Krähen mit Steckdose auf dem Kopf: Absurde Grundlagenforschung in Tübingen

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Krähen: mit Steckdosen auf dem Kopf?                                                                                                                                                                                                                                                                  Fotocredit: (c) veggy-post

Am Institut für Neurobiologie der Universität Tübingen müssen laut bundesweitem Verein Ärzte gegen Tierver-suche nicht nur Affen in der Hirnforschung leiden, sondern auch Krähen, wie aus einer aktuellen Fachveröffentlichung hervorgeht. Der Ärzteverein kritisiert die Versuche als „krude Auslebung der Forschung zum Selbstzweck“ und fordert deren Ende.

Bohrloch im Schädel

Um die Gedächtnisleistung von Krähen zu erforschen, wird auf dem Kopf der Tiere eine Steckdose installiert, über die das Tier im Versuch verkabelt wird. Über einem Bohrloch im Schädel werden Antriebsgeräte mit Elektroden platziert. Mit der Vorrichtung können die Elektroden in das Hirngewebe eingelassen werden, um die Aktivität von Nervenzellen zu messen. Die Tiere müssen lernen, Fotos auf einem Bildschirm wiederzuerkennen und durch Anpicken mit dem Schnabel ein Bild auszuwählen.

Erst vor zwei Wochen hatte die Veröffentlichung von schockierenden, mit versteckter Kamera gemachten Aufnahmen für einen öffentlichen Aufschrei gesorgt. Die Bilder zeigten brutal misshandelte, kranke und verletzte Affen am Max-Planck-Institut für Tübingen und lösten erneut eine Debatte über Sinn und Zweck der tierexperimentellen Grundlagenforschung aus. Die Ärzte gegen Tierversuche hatten bereits 2009 einen Stopp dieser Experimente gefordert.

 Tierschutz steht im Grundgesetz

„Dem Ausleben beliebiger Forscherideen muss endlich ein Riegel vorgeschoben werden. Seit zwölf Jahren steht der Tierschutz im Grundgesetz, aber noch immer werden Tiere aus reinem Eigeninteresse einzelner Forscher zu Messinstrumenten degradiert und grausam zu Tode geforscht“, kritisiert Dipl.-Biol. Silke Bitz, Sprecherin der Ärzte gegen Tierversuche. Die Aufnahme des Tierschutzes in das Grundgesetz hätte ein Gegengewicht zu dem Grundrecht der Forschungsfreiheit bilden sollen. Doch für den Bereich der Tierversuche hat es bislang so gut wie keine Auswirkungen gehabt.

Forschung als Selbstzweck

Der Ärzteverein fordert, dass Tiere nicht mehr der Forscherneugier zum Opfer fallen dürfen. Forschung soll stattdessen kranken Menschen zu Gute kommen. Mit der Transkraniellen Magnetstimulation (TMS) etwa können Wahrnehmung, Lern- und Gedächtnisverhalten unschädlich direkt am gesunden Menschen erforscht werden. An der Universität Durham in Großbritannien wird seit Jahren in diesem Bereich geforscht. Die TMS wurde bereits vor gut zwei Jahrzehnten entwickelt und wird in der neurowissenschaftlichen Forschung sowie der Diagnostik und Behandlung von neurologischen Krankheiten eingesetzt.

Die Ärzte gegen Tierversuche kritisieren aufs Schärfste, dass in Baden-Württemberg die Forschung zum Selbstzweck ohne jeden Bezug zur klinischen Relevanz für Menschen durch Unterstützung des grünen Wissenschaftsministeriums einen besonderen Schutzstatus genießt. Der Verein fordert eine richtungweisende Politik hin zu tierversuchsfreien, ethisch vertretbaren Forschungsmethoden wie Patientenstudien und auf menschlichen Daten basierenden Computersimulationen.

 


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