„Lucky Vegetarian“ boxt sich zur Deutschen Meisterschaft

Guido Barth trifft: Elena Walendzik (2005)

vegetarisch als Lebensstil

Elena Walendzik: erfolgreiche Boxerin

Die 23-jährige Hanoveraner Zahnmedizin-Studentin Elena Walendzik ist mehrfache Deutsche Meisterin im Boxen (bis 52 kg). Der andauernde Erfolg ist das Ergebnis aus: Talent, starkem Willen, hartem Training und vegetarischer Ernährung.

 

 

Du lebst vegetarisch, worauf musst Du bei Deiner Ernährung, hinsichtlich Deiner Leistungsfähigkeit im Ring, besonders achten?

Auf Qualität und dass es gut schmeckt. Wir kaufen die meisten Lebensmittel im Bioladen, gleich um die Ecke. Milch, Obst und Gemüse. Am liebsten esse ich Kartoffelbrei mit Karotten. Das gibt es heute. Wenn es dazu noch Tofu mexikanisch gewürzt gibt, ist das top. Ich esse auch gerne die pikanten Tofuriegel. Die sind klasse, wenn ich abends vom Training komme. Da ist es eigentlich schon zu spät zum Essen, aber eine Kleinigkeit brauche ich dann trotzdem noch. Meine wichtigste Mahlzeit ist das Frühstück. Dazu nehme ich mir auch immer genug Zeit: für Obst, Müsli und ein paar Brote.

Neben Sat 1 und vielen Zeitungen hat auch schon die Bildzeitung groß über Deine  Meisterschaften berichtet, unter dem Titel: „Tofupower für die Boxqueen von Hannover“. Wie lange lebst Du schon vegetarisch?

13 Jahre. Ich war zehn Jahre alt und habe auf einem Bauernhof gehört, was mit den Kühen passiert, wenn die nicht mehr genug Milch geben. Von da an habe ich Fleisch weggelassen.

Haben Deine Eltern damit Schwierigkeiten gehabt?

Nein, gar nicht. Zuerst habe ich immer gesagt, och nö, ich möchte kein Fleisch essen, da ist das gar nicht groß aufgefallen. Kurz darauf ist meine Mutter auch Vegetarierin geworden. So ist es bis heute.

jeden Tag bewegen erhöht die Leistungsfähigkeit

„Ich brauche jeden Tag Bewegung“

Du bist die einzige Boxerin in Deiner Familie. Wer hat Dich zum Boxen gebracht?

Das war eher Zufall, als wir vor sechs Jahren auf einer Finca auf Mallorca waren, hat es immer zu geregnet. Mein Vater hat mich überredet und wir haben uns einen Boxkampf angesehen – ich hatte ehrlich gesagt überhaupt keine Lust. Irgendwie war das dann doch mit Technik und Taktik und das hat mir gut gefallen.

Ohne Fleiß, kein Preis. Wie oft trainierst Du in der Woche?

Unterschiedlich, aber bis zu fünf Mal. Montag, Mittwoch und Freitag boxen und an den anderen Tagen gehe ich noch Laufen. Zuhause übe ich häufig Schattenboxen, das ist sehr wichtig für die Konzentration. Manchmal trainiere ich auch Sit-ups.

vegetarisch und erfolgreiche Boxerin

Elena Walendzik mit Veggie World Congress Shirt

Wenn Du nicht gerade boxt oder trainierst, studierst Du Zahnmedizin. Studium und fünf Mal in der Woche trainieren, ist die Zeit nicht sehr knapp?

Das geht schon. Vor allem: Ich brauche jeden Tag Bewegung. Das ist für mich sehr wichtig. Ich bin dann insgesamt leistungsfähiger und kann mich besser konzentrieren. Bei unserem Physikum haben wir zehn Stunden angestrengt gearbeitet. Danach muss ich was machen, mindestens laufen, sonst fühle ich mich nicht wohl. Einige Kommilitonen gehen gleich schlafen, das könnte ich auf gar keinen Fall. Ich fahre ein paar Stationen mit der Bahn zum Training, da kann ich während der Fahrt auch ein bisschen lernen.

Wie läuft Dein Training ab?

Da gehen wir erst mal laufen und machen Seilspringen, anschließend beginnen wir mit technischen Übungen, Boxen vor dem Spiegel, Schattenboxen oder in einer Partnerübung z.B. nur mit der Rechten schlagen oder auch Kombinationen. Danach gibt es ein Sparring.

Mit Vollkontakt?

Ja, schon mit Vollkontakt, aber vorsichtig (lacht) und wir tragen auch Kopf- und Mundschutz.

Da geht also keiner gleich k.o.?

Nein, ich boxe ja Federgewicht und da sind die Schläge nicht so gewaltig, obwohl da auch schon einiges hintersitzt. Zum Trainingsabschluss machen wir dann noch Gymnastik. Dazu können wir dann unsere CDs mitbringen. Ich höre dabei am liebsten Latinomusik.

Eine Frau sagte zu mir, als ich ihr von dir erzählte: „Ah, Zahnmedizin und boxen…“

(Lacht) Ja, das ist der Standardspruch, du haust denen erst die Zähne ein und dann gibst Du ihnen deine Visitenkarte. Mal ehrlich, ich habe noch von keiner gehört, dass da mal was passiert ist. Überhaupt nicht. Und wie gesagt, wir tragen ja auch den Mundschutz.

Elena Walendzik im Bioladen

veganer Snack aus dem Bioladen

Die Ernährung ist ja sehr wichtig für Dich. Du bist Studentin und gehst zum Essen in die Mensa, nehme ich an. Wie ist das Essen dort?

Auf jeden Fall kein Hit. Es gibt jeden Tag fünf vegetarische Gerichte im Angebot, nur von denen schmecken höchstens zwei einigermaßen. Außerdem sind 3,20 € für Reis und Paprika ganz schön teuer.

Nimmst Du Nahrungsergänzungsmittel?

Nein, gar nicht.

Warum nicht?

Ich brauche keine.

Du boxt mit einer exzellenten Technik und bist dafür auch schon mit Preisen ausgezeichnet worden. Wofür genau gibt es solch einen Preis?

Diese Preise freuen mich immer besonders. In der Begründung heißt es z.B., ich sei sehr schnell und beweglich auf den Beinen und ich habe mich sehr flexibel den unterschiedlichen Stilen meiner Gegnerinnen angepasst.

Wie geht es nun mit Deiner Boxkarriere weiter?

Da ändert sich nicht viel. Einige sagen zwar, die Deutsche Meisterschaft sei das Sprungbrett und ich könne ja mal bei einem Promoter anfragen. Ich will aber auf jeden Fall mein Studium zu Ende machen.

Die einzelnen Gewichtsklassen liegen nur etwa zwei oder drei Kilogramm auseinander, musst Du da nicht sehr auf Dein Gewicht achten?

Als Vegetarierin habe ich da keine Probleme. Probleme mit ihrem Gewicht haben bei uns eher die Männer und ich sage ihnen, versucht es doch mal ohne Fleisch. Mittlerweile merken die allmählich, da muss was dran sein. Ich bin ja auch schon Niedersachsen Meisterin in einer höheren Klasse geworden, bis 57 kg. Die Leistung stimmt also auf jeden Fall.

Elena, herzlichen Dank für das Gespräch.

 

©Guido Barth
Fotos: Guido Barth


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