Kommentar: „War „Marius“, die Giraffe, einer von uns?“

Eine Giraffe. sie ist schön, braucht sie einen Namen? © photocreo - Fotolia.com

Eine Giraffe. Wie schön sie ist.
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Marius ist tot. Marius, die Giraffe. Marius hätte auch ein Hund gewesen sein können, oder ein Pferd, oder ein anderes Tier. Dieser Marius war nun die Giraffe aus Kopenhagen. Sie durfte nicht leben, weil sie – die ein „er“ war, sonst Kinder mit Geschwistern gezeugt hätte. Das wäre Inzucht. Inzucht bei Tieren ist nicht verboten. Von Guido Barth

Inzucht verdirbt aber den Genpool und schadet den Giraffen in den Zoos. Die Genbasis ist sich jetzt schon europaweit sehr ähnlich. Deswegen wurde Marius erschossen und vor Publikum zerlegt und an die Löwen des Zoos verfüttert. Nun, das Marius vor den Augen von Kindern und Erwachsenen zerlegt und an Löwen verfüttert wurde, wird von vielen Seiten als „Anschauungsunterricht“ verkauft. Besonders hervor tut sich hiermit der Zoo-Direktor des Kopenhagener Zoos.

Das Mensch-Tier-Verhältnis ist bis ins Tiefste gestört. Es schreit permanent nach Rechtfertigungen und Rechtfertigungen sind ein Indiz für Konflikte. Tiere werden seit Beginn der menschlichen Geschichte benutzt, ausgenutzt, getötet und gegessen. Dieser Umgang mit Tieren ist also schon eine sehr, sehr lange Lerntradition durchlaufen. Es dürfte eigentlich niemanden geben, der sich anmaßen und bezweifeln wollte, dass ein solches Verhalten Tieren gegenüber, den menschlichen Charakter nicht nachhaltig geprägt hätte. Geprägt in ihrem Handeln, Denken und Fühlen. Von einer Generation an die nächste werden diese Umgangsweisen weitergegeben und irgendwann sind sie Dinge „die einfach schon immer so waren“. Es gibt Ausnahmen. Immer wieder werden Stimmen laut, die auch Tieren Rechte zugestehen wollen. Ich gaube, wir leben sogar gerade in einer Zeit, wo diese Stimmen sehr laut rufen.

Es geht hierbei tatsächlich um das Wohl der Tiere, denn das diese Stimmen immer wieder laut werden, zeigt doch deutlich, dass da etwas nicht stimmt. Denn ansonsten wären auch diese letzten Stimmen längst verstummt. Es mag natürlich sein, dass manche Menschen in der Forderung nach weitreichendem Tierschutz und vor allem auch nach Tierrechten eine politisch motivierte mit Tierliebe verbrämte anarchistische Ideologie oder irgendetwas anderes Politisches am Werk sehen. Aber Mal im Ernst? Um politische Ziel durchzusetzen, dafür gibt es ganz andere, schnellere, Maßnahmen (Afghanistan, Irak, Syrien, Mali, etc..).

Meiner Ansicht nach, haben Menschen, wenn sie nicht schon immer so geboren werden, das ausbeuterische Handeln (ausbeuterischer Kapitalismus) bei der Unterdrückung und Ausbeuting von Tieren und der gesamten Natur (Erde/Ressourcen) gelernt. Der Schritt zur Ausbeutung von Menschen ist da nur noch ein kleiner. Da hat sich in den letzten 100 Jahren auch gar nicht soviel geändert, wie es oft den Anschein macht. Gut es gibt Dinge, die sehen heute besser aus. Wir denken aber immer noch genau so, wie wir seit tausenden Jahren denken. Die Denk-Kategorien sind dieselben. Ich, du, Tier, Fleisch, Wert, Unwert, meins, deins usf.. Wirklich Neues dazugelernt haben wir nicht. Besser geworden ist auch nur das, was uns selber bedroht: schlechtes Wasser, schlechte Luft und so weiter: alles in dern näheren Umgebung. Weil wir soviele geworden sind, standen wir unter Zugzwang. Ein Gefälle existiert aber immer noch in den verschiedensten Konstellationen. Europa-Afrika ist nur eines davon.

Die soziale Marktwirtschaft ist in einem solchen Wertekanon ein moderat anmutendes System. Dennoch, auch hier gilt die Ellenbogen-Adrenalin-Hau-drauf-Mentalität. Der Mensch definiert alles. Er definiert, was gut für die Tiere ist. Er definiert, wie Tiere denken, oder nicht denken, wie sie fühlen oder nicht fühlen. Er definiert, was Wissen ist. Und das definiert er als höchste Instanz. Stimmt vielleicht. Wie sieht es aber mit Diversität des Wissen aus? Wie mit Intelligenz? Immerhin, die Inflationen etwa von moralischer Intelligenz und von emotionaler Intelligenz haben wir schon hinter uns. Was hat es gebracht? Unterhaltung? Forschungsgelder? Der Mensch sagt, was artgerecht ist und wie optimale Lebensräume aussehen. Welche Leistung hat welchen Wert. Hände Arbeit. Kopfarbeit. Führungsarbeit. Familienarbeit usf.. Der Tierhalter sagt, welches Futter gut ist für Hund, Katze, Pferd usw.. Der Mensch macht Tierversuche, um menschlichen Verhaltensweisen auf die Schliche zu kommen (und natürlich für Medikamente etc.) und die Wissenschaftler wollen u.a. in der Grundlagenforschung allgemeingültige Gesetze entdecken. Das Tier wird aber immer ein anderes Individuum, gar eine andere Spezies bleiben, wie Du und ich anders sind und es immer bleiben werden. Zwei Menschen reagieren in jeder erdenklichen Situation unterschiedlich. Sie reagieren unterschiedlich auf Lebensmittel, Medikamente, Lebensumstände, Gefühle, Leid. Zwei bleibt zwei. Dafür geben die Beweise aus der Tierforschung doch nur sehr allgemeine Erkenntnisse her, in einem sehr groben Raster. Was ist davon wirklich übertragbar? Verläßlich wohl nur sehr wenig. Lohnt das? Nun, da die Pharma-Industrie nichts anderes hat. Sie verdient jedenfalls blendend.

Wir essen Tiere. Dazu werden die Tiere meist qualvoll gehalten und sie müssen geschlachtet werden. Meist industriell. Dabei fließt sehr viel Blut. BLUT? Kann das gut sein? Wie gesagt, gelernte und geübte Verhaltensweisen prägen das Denken. Das Denken führt zu handlungen. Wir beuten Schwächere, nicht nur die Tiere, auch andere Menschen, auf ganz unterschiedliche Weise aus: physisch, psychisch, sozial (…). Das Ego hat sein Maß in der Maßlosigkeit.

Wir sagen, welche Tiere gegessen werden dürfen. Und wir sagen, welche Tiere nicht gegessen werden dürfen. Unterschiedliche Kulturen, unterschiedliche Werte. Hunde schmecken den Chinesen lecker. Uns nicht. Warum nicht?

Also, wir essen Fleisch und das steht auch für kulturelle und soziale Werte. Für Status. Aber auch für den Tod. Glauben wir vielleicht, wir könnten unsere Angst vor dem Tod, damit überwinden, wenn wir totes Fleisch essen. Aberglaube? Welche Gründe hatten die ersten Menschen, Fleisch zu essen?

Der menschliche Körper funktioniert am besten und bleibt am längsten gesund, wenn er tendenziell basisch ist. Fleisch aber macht den Körper sauer. Mir scheint, viele Menschen essen Fleisch und meinen, es schmecke ihnen und es gibt ihnen Kraft. Geschmack ist auch eine Frage der Gewohnheit. Das Fleisch kommt auf den Teller, verschwindet im Körper und landet in der Toilette. Das war’s? Folgenlos? Keine Spuren? Nichts? Was passiert auf dem Stück Weg dazwischen? Wie wirken die Substanzen, die Säuren, auf das Blut, auf die Organe, auf die Knochen? Wie verändert sich ein Körper, der von immer mehr Säuren sauer wird? „Ich bin sauer“, wie fühle ich mich dann? Ärger macht mich sauer. Rechtfertigen (Konflikt!) macht mich sauer. Fleisch essen, macht mich sauer. Wissenschaftlich belegt.

Ärger kommt oft plötzlich. Fleisch ist anders, wir essen es Tag für Tag oder zumindest regelmäßig häufig. Lebenslang. Von Generation zu Generation. Die Dosis bleibt immer auf hohem Niveau. Wir sind immer sauer. Kennen es also gar nicht anders. Aggressive Menschen, die sich entsprechend in der Welt bewegen. Ursache? Unbekannt? Menschen, die übernatürlich „hochtourig“ laufen. Immer im roten Bereich. Fleisch-Doping. Menschen, deren Seele streikt, deren Gefühle keine Ordnung mehr finden. Deren Körper keine Ruhe mehr findet. Was tun? Kompensieren. Hyperaktiv werden. Unberechenbar. Schlimmes. Burn-out. Ist das so einfach? Ja. Was sagt die Wissenschaft? Das ist sehr komplex – also noch nicht umfassend bewiesen. Ich sage, das Leben ist auch da, obwohl es noch gar nicht bewiesen ist. Wie das?

Irgendwer scheint immer auf der falschen Spur. Wie anders wäre die Welt, wenn wir ohne zu fragen, ohne Beweise Leben einfach „unendlich“ wertschätzen. Das Leben als solches. Gar nicht einzelne Individuen: Menschen, Tiere, Pflanzen, die Erde (?). Achtung vor dem Leben. Das Leben, die Sinne verbinden alles mit allem. Seele. Spirit. Die Frage nach dem Individuum stellt sich dann gar nicht mehr. Das Leben selbst wird frei. Die Verbindung zum Ursprung trägt wieder.

Warum? Weil wir lernen. Wir lernen, Leben das sein zu lassen, wonach sich unser  tiefstes Innerstes, unser Leben, sehnt: Ruhe, Frieden, Urvertrauen. Genau genommen, müssen wir dafür akzeptieren, dass es andere, bessere Wege geben kann, als den, den wir seit sehr langer Zeit gehen. Warum sit das so schwer? Erst dann könnten wir anfangen zu verlernen, zu verlernen uns an einem System festzuklammern, von dem wir im Innersten ganz genau wissen, dass es uns betrügt. Immer wieder betrügt. Tag für Tag. Von Generation zu Generation. Ich bin überzeugt, wir können das.

Ich hatte im Titel eine Frage gestellt. Das Nachdenken darüber hat wieder Mal verschiedene Ansätze verfolgt. Um damit jetzt die Eingangsfrage, „War Marius einer von uns?“ kurz und knapp zu beantworten: Wir sind Leben und Marius war Leben. Ja: er war einer von uns.

Du kannst dazu auch einen Artikel von Hilgal Sezgin in Zeit-Online lesen: „Weg mit den Zoos!“

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