Melbeatz: „Eine wirklich würdige Kultur ist für mich die vegetarische“

Guido Barth trifft: Melbeatz (2008) – Deutschlands erfolgreichste Hip-Hop Produzentin

Melbeatz lebt vegetarisch

Melbeatz, erfolgreiche deutsche Hip-Hop Produzentin

Melbeatz produziert Hip-Hop mit nationalen und internationalen Musikgrößen, wie z.B. mit dem New Yorker Superstar Kanye West. Die erfolgreiche Musikerin verbringt regelmäßig ausgedehnte Aufenthalte in den USA. Zuhause ist sie in Berlin und bezeichnet sich als Workaholic. Was das vegetarische Kochen betrifft: sie mache am liebsten Salate, „das kann ich am Besten“. Nach einem mehrjährigen veganen Experiment, lebe sie jetzt entspannt und glücklich vegetarisch, wie sie sagt.

Was hast Du gedacht, als ich Dich um das Gespräch zum Thema „vegetarisch“ gebeten habe?

Ich habe mich super gefreut: Endlich werde ich Mal zum Thema vegetarisch interviewt. Es ist so klasse, dass das Ganze jetzt ein Trend ist und die Gesellschaft anfängt und sich damit auseinandersetzt.

Wie lange lebst Du schon vegetarisch?

Ich bin mit 16 vegetarisch geworden, nach dem mir meine Freundin Laura von einer Dokumentation über Tiertransporte erzählt hatte. Ich bin jetzt 31, also geht das schon eine ganze Zeit.

Woran erinnerst Du Dich besonders, wenn Du an die erste Zeit zurückdenkst?

In den ersten Jahren haben mich viele Menschen gehasst, weil ich mit meinen Argumenten immer eine radikale Meinung vertreten habe. Ich war da wirklich schlimm und gemein. Na, immerhin habe ich dem einen oder anderen die Lust am Fleisch verdorben.

Du hast missioniert.

Ich dachte, jeder müsste das verstehen; war aber nicht so. Oft habe ich beschissene Argumente gehört, wie auch: Pflanzen, die leben doch auch.

Wie hast Du Dich verändert?

Mittlerweile bin ich da etwas entspannter und wenn man offen ist, findet man den richtigen Punkt für ein Gespräch – meistens.
Natürlich muss beim Gegenüber ansatzweise der Respekt vor dem Leben vorhanden sein. Ich nehme aber auch Leute, die meinen Standpunkt überhaupt nicht verstehen wollen, nicht ernst. Leider haben viele Menschen noch nicht kapiert, was hinter dem Fleisch steckt. Die ganze Fleisch–Industrie, mit Massentierhaltung und allem, was dazugehört ist total unnatürlich. Diese respektlose Art im Umgang ist falsch, so darf man das nicht machen. Was das anbetrifft, da habe ich immer noch eine radikale Meinung.

Melbeatz ist vielseitig und erfolgreich

Melbeatz zusammen mit Guido und …

Du bist Deutschlands erfolgreichste Produzentin, was genau machst Du?

Ich bin Musikerin und wenn du so willst auch Produzentin. Ich produziere HipHop, was eine recht technische Angelegenheit ist. Das aber liegt mir sehr, ich bin eine technikbegeisterte Bastlerin. Schon als Kind habe ich das Telefon aufgeschraubt und repariert. Jetzt bastele ich mir meine Musik zusammen. Ich sample HipHop Musik. Sampeln würde man im normalen Sprachgebrauch klauen nennen. Noten kann ich nicht fließend, ich habe mir das mit der Musik alles selber beigebracht, bin also ein echte Autodidaktin. Texte schreibe ich übrigens gar nicht, da bin ich richtig schlecht drin.

Wann hast Du angefangen, Dich für Musik zu begeistern?

Ich höre schon mein Leben lang Musik, schon als ich klein war, habe ich nach dem Aufstehen immer gleich das Radio eingeschaltet. Heute gehe ich in meine I-Tunes Bibliothek. Mittlerweile höre ich aber fast nur noch meine eigenen Sachen. Ich mache ja sehr viel und sitze immer an irgendeinem Beat.

 

Melbeatz hat mit vielen großen Künstlern produziert, u.a:

Kanye West, Mobb Deep, Azad, Curse,Kool Savas, DJ Nicon, Valezka, Eko Fresh, Amar, Caput, Ercandize, Franky Kubrick, Moe Mitchell, Olli Banjo, Ol‘ Dirty Bastard, Illmatic, Samy Deluxe

 

Wieviele Beats hast Du in Deiner Karriere schon produziert?

In den vielen Jahren sind um die 1000 Beats entstanden. Ich habe Mal alle meine Beats chronologisch aufgeschrieben, ab 1996 und in Listen gestellt, alles mit Angaben zur Größe, ob released oder nicht, gebackupt oder gebounct und und und. Ich liebe solche Listen.

Welche Gründe sind Dir für eine vegetarische Ernährung am wichtigsten?

Die Leute benennen oft gesundheitliche Gründe für ihre vegetarische Lebensweise. Darum geht es überhaupt nicht mehr. Klar, ich bin supergesund mit meinen 31 Jahren. Und es ist schon ziemlich gesichert, dass Fleisch krank macht. Mir geht es aber darum, dass die vegetarische Lebensweise auch, ja sogar ganz besonders eine kulturelle Errungenschaft ist. Da kommt dann die ganze Ethik ins Spiel, mit „Respekt vor allem Leben“ (Albert Schweitzer, Anm. des Autors), mit Gerechtigkeit etc.. Der Mensch predigt seit Jahrhunderten, wenn nicht gar seit Jahrtausenden moralische Regeln. Aber selbst oberflächlich betrachtet, hält er sich überhaupt nicht daran. Vielleicht, ich bin mir sogar fast sicher, hätten wir weitaus weniger gravierende Probleme auf dieser Welt, wenn wir anders Leben würden.

Ethik und auch Gesundheit…

…wie auch immer, für mich ist sonnenklar, dass ich nicht Teil dieser ganzen Industrie sein möchte. Da kann ich ohne Probleme auch Mal auf etwas verzichten, um meinen Standpunkt klar zu machen. Ich bin ja zuerst aus ethischen Gründen Vegetarierin.

Welche Prognose gibst Du?

Es ist schon schwierig, die ganze Welt in Ordnung zu bringen. Sieh dich mal um: Gewalt, besonders auch gegen Frauen und Kinder. Sicher würde jeder Vegetarier mehr, da helfen. Trotzdem gibt es so viele verschiedene Ansichten, und Kulturen, die mehr oder weniger auf „Fleisch“ gegründet sind, dass ich manchmal fast die Hoffnung verliere. Es mangelt eben allgemein am Respekt vor dem Leben.

Was noch?

Meine Freundin Laura, die mir vor 15 Jahren von der Dokumentation über die Tiertransporte erzählt hat, lebt heute auch noch vegetarisch. Die Dokumentation selbst, habe ich übrigens gar nicht gesehen.

Mel, herzlichen Dank für das Gespräch.

Sehr gerne, ich habe mich wirklich sehr gefreut.

 

©Guido Barth
Fotos: Guido Barth


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