„He loves desert races“

Guido Barth spricht mit: Edward Chapman (2003). Fotos aus 2013 ©Hermien Webb Photography, South Africa

The first ever 7 time finisher at Kalahari Extreme Marathon

Edward Chapman in 2013 in his 7th Kalahari Extreme Marathon.                                                    Fotocredit: ©HermienWebb Photography, South Africa

Im Jahr 2003 sind 150 Marathon-LäuferInnen für den VEBU (Vegetarierbund Deutschland) beim Berlin-Marathon gestartet. Einer von diesen war Edward Chapman. Edward ist ein Brite, der erst mit 40 Jahren zum Laufen gekommen ist. Er hat schnell Spaß gefunden und sein Talent entdeckt. Mittlerweile läuft er sehr gerne Ultra-Distanzen und nutzt seine Starts zum Sammeln von Geld für „COCO“. Diese Organisation wurde von dem berühmten Mittelstreckenläufer Steve Cram gegründet und hilft benachteilgten Kindern an zahlreichen Orten dieser Welt.
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Aktuell im Dezember 2013: Edward hat seinen 7. „Kalahari Augrabies Extreme Marathon“ mit persönlichem Rekord beendet
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Edward, warum nimmst du an diesem Berlin-Marathon teil?

Ich bin gefragt worden. Ein weiterer Grund: Ich treffe dort Menschen mit gleicher Gesinnung aus anderen Ländern.

In einem Artikel habe ich gelesen, dass du Marathon läufst, auch weil du etwas demonstrieren möchtest. Was genau möchtest du demonstrieren?

Ja, viele Menschen glauben einfach, dass Menschen, die sich vegetarisch ernähren irgendwie schwach un energielos sind. Das stimmt aber überhaupt nicht. Darum laufe ich Marathon. Dafür brauchst Du eine Menge Kraft und Energie. Das sollen alle Leute sehen.

Lebst Du vegan oder vegetarisch?

Vegetarisch.

Wie lange ernährst du dich schon vegetarisch?

Seit sechs Jahren.

Findest du das eine lange Zeit?

Aah, es ist mir nicht lange vorgekommen.

Wie hast du dich vorher ernährt – was hast du gegessen?

Vorher habe ich mich auf ganz gewöhnliche englische Art ernährt.

Bacon and eggs zum Frühstück. Solche Sachen eben.

Sonntags dann Roastbeef.

Wie bist du darauf gekommen, dass du deine Ernährungsweise willst, was war der Auslöser gewesen?

Ja, ich habe mit dem Laufen begonnen, als ich vierzig Jahre alt war.

Sorry, aber wie alt bist du jetzt?

Ich bin jetzt neunundvierzig.

Wenn du läufst, achtest du auch mehr auf deine Ernährung und für das was du isst. Ich habe erkannt, das wir überhaupt nicht als Fleischesser vorgesehen sind. Ich habe mich einfach viel besser gefühlt, als ich kein Fleisch mehr gegessen habe. Nach einigen Jahren in denen ich gelaufen bin, habe ich schließlich ganz auf eine vegetarische Ernährung umgestellt. Nun, wenn du läufst, ist es ganz klar, das du dich mehr für deinen Körper und für das, was du isst, interessierst. So kommt das.

Nachdem du deine Ernährung auf vegetarisch umgestellt hattest, welche Konsequenzen hat das gehabt, einmal für dein Training und dann für deine Leistungsfähigkeit?

Ja, das ist sehr positiv gewesen. Ich geniesse mein Essen mehr und das Laufen klappt viel besser. Insgesamt: Ich fühle mich einfach gesünder. Ich fühle mich viel fitter.

Edward, hälst du eine vegetarische Ernährung für die ideale Ernährung für Athleten und auch für alle anderen Menschen?

Es ist eine ideale Ernährungsform, solange du sicherstellst, dass deine Mahlzeiten sehr vielseitig sind. So ist es wichtig, dass du viele Hülsenfrüchte ist. Etwa Bohnen. Natürlich auch viel grünes und rotes Gemüse.

Viele frische Sachen?

Genau. Außerdem sind die richtigen Proteine wichtig. Das ist aber nicht schwierig.

Welche Proteinquelle bevorzugst du?

Ich neige bevorzugt zu Hülsenfrüchten, wie Kidney-Bohnen oder „chickpeas“.

Wie heißen „chick-peas“ bei euch?

Kichererbsen.

Gelegentlich esse ich Tofu sehr gerne. Dazu dann etwas „Stir Fry“ – gedünstetes Gemüse –  mit etwas pikanter Sauce.

Du bist jetzt leistungsfähiger. Das wusstest du aber nicht vorher. Aber du hast gewusst, das eine vegetarische Ernährung viel gesünder ist. Gibt es noch andere Gründe – z.B. religiöse -, warum du zu einer vegetarischen Ernährung gewechselt hast?

Nein, bei mir gibt es da keine religiösen Gründe. Ein wichtiger Aspekt für mich ist der Tierschutz.

Tierschutz, Tierrechte?

Ja genau.

Bist du über das Laufen hinaus in diesen Bereichen aktiv?

Nein.

Ich halte absolut nichts von „Blutsport“. Dennoch, persönlich engagiere ich mich da nicht weiter.

Wie erscheint der vegetarische Lebensstil in der britischen Öffentlichkeit? Gilt er als fortschrittlich? Schließlich ist die Vegetarian Society noch ein paar Jahre älter als der Vegetarier-Bund.

Der „vegetarian lifestyle“ ist noch nicht so sehr weit verbreitet. Aber es gibt jetzt immer mehr Restaurants, die entweder ganz vegetarisch sind oder aber zusehends mehr vegetarische Alternativen auf ihren Speisenkarten anbieten. Besonders, wenn du nach Nord-England fährst, gibt es dort nur sehr wenige Angebote, wo du auswärts essen gehen kannst.

In den Midlands?

Mmmh. In den Midlands und im Norden.

Du lebst in Cornwall, Edward?

Ja, ich lebe in Corwall. Ich bin aber auch in London tätig.

Das ist aber eine große Entfernung.

Ich habe eine Wohnung nahe meines Büros gemietet. Ich bin dort gewöhnlich an vier Tagen in der Woche und habe dann drei Tage Wochenende.

An den drei Tagen genießt du dann das Training in der schönen Landschaft in Cornwall?

Ja es ist wunderschön. Tatsächlich laufe ich hier an der Steilküste. Die erstreckt sich hier entlang. Es ist „brilliant“.

Bitte, laß uns wieder über Langstreckenlauf reden. Du läufst jetzt seit neun Jahren. Wie häufig trainierst du in der Woche?

Ich trainiere sechs mal in der Woche.

South Africa 2013. Edward running his 7th Kalahari Extreme Marathon.  Fotocredit: ©HermienWebb Photography South Africa

South Africa 2013. Edward running his 7th Kalahari Extreme Marathon.                                 Fotocredit: ©HermienWebb Photography, South Africa

Wieviele Kilometer sind das dann?

Normalerweise sind das um die 70 Kilometer. Wenn ich wirklich hart trainiere, laufe ich über 150 Kilometer in der Woche.

150 Kilometer?

Ja. Ein langer Weg.

Wieviele Marathons läufst du im Jahr?

Vier oder fünf sind das jedes Jahr. Dann noch zwei Ultra-Marathons. Ultra, das ist immer noch einiges mehr als die Marathon-Distanz.

Ultra-Marathon. Können das auch 100 Kilometer sein?

Ich mache ab und zu auch hundert Kilometer. Ja.

Aber auch mal 90 Kilometer.

In diesem Jahr warst du auf dem Comrades-Marathon in Süd Afrika gewesen. War das dort deine erste Teilnahme gewesen?

Das war bereits meine fünfte Teilnahme gewesen.

Das ist ein Ultra-Marathon?

Ja. Das ist ein 90 Kilometer-Lauf.

Ist es richtig: Du hast in diesem Jahr beim Marathon de Sables in Marokko teilgenommen?

Ja, der hat im April stattgefunden.

Bis du im Ziel angekommen?

Ja, ich bin angekommen.

Klasse. (Der Marathon de Sables geht über sechs Tage und ca. 250 km auf Wüstenboden)

Wie alle anderen Teilnehmer trägst du da all deine Sachen selber. Der letzte Tag, das war der sechste Tag gewesen. Was hast du an diesem Tag erlebt?

Ja. Alle Teilnehmer tragen ihre Nahrungsmittel und ihr Equippment selber. Es war wieder extrem heiß gewesen. Es war sehr sehr anstrengend.

Du lebst noch?

Ja. Sie geben dir nichts als Wasser. Es ist unglaublich hart. Es geht dabei gar nicht so sehr um das Laufen. Wichtiger ist, das du mit dem Wasser richtig haushaltest und guckst wieviel du schläfst. Außerdem ist das Laufen im Sand ganz anders, als das Laufen auf festem Untergrund. Es war eine phantastische Erfahrung.

Gibt es bestimmte Rennen, bei denen du regelmäßig startest?

Es gibt da einige Marathons in England, an denen ich immer wieder teilnehme. Im April gibt es den Stratford Marathon. Dieser Marathon wird auch der Shakespeare-Marathon genannt. Schließlich ist Stratford upon Avon Shakespeare’s Geburtsort. Außerdem laufe ich beim Luton-Marathon. Luton liegt ungefähr 90 km nord-westlich von London entfernt. Der Luton Marathon findet immer im Dezember statt. Er ist in England der letzte Marathon des Jahres. Es ist dort sehr schön. Alle Marathonis nehmen gerne daran Teil, gerade weil es der letzte Marathon des Jahres ist.

Welches ist dein Lieblings-Marathon?

Das ist der Comrades-Marathon in Süd Afrika.

Laufen macht sicher viel Spaß, auch wenn es manchmal harte Arbeit ist?

Es ist immer harte Arbeit.

Spaß ist eine Sache. Es gibt aber noch einen anderen ganz bestimmten Grund, warum du Marathons läufst. Welcher ist das?

Ja. Ich laufe für die Charity Organisation “Comrades Of Children Overseas“ (COCO;

http://www.coco.org.uk – COCO wurde von dem in den 80 er Jahren sehr erfolgreichen und weltberümten Mittelstreckenläufer Steve Cram gegründet).

Bei jedem Marathon?

Nein. Hast du eine Sache einmal erfolgreich gemacht, schon denken die Leute, es ist ganz einfach. Du bekommst dann nicht mehr so viel Geld. Auf dem Comrades-Marathon habe ich einmal sehr viel Geld gesammelt.

Das war 1999 gewesen?

Yes, 1999. Ich habe 21.000,-€ erlaufen.

Wer hat das alles organisiert?

Das habe ich selber organisiert.

Du alleine?

Ja.

Wann bist du zuletzt für einen guten Zweck gelaufen?

Im April auf dem Marathon de Sables. Da habe ich 12.000,-€ erlaufen. Wie gesagt: Jedesmal, wenn du das machst, wird es ein bischen schwieriger.  Aber ich werde es wieder machen. Es ist sehr wichtig. Die Spenden-Organisation COCO, der ich dann das Geld überreiche, hat mich vergangenen Dezember gefragt , ob ich ihr Direktor werden möchte. Ich habe zugesagt. Wir kümmern uns um Kinder in der Welt, die von Aids, Krieg und Armut betroffen sind. Wir helfen im Moment in:

  • Süd Afrika
  • Malawi
  • Nepal
  • Indien
  • Rumänien

Wir bauen Pflege-Häuser. Es gibt so viele Kinder, die auf dieser Welt niemanden mehr haben, oder die niemand mehr haben will.

Edward, was sind deine Pläne für die Zukunft?

Nächstes Jahr gehe ich in die Niederlande für die 100 km. Als ich das letzte Mal dort gestartet bin, war ich nicht ganz fit gewesen. Ich war dann auch nicht mit meiner Zeit zufrieden gewesen. So möchte ich in 2004 das noch verbessern. Ich werde nächstes Jahr 50 Jahre alt. Da habe ich in meiner Altersgruppe gute Chancen.

Welche Zeit strebst du für den Berlin-Marathon an? 

Realistisch sind 3:40 Stunden. Ich bin momentan nicht in top Form. Meine Bestzeit ist 3:30 Stunden. Ich bin in diesem Jahr sehr viel gelaufen. Meine Beine sind etwas müde. Ich werde mein Bestes geben.

Edward, wir sehen dich in Berlin. Wir freuen uns darauf.
Vielen Dank für das Interview.

 

©Guido Barth


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