Lionel Strongfort – stärkster Mann der Welt und lebenslang vegetarisch

 

Erfolgreich in den USA: Lionel Strongfort

Lionel Strongfort – perfekte Symmetrie

Lionel Strongfort wurde am 23. November 1878 in Berlin als Max Unger geboren. Er absolvierte als 16-jähriger in Berlin eine Lehre bei einem Uhrmacher; als er den legendären „starken Mann“ Louis „Professor“ Attila kennen lernte.  Da Strongfort schon vorher besonders für alte griechische Skulpturen schwärmte, war er natürlich beeindruckt von der enorm austrainierten Physis des Professor Attila. Er trainierte von da ab so oft es ging bei Attila und es dauerte nicht lange bis dieser das Potential des jungen Mannes entdeckte. Der ganz große Erfolg kam, nachdem Strongfort in die USA übersiedelte.

Erfolg als „Human Bridge“

Der „Human Bridge Act“ (Menschenbrücke) war damals zweifellos die absolute Sensation. Lionel Strongfort – einer der stärksten Menschen seiner Zeit – ließ sich von einem vollbesetzten Automobil (über zwei Tonnen) als lebende Brücke „überfahren“. Das allein war schon spektakulär. Hinzu kam, dass um 1900 das Auto überall neu war, die Leute strömten enthusiastisch in die Theater, wo Strongfort sein Können demonstrierte.

„Strongfortism“ – körperliche und geistige Ertüchtigung nach der Strongfort Methode

Dabei handelte es sich um Fernlehrbriefe, die weltweit erfolgreich verkauft wurden. Sie vermittelten geeignete Übungen zur Kräftigung der Muskulatur, enthielten Tipps zum täglichen Training und zu einem gesunden Lebensstil. Zwei kleine Hanteln von je 1,5 kg Gewicht gehörten zur Sendung dazu. Der Ton der Lehrbriefe war freundschaftlich, hier und da aber auch streng gehalten. Schließlich war Strongfort davon überzeugt, dass er auch noch aus gescheiterten Existenzen wieder aufrechte Leute machen konnte. Nach zehn Lehrbriefen erwartete er von jedem Teilnehmer einen Bericht.

vegetarisch gesund und stark

Lionel Strongfort – vegetarischer „Strongman“

Extrem stark

Mehr als 120 kg hob Strongfort schon  mit 17 Jahren mühelos, einhändig schaffte er über 60 kg. Später erlangte er den Weltrekord als er die Marke von Louis Cyr um fast 20 kg auf über 150 kg erhöhte. Professor Attila betreute den jungen Schüler persönlich und ermutigte ihn auch immer wieder zu einer gesunden Lebensführung: ohne Rauchen, kein Alkohol und kein Nachtleben. Es sollte von vornherein alles ausgeschlossen werden, was den Aufstieg zu einem Weltchampion hätte behindern können. Der Plan ging auf.

Ringen und Boxen waren zwei weitere Disziplinen, in denen Lionel Strongfort trainierte. Als Ringer kämpfte er gegen den gigantischen Türken Yussuff und den ebenso starken Halil Adali. Von unglaublicher Begeisterung wurden seine spannenden Kämpfe begleitet. Mehrmals versuchte es die türkische Mannschaft ihn zu überreden, für sie zu kämpfen. Als Belohnung wollten sie ihn zum Champion machen. Er lehnte ab.

Strongfort lebte vegetarisch

Aufgrund seiner gesunden Lebensweise – Strongfort war auch sein Leben lang Vegetarier, lässt er sich gut zu der damals populären Reformbewegung zählen. Wie den Reformern galt auch für ihn körperliche Aktivität als erste Voraussetzung für ein gesundes und glückliches Leben. Es war aber nicht nur der körperliche Aspekt, der wichtig war, sondern insbesondere auch der Geist, den Strongfort mit den körperlichen Übungen vollenden wollte. Ganz im Sinne der Antike.

körperliche und geistige Gesundheit

Lionel Strongfort: streben nach dem antiken Ideal

Kämpfer der Antike

Strongfort war ungemein populär, beliebt und entsprechend erfolgreich. Egal wo er auftrat, bewunderte ihn das Publikum ehrfürchtig und jubelte euphorisch. Die Menschen feierten ihn als Reinkarnation des klassischen griechischen Athleten. Seine Muskeln waren ungewöhnlich symmetrisch ausgebildet und die Proportionen seines Körpers außerordentlich harmonisch.  Wenn er sich dann in antiken Posen präsentierte, etwa als Gladiator, als Diskuswerfer, Ringer oder Läufer, gab es unter den Zuschauern kein halten mehr. Viele Bildhauer jener Zeit bevorzugten ihn als Model. Die entstandenen Skulpturen belegen eindrucksvoll, wie sehr Strongfort tatsächlich das klassische Ideal des griechischen Athleten verkörperte.

Klare Vorgaben zum Lebensstil

Wer von Strongfort lernen wollte, und das wollten viele, der musste sich auch an seinen Richtlinien und Empfehlungen orientieren. Dazu gehörten Hinweise, wie unter anderen die große Bedeutung, die er dem Schlaf beimaß, „am besten acht Stunden oder mehr, aber niemals unter sieben“. Außerdem sollte während des Schlafes immer ausreichend frische Luft, „Fenster offen“, zugeführt werden – „auch im Winter“. Kein Fleisch und insgesamt nicht zu viel essen. Dabei betonte er immer wieder, „kauen, kauen, kauen“. Natürlich sollte die Nahrung möglichst frisch sein.

Der Erfolg des Fernkurses „Strongfortism“ ebbte ab, als die Welt von 1929/30 an in der großen Depression versank. Lionel Strongfort konnte damit gut leben und verabschiedete sich von dieser Welt 1970 – im Alter von 92 Jahren.

 

 

 

©Guido Barth
Fotos: werden Napoleon Sarony kurz vor 1900 zugeschrieben und sind in der Public Domain der United States.

 


2 Gedanken zu “Lionel Strongfort – stärkster Mann der Welt und lebenslang vegetarisch

  1. Mein Ziehvater lebte nach Stronfortunismus und war bis ins hohe
    Alter sehr agil und fit. Er kochte alles selbst und kaute seine Mahlzeiten,
    so dass wir zwischendurch spazierengehen konnten, bei Rückehr
    war der Teller noch nicht leer.Bescheidenheit und Konsequenz
    waren seine Tugenden.Er fur mit 98 Jahren noch in der Innenstadt von Frankfurt mit
    dem Rad.Mit 99 Jahren starb er über Nacht in seiner eigenn Wohnung.
    Als Holzfäller bzw. Kriegsgefangener lebte er in Kanadas Wäldern.
    Nach 3 Jahren konnten die Gefangenen gehen, er aber blieb noch 3 Jahre freiwillig.
    Eine Riesengeschichte

    • Hallo Herr Martin,

      vielen Dank für Ihren Kommentar. Das ist eine sehr schöne Geschichte.
      Sie zeigt u.a., wie wichtig Tugenden sind.

      Herzlichst,

      Guido Barth

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