„Kenn ich’s, sieht’s gut aus, ist’s billig“

Interview-Archiv (2009, Guido Barth)

Hubert Bittl ist seit 1998 Küchenchef für das Kasino der Versicherungskammer Bayern (VKB) in München. Er verköstigt dort mit seiner Crew täglich 2.100 Menschen und hat in diesem Jahr eine vegetarische Woche veranstaltet. Außerdem ist Hubert Bittl Bio-Mentor.

Herr Bittl, Sie sind ein Bio-Mentor, was genau machen Sie?

Meine Hauptaufgabe besteht darin den praktischen Ablauf von BIO in der Gemeinschaftsverpflegung (GV) für andere Interessierte zugänglich zu machen. (BIO kann jeder, Kalkulation, Warenbeschaffung u.ä.)

Sie versorgen in Ihrem Kasino (VKB) bis zu 2.100 Mahlzeiten am Tag. Verwenden Sie ausschließlich Bio-Produkte?

Nein, wir setzen derzeit etwa 22% BIO Produkte vom Wareneinsatz ein. Im Besonderen als Komplett-Gericht ca. 3 x die Woche. Sowie BIO Gewürze und Margarine auch für die konventionellen Gerichte. Hinzu kommen Artikel in der Zwischenverpflegung (ZV) und Konferenzbewirtung.

Warum engagieren Sie sich so für Bio-Produkte?

BIO ist der erste Schritt zu einem ganzheitlichen Ansatz.

Was gibt es bei Ihnen für vegetarisch oder vegan lebende Menschen?

Täglich ein vegetarisches Gericht

Sie haben eine vegetarische Woche veranstaltet, was haben Sie da angeboten (Essen, Informationen etc.)?

Es gab täglich 3 vegetarische Gerichte die gleichzeitig auf einen ausgewogenen  Ernährungsansatz ausgerichtet waren. Wir haben vorher die Arbeitnehmervertreter sowie übers Intranet die Mitarbeiter informiert. Weiter gab es Tablettaufleger, einen Bücherstand über vegetarische  Ernährung sowie Infos vom Vegetarierbund.

Wie war die Resonanz?

Es gab die ausgewiesenen Verweigerer (ca. 6% täglich), dann eine Handvoll die täglich Diskussionsbedarf hatten und sich genötigt fühlten. Erstaunlich war aber die positive Resonanz der, hauptsächlich weiblichen Tischgäste, die sonst nie eine Äußerung abgeben.

Welche Informationen bezüglich einer vegetarischen Ernährung haben Ihre Gäste am meisten interessiert? (auch: Wonach wurde am häufigsten gefragt?)

Das Hauptinteresse lag bei den Rezepten.

War das Thema Ethik auch von Bedeutung?

Nein, außer bei den direkten Diskussionen.

Welche Rolle spielt die Gesundheit (z.B. Gewicht, Cholesterin, Diabetes etc.), wenn sich Ihre Gäste für ein bestimmtes Gericht entscheiden?

Ein Großteil der Tischgäste achtet nicht wirklich und dauerhaft auf seine Ernährung, dies spiegelt ja auch der Bundesernährungsbericht wieder. Persönlich wäre ich hier für etwas „zwanghaftere Maßnahmen“. Gesunde und ungesunde Ernährung muss sich im Preis wiederspiegeln.

Was gibt den Ausschlag für die Entscheidung für ein bestimmtes Gericht?

Kenn ich’s; sieht’s gut aus; ist’s billig.

Wie schwierig ist es eigentlich für so viele Menschen gesund und vor allem auch lecker zu kochen?

Es erfordert viel Erfahrung und persönlichen Einsatz, besonders wenn den Tischgästen gesunde und verantwortbare Ernährung schmackhaft gemacht werden soll. Den Kampf gegen Vorurteile und dem Anspruchsdenken an „Kantinenessen“ gewinnt man nie wirklich und gerade deswegen ist man immer wieder gefordert sich mit neuen Ideen der Aufgabe zu stellen.

Finden Sie, das es schwieriger ist, vegetarisch zu kochen?

Nein, nicht das Zubereiten, es erfordert allerdings in der Vorbereitung mehr Arbeit und Fachkenntnis.

Herr Bittl, vielen Dank.

 

 

©Guido Barth

 


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