Letzter Auftritt für Circus Voyage mit Giraffen und Elefanten in Ingolstadt: PETA kritisiert tierschutzwidrige Tierhaltung und begrüßt das Wildtierverbot der Stadt

 

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Vernarbtes Bein: Giraffenleid bei Circus Voyage. Foto: © PETA Deutschland e.V.

Ingolstadt / Stuttgart – Der mit zahlreichen exotischen Tieren reisende Circus Voyage gastiert ab Freitag voraussichtlich zum letzten Mal in Ingolstadt. PETA erhebt wegen der mangelhaften Haltungsbedingungen der Tiere schwere Vorwürfe gegen den Zirkusbetrieb. Bereits bei einem Gastspiel in Berlin im Mai 2017 dokumentierte die Veterinärbehörde zahlreiche Tierschutzmissstände. Angesichts der gravierenden Tierschutzproblematik begrüßt PETA die im Juli getroffene Entscheidung des Stadtrats, künftig keine Wildtierzirkusse, die gefährliche Tierarten wie Elefanten, Großkatzen oder Nashörner mitführen, auf kommunalen Flächen in Ingolstadt zuzulassen.

„Aus Profitgründen setzt Circus Voyage Tiere wie Elefanten, Giraffen und ein Flusspferd erheblichen Strapazen aus“, so Dr. Yvonne Würz, Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA. „Wir begrüßen die zukunftsweisende Entscheidung des Stadtrats, das Tierleid im Zirkus nicht weiter zu unterstützen.“

Polizei begleitet Kontrolle

Die Polizei hatte eine Kontrolle bei Circus Voyage in Berlin begleitet, da das Veterinäramt bei vorherigen Begutachtungen mehrere gravierende Tierschutzverstöße in der Elefanten-, Giraffen-, Pferde- und Gänsehaltung festgestellt hatte und der Zirkus behördliche Nachkontrollen verweigerte. Die Sicherheit der Amtsveterinäre konnte einem Aktenvermerk zufolge selbst mit Polizeibegleitung nicht gewährleistet werden [1, 2].

Extreme Belastungen für die Tiere

Die Bundestierärztekammer bewertet insbesondere die Haltung großer Tiere wie Giraffen oder semi-aquatischer Tiere wie Nilpferde in reisenden Unternehmen kritisch [3]. Circus Voyage ist der letzte Zirkus in Deutschland, der noch Giraffen mitführt. Der hierfür erforderliche Großraumtransport ist mit hohen Anforderungen verbunden, um den aufrechten Stand der Tiere zu ermöglichen. Laut Tierschützern, die den Giraffentransport 2017 dokumentierten, müssen die Tiere bei Circus Voyage nach den bis zu vier Stunden langen Fahrten mitunter noch den ganzen Tag auf den Transportern ausharren [4]. Eine der Giraffen ist regelrecht mit Narben übersät, die eine Folge der ständigen Transporte sein können. PETA kritisiert zudem die mangelhafte Haltung von Flusspferd Jedi, der sein Dasein als Herdentier beim Circus Voyage allein in einem kleinen Wassertank fristen muss. Eine artgerechte Unterbringung von Tieren in Zirkussen ist systembedingt nicht möglich. Die schlechten Haltungsbedingungen führen zu gesundheitlichen Problemen und Stereotypien. In einem Video von 2017 ist beispielsweise ein Pferd mit deutlichen Verhaltensstörungen zu sehen.

Gefahr durch zahlreiche Ausbrüche

2016 forderte der Bundesrat ein Verbot von Wildtieren wie Elefanten, Giraffen und Flusspferden im Zirkus und begründete in einem Entschließungsantrag wissenschaftlich, warum diese Tierarten erheblichem Leid ausgesetzt sind – unabhängig vom jeweiligen Betrieb. 100 Städte und Kommunalvertretungen haben bereits ein kommunales Wildtierverbot beschlossen. Ein Gutachten aus dem Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg bestätigt, dass kommunale Wildtierverbote weiterhin zulässig sind – insbesondere, wenn auch der kommunalrechtlich relevante Aspekt der Gefahrenabwehr als wesentlicher Grund für das Verbot genannt wird. Jährlich mehrere Dutzend, teils gefährliche Ausbrüche von Tieren im Zirkus – auch bei Circus Voyage – bestätigen die Notwendigkeit einer weitergehenden Regelung.

PETAs Motto lautet in Teilen, dass Tiere nicht da sind, um uns zu unterhalten. Die Tierrechtsorganisation fordert ein grundsätzliches Verbot von Tieren im Zirkus, denn die Unterbringung in kleinen Gehegen, die ständigen Transporte sowie die von Gewalt und Zwang geprägte Dressur führen zu Verhaltensstörungen, Krankheiten und oftmals zu einem frühen Tod.

 

 

 

 

 

 

Quelle: PETA