Johanna Jahnke: „Meine Kinder sind ganz verrückt nach Tieren“

 

Guido Barth trifft: Johanna Jahnke 

©Björn Lexius Photography

Johanna Jahnke                                                                                                                             Fotocredit: ©Björn Lexius Photography

Johanna Jahnke zu Fragen zu ihren Erfahrungen mit ihren beiden Kindern, die von Geburt an vegan leben. Johanna ist eine international erfahrene Rugbyspielerin. Um dorthin zu kommen, hat sie in Neuseeland, Australien und Schweden gespielt. Die Mutter von Lasse (5) und Mia (2) ist mit St. Pauli bereits 10-fache „Deutsche Meisterin“.

In Frankreich ist ein Gesetz in Kraft getreten, das vorschreibt, dass in allen Schulkantinen jede Mahlzeit tierische Produkte beinhalten muss. Es wird befürchtet, dass dieses Gesetz auch auf Kindergärten und Kinderkrippen ausgeweitet werden soll. Grund: Es sei gesund und vor allem wolle man die eigene Agrarwirtschaft schützen. Was hältst Du als vegan lebende Mutter?

JJ:

Es ist tatsächlich so, dass die französische Regierung ein Gesetz erlassen hat, das genau vorschreibt, wie das Essen in Schulkantinen zusammengesetzt sein muss. Der Fett- und Zuckeranteil einer Mahlzeit ist festgelegt und ebenfalls die Menge an tierischen Proteinen, die ein Gericht enthalten soll. Diese wiederum müssen zu einem bestimmten Prozentsatz aus Fleisch bestehen. Begründet wird das ganze damit, dass eine ausgewogene Ernährung nur durch regelmäßigem Verzehr von Tierprodukten, wie Kuhmilch, Eiern oder Fleisch, möglich ist. Dass das totaler Humbug ist, hat unlängst sogar die American Dietetic Association (ADA) bestätigt. Eine gut geplante vegetarische oder vegane Ernährung, so die größte Ernährungsorganisation der Welt, sei in jeder Lebensphase möglich: auch während der Schwangerschaft, der Stillzeit, im Säuglingsalter und der Kindheit.

©Björn Lexius Photography

Johanna beim Spezialtraining                                                                                       ©Björn Lexius Photography

Wenn Du gefragt wirst, warum Du mit Deiner Familie vegan lebst, was antwortest Du?

JJ

Ich werde ehrlich gesagt gar nicht so oft auf mein veganes Leben angesprochen. Es scheint so, als sei es schon fast normal, vegan zu leben, wie es normal ist, vegetarisch zu leben. Nun wachsen meine Kinder in einer Großstadt auf und ich bewege mich in fortschrittlich denkenden Kreisen. Besonders ist am ehesten der Umstand, dass meine Kinder von Geburt an vegan sind. Ob das so gut für die Kleinen sei fragen sich dann einige. Ich stehe hundertprozentig hinter meiner Lebensweise, sowohl in ethischer, wie auch in gesundheitlicher Hinsicht. Da wäre es doch ehrlich gesagt ziemlich absurd, meine Kinder anders, als mich selbst zu ernähren. Zumindest solange unsere Ernährung physiologisch „funktioniert“.

Wie sieht das bei Deinen Kindern ganz konkret aus?

JJ

Ich lege sehr viel Wert auf gutes Essen und solange es mein Budget erlaubt, kaufe ich alles aus biologischer Herstellung. Ebenso achte ich darauf, nicht alles „tot zu kochen“, sondern versuche auch einen großen Teil roh zuzubereiten. Beim Kochen werden wertvolle Enzyme zerstört und generell gilt: je unverarbeiteter ein Lebensmittel ist, desto mehr Nährstoffe bleiben erhalten. Meine Kinder können meistens mit entscheiden, was wir Essen und sie helfen mir gerne beim Kochen. Nach meiner Erfahrung wissen Kinder meistens selbst ganz gut, was ihr Körper gerade braucht und sie wählen das Obst oder Gemüse genau danach aus – wenn man sie lässt. Zusätzlich gibt es bei uns mit Calcium angereicherte Reismilch, Lein- oder Rapsöl für die Omega 3 Versorgung, sowie eine Substitution von B12 und Vitamin D. Besonders Kinder mit dunklerer Haut müssen ausreichend mit Vitamin D versorgt sein, da sie noch weniger Sonnenlicht absorbieren, als Menschen mit hellerer Haut. Darauf jetzt im Detail einzugehen, würde dieses Interview sprengen. Ich empfehle für Informationen deswegen die englischsprachige Seite: www.veganhealth.org

Was bedeutet es für Dich grundsätzlich, ein veganes Leben zu leben?

JJ

Ein veganes Leben zu leben, bedeutet für mich definitiv nicht nur „vegan“ zu essen, sondern auch in anderen Bereichen Entscheidungen gegen Tierausbeutung zu treffen. Ich trage statt Leder Lederimitate oder Stoff, statt Wolle wärmt mich Kleidung aus Flies und Kosmetik ist bei mir nicht an Tieren getestet und enthält auch keinerlei tierliche Inhaltsstoffe. In gleichem Maße lehne ich aber auch die Ausbeutung von Menschen ab und versuche deswegen beim Einkaufen auch den Aspekt „Fairtrade“ zu beachten. Nur weil ein Produkt vegan ist, heisst das nicht, dass die Bedingungen unter denen es hergestellt wurde auch in Ordnung waren. Schuhe zum Beispiel sind so ein Thema, gerade Kinderschuhe und da vor allem die ganz kleinen Größen, die sind sehr schwer vegan zu bekommen. Zumindest wenn Du eine gute Qualität haben möchtest. Ich finde, dass es wichtig ist auch über den veganen Tellerrand hinaus zu schauen und im Rahmen der eigenen zeitlichen und finanziellen Möglichkeiten, nachhaltige Entscheidungen zu treffen.

Go vegan!

Johanna mit Tochter Mia       ©Björn Lexius Photography

Was sagen Deine Kinder zu dem Ganzen?
Wie selbstständig können sie schon erkennen, worum es genau geht?

JJ

Meine Kinder sind aufgeweckte Menschen und sie gehen ganz normal in die Kita. Dort bekommen sie veganes Essen und sind deswegen weder Außenseiter noch Sonderlinge. Ganz im Gegenteil, es gab sogar schon Kinder, die ebenfalls vegan werden wollten. Inwiefern mein 5-jähriger Sohn verstehen kann, warum wir vegan sind, ist schwer zu sagen. Ich meine mal gelesen zu haben, dass Kinder erst relativ spät, also mit 8 oder 9 Jahren wirklich in der Lage sind, bestimmte Zusammenhänge zu erkennen. Natürlich weiß er, dass man Tiere erst töten muss, um sie essen zu können, und er lehnt das ab. Gerade gestern habe ich mitbekommen, dass er zu seiner Freundin sagte, dass Fleischesser böse Menschen seien. Das haben wir ihm nie so gesagt. Was Massentierhaltung in Tierfabriken bedeutet, das ist für ihn natürlich nicht nachvollziehbar.
Meine Tochter Mia mit ihren zwei Jahren versteht eigentlich nur, dass sie bestimmte Sachen isst und andere halt nicht. Das scheint sie aber nicht weiter zu stören. Sie kennt es auch nur so.
Ich mache aus unserem veganen Lebensstil kein großes Tamtam. Wenn bestimmte Themen aufkommen, dann spreche ich mit den Kindern darüber und versuche ihre Frage zu beantworten. In unserem Regal stehen einige sehr schöne Bilderbücher, die mir dabei helfen, wie z.B. „Warum wir keine Tiere essen“ von Ruby Roth. Auch sehr empfehlenswert ist: „Baby Dronte“ von Peter Schössow. Das Buch ist wunderbar illustriert und handelt von einem Kapitän der im Hamburger Hafen ein Drontenei findet. Um sein Schiff zu retten verkauft er die geschlüpfte Dronte gegen den Willen seiner Besatzung an die Wissenschaftler, nur um dann später sein Herz zu entdecken und sie wieder aus dem Zoo zu befreien.

Ihr seid Stadtmenschen, wie ist da die Beziehung zu Tieren: Deine und die Deiner Kinder?

JJ

Wir haben die üblichen Stadttiere um uns, wie: Hunde, Katzen, Enten und Tauben. Meine Kinder sind ganz verrückt nach Tieren und begegnen ihnen mit großem Respekt. Um Ihnen allerdings auch die Möglichkeit zu geben, andere Tiere kennen zu lernen, sind wir schon ein mal auf Hof Butenland gewesen. Dort ist es wirklich ganz außergewöhnlich. Karin Mück und Jan Gerdes haben einen Ort des friedlichen Miteinanders von Mensch und Tier geschaffen und das ist es, was ich meinen Kindern zeigen möchte. Wenn alles klappt werden wir im Frühjahr wieder dort hinfahren.

©Björn Lexius Photography

Johanna in ihrer Wohnung in Hamburg                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                              ©Björn Lexius Photography

Was bedeutet es für Dich, dass Deine Kinder vegan aufwachsen?
Wie weit schränkst Du Dich und Deine Kinder für ein solches Leben ein?

JJ

Meine Kinder sind eigentlich ganz normale Kinder, mit der Ausnahme, dass sie vegan essen. Sie sind dadurch bisher in keiner Weise eingeschränkt gewesen. Der Vorteil in einer großen Stadt wie Hamburg ist, dass es hier inzwischen ein enormes Angebot an veganen Alternativen gibt.
Unsere Eisdiele führt köstlichstes hausgemachtes veganes Sojaeis und in 99% der Cafes in unserem Viertel gibt es Sojamilchschaum für die Kinder und vegane Kekse haben immer mehr im Schrank. Ich behaupte, es gibt eigentlich keinen Bereich, in dem die beiden bisher irgendwelche Nachteile gehabt haben, oder sich einschränken mussten – auch, wenn sie nicht in den Zoo gehen.

Von Geburt an vegan: zuerst Muttermilch, dann Brei, was wird bei Euch jetzt am liebsten gefuttert?

JJ

Die Kinder lieben Pizza, Lasagne und Suppen. Außerdem essen sie sehr viel Obst, am liebsten Melone und Mango. Ich selbst esse zu jeder Mahlzeit auch immer noch einen großen Salat, da bin ich richtig süchtig nach. Die Großeltern meiner Kinder sind gerade der Meinung, dass sie besonders proteinreiche Mahlzeiten zubereiten müssten – auch, weil Mia noch etwas kleiner ist, als der Durchschnitt in ihrem Alter. Da habe ich nichts gegen einzuwenden, solange das, was sie auftischen, alles vegan ist. Viele tolle Rezepte dazu gibt es auf meinem Lieblingsblog: www.veganguerilla.de

Hast Du ein bestimmtes Lebensmotto?

JJ

Ich versuche geistig flexibel zu bleiben und die Entscheidungen, die ich in meinem Leben treffe, regelmäßig zu überdenken. Wichtig ist mir dabei, Menschen und Tieren respektvoll zu begegnen, und möglichst nachhaltig zu denken und zu agieren.

Johanna, dankeschön.

 

veggy-post: Archiv-Interview mit Johanna über Rugby

 

©Guido Barth
Fotocredits: ©Björn Lexius Photography

 


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.