k. d. lang: „the lover from the far“

Guido Barth spricht mit: k. d. lang (Archiv, 2004)

vegan und lesbisch

k. d. lang mit Band

Wunderschöne melancholische Klänge mit einer unglaublichen Stimme, damit beglückt uns die mehrmalige Grammy-Gewinnerin immer wieder. k. d. lang stammt aus Kanada, wohnt in den USA und lebt aus ethischen gründen vegan und ist offen lesbisch. Dieses Archiv-Interview war zum Album “hymns of the 49th parallel” im Jahr 2004 entstanden und handelt davon.


Dein aktuelles Album heißt, “hymns of the 49th parallel”. Was bedeutet das?

Der 49.th Parallel ist die Grenze zwischen Kanada und den USA. Die Grenze liegt auf dem 49. Breitengrad.

Wieso interpretierst Du nur Songs von kanadischen Songwritern?

Aus dem amerikanischen ‚Songbook‘ wird soviel gemacht, wohingegen sich kaum jemand im kanadischen ‚Songbook‘ bedient. Dabei gibt es so wunderschöne Titel. Nachdem ich mit Tony Bennett („A Wonderful World“) gearbeitet hatte, habe ich für mich entschieden, ich mach das jetzt. Für mich persönlich ist es auch wichtig, dass die Leute wissen, hey, es gibt auch ein kanadisches ‚Songbook‘; es kommt nicht alles nur aus den USA. Dass ich Kanadierin bin, hat natürlich auch eine Rolle gespielt. Denn schließlich hat die Eigenart der Songs sehr viel mit dem Charakter des Landes zu tun – mit den Menschen, mit der Geografie und mit dem Klima. Es ist somit auch eine Hommage an mein Heimatland.

In einem Kommentar heißt es, “k.d. lang treibt mir mit ihrer atemberaubenden Stimme im Stück ‚Helpless‘ von Neil Young die Tränen in die Augen”. Helpless, wie würden Sie dieses Gefühl in dem Lied beschreiben?

Wie ich vorher schon gesagt habe, neigen die kanadischen Songwriter dazu, die Landschaft und all die Gefühle von Weite und Einsamkeit in ihre Lieder mit einfließen zu lassen. Das ist auch ein starkes Ausdrucksmittel ihrer eigenen Persönlichkeit. Kanada hat nun einmal diese langen Winter, in denen die Menschen sich sehr viel mit sich selbst auseinandersetzen. Eben dieses Gefühl wollte ich mit ‚Helpless‘ ausdrücken, aber auch mit den anderen zehn Stücken. ‚Helpless‘ wiederum ist hierbei besonders. Es drückt für mich Ehrfurcht und Respekt vor der Natur aus, vor ihrer Macht.

Mit “After the Gold Rush” ist noch ein weiterer Titel von Neil Young auf der CD. Dann sind da auch noch zwei Stücke von Leonhard Cohen, der ja kürzlich seinen 70. Geburtstag feierte. Er ist bei den Frauen sehr beliebt. Ist das auch ein Grund, warum Du zwei Titel, ‚Hallelujah‘ und ‚Bird on the Wire‘, von ihm gesungen hast?

Ja, ja, die Frauen mögen ihn (sie lacht). Ich habe mich bei der Entscheidung für diese beiden Lieder nicht an ein bestimmtes Konzept gehalten. Es war vielmehr so, das es einfach passiert ist. Wie auch immer, Leonard Cohen ist einer der großen Poeten Kanadas und ich finde es ganz außergewöhnlich, wie er die Seelenzustände und Gefühle der Menschen in Worten und Tönen festhält.

Go vegan!

k. d. mit „atemberaubender Stimme“

Welcher ist Ihr Lieblingstitel auf der CD?

Mein absoluter Favourit ist “The Valley” von Jane Siberry.

Warum?

Der Song ist so sanft und berührt mich zutiefst mit seiner Stimmung aus Sehnsucht, Glück und Liebe. Es ist, als ob sich alle Widersprüche für einige Augenblicke auflösen. Jedes Mal, wenn ich dieses Lied höre, lausche ich ganz andächtig, noch viel mehr als bei den anderen Liedern.

Jane Siberry gehört zu den wenigen noch jüngeren Songwritern, die Du auf Deiner CD interpretierst. Die meisten Songs sind aber von älteren geschrieben worden. Warum?

Ein Grund ist sicher, dass ich in gewisser Weise mit ihnen groß geworden bin. Ich will damit gar nicht sagen, dass sie deswegen grundsätzlich besser sind, aber ich musste mich irgendwie entscheiden.

Joni Mitchell’s song “Case of You” zählt zu den besten Songs des 20. Jahrhunderts. Was ist das für ein Gefühl, wenn Sie mit solcher Musik umgehst?

Im Allgemeinen ist das immer alles sehr emotional. Solch ein Lied trägt ein großes Stück Geschichte und wenn dir Musik wirklich etwas bedeutet, dann hast du ziemlich viel Achtung davor – immerhin ist das ein unglaublicher Standard, den Joni geschaffen hat.

Was war bei “Case of You” anders?

Die Interpretation zu diesem Lied ist total anders eingespielt worden als geplant. Die Aufnahme zu der CD ist bei der aller ersten Probe entstanden. Ben Mink, mein Produzent, hat, als wir im Studio geprobt haben, einfach auf “Record” gedrückt. Ich habe das gar nicht gewusst. Im Nachhinein bin ich natürlich glücklich, dass es so geschehen ist. Auf diese Weise ist das Lied ganz natürlich interpretiert. Es ist ganz ehrlich und darum geht es doch eigentlich: um ehrliche Musik.

Auf der CD sind außerdem noch Stücke von dem jungen Ron Sexsmith, der gerade in Europa tourte und von dem unermüdlichen Bruce Cockburn. Den Abschluss bildet Jane Siberrys “Love is everything”. Beschreibt das Lied den Grundtonus von “hymns of the 49.th parallel?

Das Lied steht erst mal für sich alleine. Wir haben uns da gar nicht so viele Gedanken gemacht, sondern wir haben die Songs gespielt und sie haben dabei ihren Platz gefunden. Das war wie ein ganz natürlicher Vorgang.

Du lebst in Los Angeles. Ist das nicht sehr weit weg von der geliebten Heimat?

Ja. Dabei hat aber gerade diese Distanz das innige Gefühl, das ich vorher schon hatte noch verstärkt. “hymns of the 49.th parallel” ist ein Liebesgruß an das Land und an die Songwriter, die alle einen sehr großen Einfluss auf meine Karriere gehabt haben. Es ist ein bisschen so, wie “the lover from the far”.

k.d., vielen Dank für das Gespräch.

                                                                         

©Guido Barth
Fotocredit: Guido Barth


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