s Deli, einem Bistro und Take Away für vegane Köstlichkeiten in Berlin.

Heute München, morgen Berlin. Katie Pfleghar ist in beiden Städten zu Hause. „Mindestens einmal im Monat fahre ich für ein paar Tage nach München.“ Insgesamt verbringt sie aber mehr Zeit in Berlin. Das mag nebenbei auch daran liegen, dass Berlin die vegetarierfreundlichste Stadt Deutschlands ist. „Letztes Jahr durfte ich Bürgermeister Wowereit dafür einen Preis überreichen. Ganz offiziell.“

Lecker muss vegan schon sein

Katie sitzt mir in hellrotem Shirt gegenüber – entspannt und ganz aufrecht; enge Blue-Jeans und hellbraune Stiefel, die aussehen, als wären sie aus Leder, sind es aber nicht. „Ich hab keine Schuhe aus Leder.“ Sie lächelt fröhlich. Wir sprechen über Maja’s Deli, das leckere Lunch-Angebot und die phantastischen Kuchen. Natürlich selbst gemacht. Hunger haben wir beide gerade keinen, aber später dürfte es schon noch ein Stück sein – oder auch zwei. Und Biscuits. Vorerst begnügen wir uns mit grünen Tee und Latte Macchiato, vegan.

Katie lebt vegan

Katie bei der Magazin-Lektüre

„Vegetarisch lebe ich seit über zehn Jahren, seit 2003 vegan.“ Es sei bei ihr nicht auf einmal gekommen, sondern schrittweise, erklärt sie. „Ich habe davor auch kaum Fleisch gegessen und ich glaube, dass das auch schon viel länger her ist als zehn Jahre. Bereits in der Grundschule habe ich nur wenig Fleisch gegessen.“ Übrigens, schiebt sie ein, am Set sei das überhaupt kein Problem. „Da sind sowieso mindestens ein Drittel der Menschen Vegetarier.“

Katie tritt mit einer exzellenten Ausbildung an

Katie hat Schauspiel in Wien studiert, an der renommierten Schauspielschule Krauss. „Dort, wo auch Karlheinz Böhm und die Wussows gelernt haben. Die Schule hat einen exzellenten Ruf und viele Schüler spielen am Burgtheater.“ Es gebe auch eine Kooperation mit dem Reinhardt Seminar. „Das ist die Eliteschule, dort habe ich auch Unterricht bekommen.“ Ein dreiviertel Jahr war sie in San Francisco und zwei Monate hat sie in Barcelona gelebt und sie meint, dass es auch in Spanien, entgegen hartnäckiger Gerüchte, sehr gut möglich sei, vegan zu leben. Sie habe sehr viel selber gekocht und auf den Märkten gebe es eine wunderbar bunte Vielfalt.

„Ich bin aus ethischen Gründen Vegetarierin geworden.“ Natürlich habe das auch enorme gesundheitliche Vorteile, besonders die vegane Ernährung. Allein die schleimigen Milchprodukte seien verantwortlich für viele Krankheiten. Als Kind hätte sie immer wieder unter Bronchitis gelitten; seit sie vegetarisch und vegan lebe, überhaupt nicht mehr. Sie missioniere auch bei anderen Mädchen: „Hey, da kriegt ihr schöne Haut und später gibt es keine Cellulite.“ Viele Freunde würden sich heute schon bei ihr bedanken, dass sie ihnen die Augen geöffnet habe.

Schwerer Start in Deutschlands vegetarischsten Stadt: Berlin

Katie unterstützt auch Tierrechts-Organisationen

Schauspielerin, interessiert und neugierig.

Allein in Berlin gibt es mindestens 15.000 Schauspieler. „Die Konkurrenz ist gewaltig. Außerdem werden traditionell mehr Männerrollen vergeben als Frauenrollen.“ Ein Umstand, der die Lage gerade junger Schauspielerinnen oft prekär macht und den Traum vom großen Erfolg auf eine harte Probe stellt. „Ich spiele in diesem Jahr das erste Mal eine von mehreren Hauptrollen in einem TV-Film.“ Eine andere Produktion sei ebenfalls sehr interessiert, freut sie sich. „Das wäre meine erste wirklich große Hauptrolle. Der Weg ist lang und schwer. „Ich kämpfe noch und bin längst nicht dort, wo ich hin will“. Wo das denn ist, frage ich sie. „Weiter, ganz nach oben. Vielleicht nicht gleich nach Hollywood, aber in anderen europäischen Ländern zu arbeiten wäre schon toll.“

Sweet things: vegan

Wir entschließen uns nun doch noch für den Kuchen. Katie wählt den frischen russischen Zupfkuchen. Ich bestelle den Himbeer- Johannisbeerkuchen. Wer hier dem Auge traut, macht alles richtig. Es hätten auch der Apfel-Zimt Kuchen oder der mit Aprikose-Mango-Marzipan sein können. Dazu noch einmal grünen Tee und einen Latte Macchiato. Es ist immer das Gleiche, wenn man solch delikate Culinaria genießt: Man fragt sich, wie andere Menschen auf die Idee kommen können, vegan, das sei unweigerlich Askese.

Aufklären ist entscheidend, da versagt die Politik

„Letztes Jahr habe ich mich für eine Kampagne ausgezogen.“ Die Politik nehme viele Probleme gar nicht richtig wahr und im Falle der Käfighaltung der Hühner verschleppe sie längst gefällte Entscheidungen, äußert sie sich entrüstet.
„Die Resonanz war überwältigend, ich hab aus aller Welt E-Mails bekommen.“ Auf Nachfrage von mir bedeutet sie, dass sie nicht glaube, dass dieses Engagement ihrer Karriere schaden würde. Ihr sei das aber auch zu wichtig, um darauf zu verzichten.

Sie meint auch, dass, wenn die Menschen noch besser aufgeklärt wären, viel mehr auf Fleisch verzichten würden. Sie fände es auch richtig, überlegt sie, dass Fleisch viel teurer sein müsste und sie hielt auch eine Fleischsteuer für sinnvoll. „Fleisch ist nicht nur das Stück auf dem Teller – es ist auch immer ein Stück zerstörte Natur.“

„In Wien passierte ganz schön viel.“

2005 hat Katie in Wien bei der großen, internationalen Produktion „Klimt“ mitgespielt. „Ich hatte eine kleinere Rolle als Prostituierte und durfte zusammen mit John Malkovich drehen. Das waren nicht nur eben mal ein paar Minuten, sondern wir haben einen ganzen Tag gemeinsam vor der Kamera gestanden. Das war wahnsinnig spannend und ist natürlich auch eine sehr schöne Referenz.“

„In Wien passierte ganz schön viel.“ Als sie nach Berlin umgezogen ist, hat sie fast wieder von vorne anfangen müssen. „Das ist nicht so, dass wenn du in Wien tolle Sachen machst und du dann nach Berlin kommst, dann geht das gleich so weiter. Nein, du musst erst wieder neue Leute kennen lernen.“ Berlin sei eben auch viel internationaler. „Wenn du dort häufiger gesehen wirst, wird auch die Presse auf dich aufmerksam und ich stehe ehrlich gesagt auch sehr gerne in der Öffentlichkeit. Besonders auch als Botschafterin für Tiere. Ich mag das.“

 

©Guido Barth
Fotos: Guido Barth


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