Lichtblick für die männlichen Küken und den Tierschutz

Ministerin Klöckner nach Urteilsverkündung in Leipzig in Zugzwang

Be vegan!

Bei der Erna-Graff-Stiftung sieht man einen Lichtblick für männliche Küken.                                                                                                                                                                                           Quelle: (c) Erna Graff Stiftung

Berlin. Nach der heute verkündeten Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts reichen rein wirtschaftliche Kriterien grundsätzlich nicht mehr aus, um als „vernünftiger Grund“ herangezogen zu werden und zu rechtfertigen, dass Tiere verletzt, getötet oder ihnen Leid zugefügt wird. Der Hinhaltekurs von Landwirtschaftministerin Julia Klöckner in Sachen Kükentötung steht vor dem Aus.

Das BVerwG hat heute eine wegweisende Entscheidung für den Tierschutz in Deutschland getroffen. Erstmalig hat sich ein Bundesgericht mit den konkreten Anforderungen an einen „vernünftigen Grund“ im Sinne des Tierschutzgesetzes auseinandergesetzt, der bisher völlig konturenlos fast jegliches Tierleid ermöglichte.

Nach § 1 TierSchG darf niemand ohne vernünftigen Grund einem Tier Leid, Schmerzen oder Schäden zufügen. Was genau unter diesem Begriff zu verstehen ist, ist bisher weder durch die Rechtsprechung noch durch den Gesetzgeber selbst geklärt worden. Bisher schien jeder ökonomische Grund ausreichend zu sein, um von einem vernünftigen Grund auszugehen. Damit ist jetzt Schluss.

Betriebe hatten Landkreise verklagt

Konkret ging es heute um die seit langem diskutierte Frage, ob das millionenfache Töten männlicher Küken in der Eierindustrie von einem vernünftigen Grund gedeckt und damit mit dem Tierschutzgesetz vereinbar ist. Zwei Landkreise waren von Betrieben verklagt worden, nachdem sie ein Tötungsverbot der Küken verfügt hatten. Die Vorinstanz hatte ihnen Recht gegeben. Das Revisionsverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht wurde heute zwar abgewiesen, hat aber gleichwohl der bisherigen Praxis ein Ende bereitet.

Die heutige Entscheidung hat Konsequenzen weit über diesen Einzelfall hinaus. So wurden in der Vergangenheit Eingriffe in das Wohl der Tiere innerhalb der Landwirtschaft oftmals nicht hinterfragt mit dem Wirtschaftlichkeitsgedanken begründet, etwa bei der grausamen Praxis der betäubungslosen Ferkelkastration oder der ebenfalls belastenden Anbindehaltung von Milchkühen.

 

 

 

 

 

 

Quelle: Erna-Graff-Stiftung für Tierschutz