Lesetipp: Torbjörn Tannsjö, „Zur Ethik des Tötens“

 

 

vegane Ernährung als AlternativeTorbjörn Tännsjö ist einer der bekanntesten zeitgenössischen Philosophen Schwedens. Er ist Professor für „Praktische Philosophie“ an der Stockholmer Universität und hat in verschiedenen Bereichen umfangreich veröffentlicht: Moral-Philosophie, Politische Philosophie und Medizinische Philosophie.

In dem nun vorliegenden Buch folgt er der Frage nach der „Ethik des Tötens“ (wann ist es falsch zu töten, wann vielleicht auch nicht?). Dazu hat der Autor in Norwegen, Schweden und Deutschland eine Meinungsumfrage in der Bevölkerung durchgeführt und stellt die Ergebnisse aus den einzelnen Ländern gegenüber. Er wollte herausfinden, welche Einstellungen die Menschen in bestimmten Situationen dem Töten gegenüber haben. Solche Situationen können sein: Abtreibung und Kindstötung, Euthanasie, Sterbehilfe, Todesstrafe, Tiertötung, Töten im Krieg.

Jedes einzelne dieser Probleme untersucht der Autor in abgeschlossenen Kapiteln und betrachtet dazu die Probleme unter vier Gesichtspunkten:

  1. Alltägliche Sicht
  2. Pragmatische Sicht
  3. Heiligkeit des Lebens
  4. Recht auf Leben

Die Argumente dieser unterschiedlichen Perspektiven bleiben oft miteinander unvereinbar, das spiegelt sich dann auch in der festgefahrenen gesellschaftlichen Diskussion wieder. Z.B. lehnen weder der „Pragmatische Ansatz“ noch der Ansatz der „Heiligkeit des Lebens“ die Todesstrafe grundsätzlich ab. Das geschieht nach dem „Recht auf Leben“ aber kategorisch. Aus Sicht von Lesern, die aus ethischen Gründen auf tierliche Produkte verzichten, scheint Tännsjös Fazit der Diskussion im Bereich der Tiertötung unbefriedigend. Das liegt daran, dass verschiedene Ansätze unterschiedlich strikt argumentieren und eine einheitliche Aussage „Für“ oder „Wider“ nach den angewendeten Massstäben wissenschaftlich nicht tragen würde. Es geht hier ja auch nicht ausschließlich um das Töten von Tieren, sondern die „Ethik des Tötes“ im Allgemeinen.
Gerade das erhellt den Horizont in der schwierigen Diskussion zur Tierethik.

Der Autor bewertet auch ausdrücklich die vegane und vegetarische Ernährung als Alternative und verweist auf die Philosophen Peter Singer und Tom Regan, die jedoch selber auseinandergehende und zum Teil umstrittene Ansätze vertreten. Ersterer wäre wohl eher dem „Pragmatischen Ansatz“ nach Tannsjö zuzuordnen, letzterer hingegen dem des „Rechts auf Leben“.

Aber das Ziel des Autors ist es auch gar nicht, unstrittige Ergebnisse zu präsentieren. Das Buch ist gerade deswegen so lesenswert, weil es ganz grundsätzlich aufzeigt, wie in unserer Gesellschaft mit dem Töten umgegangen, oder eben nicht umgegangen wird.  Es gibt ja praktisch in weiten Teilen der Bevölkerung gar kein Nachdenken über die ethischen Implikationen, z.B. der Tierschlachtung. Es werden in diesem Buch auch keine fertigen Argumentations-Schemata geliefert, die für die eine oder andere Seite Partei ergreifen, sondern Tännsjö beschränkt sich rein auf die Analyse aus Sicht der vier genannten Perspektiven.

  1. Alltägliche Sicht
  2. Pragmatische Sicht
  3. Heiligkeit des Lebens
  4. Recht auf Leben

Am Ende der einzelnen Kapitel bezieht er jeweils Stellung und betont, dass die Leser dieses Buches – „selbständig“ – zu einem eigenen Schluss kommen mögen. Tannsjö meint, der Philosoph diskutiere ja nicht mit dem Ziel, um zu einer einheitlichen Meinung zu führen, sondern wie es der Untertitel des Buches auch schon anzeige, eine Diskussion, die in der Sackgasse stecke, mit „Anstößen“ neu zu beleben. Das Buch ist so geschrieben, dass es für jeden verständlich ist.

© Guido Barth

Torbjörn Tännsjö
Zur Ethik des Tötens
Neue Anstöße zur Reflexion eines umstrittenen Problems
Reihe: Ethik in der Praxis / Practical Ethics – Kontroversen / Controversies
LIT Verlag, Bd. 25, 2006, 168 S., 16.90 EUR, br., ISBN 3-8258-9704-4

vegane Ernährung als Alternative


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