„KMPFSPRT“: „Das Songwriting ist ja aber etwas Elementares“

Richard Meyer, David Schumann, Max Schreiber, Dennis Meyer Foto: ©Arkadius Goniwiecha

Richard Meyer, David Schumann, Max Schreiber, Dennis Meyer
Foto: ©Arkadius (Arek) Goniwiecha

Guido Barth trifft:
„KMPFSPRT“ Bassist Dennis Meyer

„KMPFSPRT“ ist eine gerade groß angesagte Punkband. Die Band gibt es bereits seit 2011. Eine erste EP mit dem Song „Affengeld“ wurde vor gut 18 Monaten veröffentlicht. Der heißersehnte Longplayer „Jugend Mutiert“ wurde nun  „auf die Reise“ geschickt. Alle KMPFSPRTler leben vegetarisch – Tendenz vegan.

„Jugend Mutiert“: eine Mutation ist nach Wikipedia eine dauerhafte Veränderung des Erbgutes. Wie verstehe ich den Titel des neuen „KMPFSPRT“ Albums richtig? frage ich Dennis neugierig. „Es geht um das Älter werden und das bei vielen Menschen dabei deren Leidenschaften auf der Strecke bleiben. Das geht immer eine Zeitlang gut, aber irgendwann stellt sich im Leben so ein Gefühl ein, als ob da etwas fehlt. So ist es ja oft auch. Bei uns, also bei den Bandmitgliedern von „KMPFSPRT“ ist das anders. Wir haben immer noch unsere Band. Konsequent. Das wird von anderen Leuten zum Teil richtig belächelt. Musik machen ist für uns aber immer noch das Größte. Wir sind schon über dreißig und doch ist dieses Gefühl „Jugend“ noch da. Das erleben, ja, das leben wir immer noch und diese Grenze zum Erwachsenwerden verschwimmt (mutiert) immer mehr“.

Gestandene Musiker

Wer eure Musik, insbesondere jetzt das neue Album, hört, der sagt sich, hey, die haben das total drauf: das sind keine Anfänger. Wenn ich recherchiere, tauchen in den Biografien der Bandmitgleider auch so bekannte Namen auf, wie: „Fire In The Attic“ und „Days in Grief“. „Mein Buder Richard, der jetzt auch bei „KMPFSPRT“ singt und ich waren vorher zusammen bei „Fire In the Attic“. Wir beide machen schon seit fast 20 Jahre zusammen Musik. Max Schreiber, der die Drums bedient gab den Rhythmus bei „Days in Grief“ und David Schumann hat sich als Gitarrist und Autor unter anderem in Japan rumgetrieben.“

Kopfstoß?

Alle vegetarisch. Ich kann es mir nicht vorstellen, frage aber nach: seid ihr kollektiv vegetarisch geworden? Dennis lacht. „Nein, wir haben uns so kennengelernt, was natürlich ein super Sache ist.“ Der Song „Kannibalen“ ist also ganz gezielt gemünzt?
Nach einem kurzen Moment der Stille erklärt Dennis, „ja, da hast du dir genau den Titel rausgesucht, in dem es um dieses Thema geht.“ Er finde das sehr schwierig, da die Aussage, den „Ton“, richtig zu treffen – die Menschen würden schon ziemlich direkt konfrontiert. Das sei aber auch genau das, wo er wirklich nicht wisse, ob sich die breite Masse dabei nicht vor den Kopf gestoßen fühlen würde. „Inhaltlich geht nicht darum, dass sich Menschen gegenseitig auffressen, sondern darum, dass der Unterschied zwischen Menschen und anderen Säugetieren gar nicht so groß ist, wie alle immer tun. Es geht darum, dass wir unseren nächsten Verwandten die Nahrung „wegfressen“.“

Bock auf Musik

Klar, solche Titel und Texte sind nicht für jeden zugänglich, aber sie sprechen ein Thema an, dass heute doch viele Menschen interessiert und beschäftigt. Und „KMPFSPRT“ ist mit ihrer ehrlichen Art erfolgreich. „Dabei“, so Dennis, hätten sie irgendwann beschlossen, dass sie keine großen kommerziellen Aspirationen mehr hegen wollten. „So ausgeprägt war das nie“, aber sie hätten sich gerade gestern im Bus darüber unterhalten und seien, was das Thema angehe, mittlerweile ganz entspannt. Das mag auch daher rühren, dass die „Jungs“ ihr Geld ganz woanders verdienen, z.B. im sozialen Bereich. „Wir machen Musik, weil wir Bock drauf haben und wenn die Leute auch Bock drauf haben – umso besser.“

Kommerz und Songwriting passt oft nicht zusammen

„Kommerz bedeutet auch immer Kompromisse“, meint Dennis, und dazu gehörten eben auch Dinge, worauf sie nicht wirklich Lust hätten. Ich frage nach. „Konkret“, antwortet Dennis, bedeute das, dass sie bei ihrem Songwriting die „Radiotauglichkeit“ und die „Massenkompatibilität“ berücksichtigen müssten. „Das Songwriting ist ja aber etwas Elementares. Wenn ich da schon Kompromisse eingehe, dann ist das nicht so, wie ich mir das vorstelle. Mir geht es darum, dass ich mit den Songs und mit dem Album zufrieden bin.“

„Verschwinden im Mainstram“

"KMPFSPRT" Debüt-Album: "Jugend Mutiert"

„KMPFSPRT“ Debüt-Album: „Jugend Mutiert“

Andere Songs auf dem Album heißen „Nachtschicht“, „Halt. Nein. Anders.“ …. Es geht um Desillusionierung, um Anpassung um das Verschwinden im Mainstream, um Erwachsen werden in einer eigentlich eher ungewollten Form. „Wie schon gesagt, wir sind in einem Alter, in dem viele unserer Freunde und Bekannten heiraten und eine Familie gründen und viele Dinge die früher Mal Bedeutung für sie hatten, heute nicht mehr wichtig sind.“

Neuanfang mit 36

Es sei ja schon ungewöhnlich, dass sie mit ihrem „Musikding“, wie Dennis das hier etwas flapsig nennt – mit ihrer Band, in ihrem Alter, zwischen dreißig und fünfunddreißig, nochmal ganz neu anfangen würden. „Wir merken das häufig auf Festivals, wenn wir mit anderen Bands zusammen spielen. Die sind häufig viel jünger.“ Neuanfang ist ein schönes Stichwort. Punkmusik handelt ja von denkbar anderen Zielen und Idealen, als sie vom Establishment definiert werden. In der heutigen Zeit stellen immer mehr Menschen fest, dass sie zwar in anerkannte und gut dotierte Positionen aufgestiegen sind, sich aber unglücklich fühlen. Dennis nickt, er kenne aus seinem Umfeld einige solcher Beispiele, so habe eine Freundin von ihm ihren Topjob hingeworfen und ein veganes Café eröffnet, oder ein Bekannter, der im Medienbusiness viel Geld verdient hatte, sei jetzt ein glücklicher Tanzlehrer. „Viele reden sich einen Plan vom Leben ein, aber sie merken irgendwann, dass dieser Plan nicht aufgeht.“

„hey, das ist für mich völlig in Ordnung“

Dennis, der in einer sozialen Einrichtung sein Geld verdient ist vor zwei Monaten von seiner Chefin gefragt worden, was es für pflanzliche Alternativen zu Fleisch gibt. „Da wo ich arbeite wussten die Leute, dass ich vegetarisch lebe und meine Chefin wollte sich zu diesem Thema informieren. Sie findet es immer eine Herausforderung Lebensmittel einzukaufen, die eigentlich nur eine kurze Zeit haltbar sind.“ Es gäbe da auch sehr viele Auflagen, die eingehalten werden müssten. Fleisch sei, was das angehe richtig kompliziert, aber auch die Verarbeitung von Eiern und vieler anderer Dinge. „Pflanzliche Alternativen, z.B. Tofu und Seitan, lassen sich viel einfacher lagern und sind auch in der Verarbeitung viel unkomplizierter.“ Allein aus diesen Gründen sei da eine große Nachfrage im Entstehen, weiß Dennis. „Ich bin gerade dabei, in meinem Betrieb viele „Veggie-Produkte“ mitzubringen, vorzustellen und so für die vegetarische „Kost“ zu werben. Es geht hier zwar in erster Linie um die Lagerung, aber hey, das ist für mich völlig in Ordnung. Wird mehr Vegetarisches gegessen, wird weniger Fleisch verzehrt, was für Gründe auch erstmal dahinter stecken mögen. Das ist auf jeden Fall eine sehr gute Sache.“

Die Tour

„KMPFSPRT“ ist ab dem 20. Februar zusammen mit „A WILHELM SCREAM“ auf Tour. „Wir haben im letzten Jahr einige tolle Festivals gespielt. Darunter waren Melt, Reload, Monster Bash, Omas Teich und andere und für dieses Jahr laufen gerade die Bestätigungen für weitere große Festivals ein. Die aktuell anstehende Tour mit der bekannten US Band „A WILHELM SCREAM“, ist für uns ein guter Schritt nach vorne.“ In der Tat, die Presse und die Kritiken zur Band und vor allem auch zum ersten Longplayer sind durchweg gut und es dürfte für „KMPFSPRT“ das bisher erfolgreichste Jahr werden. „Wir freuen uns natürlich riesig, wenn unsere Musik so gut angenommen wird“.

„KMPFSPRT“ oder Kampfsport

„KMPFSPRT“, Dennis spricht den Namen ganz deutlich aus, „ich habe diesen Namen nun schon sehr oft gesehen und ausgesprochen und wenn ich heute irgendwo „Kampfsport“ lese, so kommt mir „das“ eher falsch vor“. Er lacht. „Die Idee war schon, dem Bandnamen etwas Kantiges zu geben, etwas, das auffällt und aus der Reihe tanzt. Wir wollten auch das Martialische, was der Name eigentlich ausdrückt, etwas entkräften. Deswegen haben wir da ein bisschen rumgespielt und sind so zu „KMPFSPRT“ gekommen.

„Da will ich hin,…“

Warum bist Du eigentlich Bass-Spieler geworden. Welche Vorbilder gibt es für Dich? „Also, direkte Vorbilder habe ich so gar keine. Viele kommen zum Bass über die Gitarre. Fehlt Mal in einer Band ein Bassist, dann sagt oft ein Gitarrist, na, komm her, ich übernehme das und fängt an das Instrument zu üben. Bei mir war das nicht so, ich habe mich von Anfang an für Bass entschieden. Ich kann mich auch noch genau an den Moment erinnern. Das war, als ich das erste Mal „Rage Against the Machine“ gehört habe. Der war der Song „Bombtrack“, mit einem irren Bass-Intro (Live). Da war sofort für mich klar. Da will ich hin, das will ich irgendwann einmal spielen können. Ich finde übrigens auch heute noch, dass das eine großartige Platte ist.“

Vegane Hochzeit

Wie ist das mit vegan bei Dir? „Ja, das ist ein Thema. Meine Freundin und ich, wir haben im letzten Jahr geheiratet und die Hochzeit war komplett vegan. Alle fanden, dass das ganz große klasse war. In der Band ist das auch ein Thema, klar. Es gibt immer Phasen, in denen einer von uns Mal komplett vegan lebt. Unser Gitarrist war sehr lange vegan. Er hat dann einige Zeit in Japan gelebt, wo es für ihn mit „vegan“ schwierig war und er ist dort auf vegetarisch umgestiegen. Wir sprechen häufig über das Thema und sitzen ja auch immer gemeinsam am „Rider“ für das Tour-Catering. Da wird alles, was wir zu essen haben möchten, im Detail aufgelistet und drunter steht noch: mindestens vegetarisch, bevorzugt vegan“

„Affengeld“, von der EP (Video)
„Atheist“, von „Jugend Mutiert“ (Video)

Website von „KMPFSPRT“
„KMPFSPRT“ auf Facebook

Shows:

20.02.14 – Neunkrichen, Stummsche Reithalle + A Wilhelm Scream
21.02.14 – Bochum, Riff + A Wilhelm Scream
22.02.14 – Hannover, Chez Heinz + A Wilhelm Scream
23.02.14 – Hamburg, Headcrash + A Wilhelm Scream
25.02.14 – Karlsruhe, Jubez + A Wilhelm Scream
27.02.14 – Wiesbaden, Schlachthof + A Wilhelm Scream
28.02.14 – Köln, MTC + A Wilhelm Scream, Astpai

22.03.14 – Meppen, Rüt’n’Rock Indoorfest + Ollie Schulz, Bakkushan, uvm.

06.-10.08. – Eschwege, Open Flair + Frank Turner, Enter Shikari, BOYSETSFIRE, Boilers, uva.
15.-17.08. – Nonrod, Nonstockfestival + GWLT uva.

Fotocredits: © Arkadiusz (Arek) Goniwiecha
Artwork „Jugend Mutiert“: KMPFSPRT-Richard Meyer

 


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.