Michael Ehnert: „Wir haben ja auch Angela Merkel erfunden“.

Guido Barth trifft: Michael Ehnert (2007)

Micheael Ehnert lebt vegetarisch

Michael Ehnert, Kabarretist

Michael Ehnert lebt seit 24 Jahren vegetarisch, er sagt dazu: „Man muss Fleisch nicht essen, warum soll ich es dann tun“. Nach zwei erfolgreichen Engagements am Dortmunder Schauspielhaus und am Residenztheater in München konzentrierte er sich auf sein Programm aus Polit-Kabarett und Comedy. Von 1990 an tourte er fast anderthalb Jahrzehnte lang mit seinem Bühnenpartner Kristian Bader als Bader-Ehnert-Kommando (BEK) mit verschiedenen Programmen in ganz Deutschland. Ihre Trilogie „Lethal Weather“ bezeichneten sie als „Weltrettungsprogramm“ und waren dem drohenden Klimakollaps und damit uns allen weit voraus. Nebenbei übernimmt Michael Ehnert auch immer wieder Rollen in verschiedenen Fernsehserien. Seit 2004 sorgt Don Michele, wie er sich in Anlehnung an seine Helden aus dem Film “Der Pate“ bisweilen nennt, solo für Furore.

In Deinem sehr erfolgreichen Programm „Mein Leben“ sehen wir auch Marlon Brando als Don Corleone im“Paten“ und Gary Cooper in High Noon, spielst Du da ironisch mit Helden?

Also zu meinem Programm muss ich sagen, dass es zu 100% autobiografisch ist. Alles, was ich da erzähle stimmt und ist so passiert und ich bin wahnsinnig beeindruckt von „Der Pate“, von diesem Film und eben auch von Marlon Brando als Schauspieler in der Pate. Und das sind tatsächlich Heldenfiguren aus meiner Kindheit und mit Sicherheit auch Leute, wie Stallone, der wird ja auch genannt in dem Stück, und Schwarzenegger. Für mich als Jugendlichen waren das Identifikationsfiguren, große starke Typen, die in brenzlige Situationen gehen und die Sache klären, zum Guten wenden, einfach gestrickte Helden, aber ich fand sie super.

Du warst mit Kristian Bader lange als „Bader-Ehnert-Kommando (BEK)“ unterwegs. Viele Leute assoziieren das spontan mit der „Baader-Meinhof-Bande“.

Das hat bei vielen Leuten genau das ausgelöst und darum geht es ja, dass die Leute hinhören und gucken: was ist denn das – Bader-Ehnert-Kommando ist einfach ein geiler Titel und wir heißen ja auch Bader und Ehnert.

Unterwegs kümmert sich Deine Managerin um ein vegetarisches Catering, wie sieht das zuhause aus? Deine Frau und Deine zwei Kinder leben ja auch vegetarisch. Kochst Du und kochst Du gerne?

Ich koche gerne, wir kochen hin und wieder zusammen, aber wir kochen auch einzeln und wechseln uns da ab (lacht).

Wieviel vegetarische Kochbücher stehen bei Euch im Küchenregal?

Keins. Es wird frei improvisiert.

Kauft ihr biologisch ein?

Ja, eigentlich schon, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Ich hab noch keinen guten Rotwein aus dem Bioladen entdeckt, also, wenn da irgendjemand einen Tipp hat, ich wäre sehr dankbar.

Was hat Dich zur vegetarischen Lebensweise gebracht?

Ich hab mich schon in sehr frühen Jahren mit dem Thema Tierversuche beschäftigt und das ist immer noch etwas, was mich bis heute erschüttert, diese Beiläufigkeit mit der Hunderttausende von Tieren für völlig abstruse Versuche benutzt werden.

Michael Ehnert: vegetarisch und ökologisch

Michael Ehnert: vegetarisch und ökologisch

Schon vor 18 Jahren, als Du angefangen hast mit Deinen ersten Auftritten, war der Klimawandel ein Thema für Dich. Genau genommen durchzieht alle Deine Programme eine gewisse Vorsehung, etwa 1990 in „Die Schneesucher“, von denen es ja heute viele gibt, aber wie hat es damals eigentlich angefangen?

Es war tatsächlich so, das wir 1990 angefangen haben, auf der Straße zu arbeiten, eben weil die Leute von der Umweltbehörde gesagt haben: hier interessiert sich niemand für unsere Broschüren, die wir verteilen. Deswegen brauchen wir zwei Straßenkünstler, die da draussen so richtig den Zampano machen, so dass die Leute stehen bleiben und neugierig gemacht werden. Und das haben wir übernommen. Angefangen haben wir mit Kurznummern und aus diesen Kurznummern wurde dann irgendwann unser erstes abendfüllendes Programm – „Die Schneesucher – Lethal Weather“.

Das ist interessant, wie ist es dann weitergegangen?

Wir haben ja auch z.B. Angela Merkel erfunden, das wissen ja nur die wenigsten, sie folgte damals Klaus Töpfer als Umweltministerin und wir mussten nun in unserem Programm „Lethal Weather“ auch dieser aktuellen Situation Rechnung tragen und diese Figur verändern und weil zu dem Zeitpunkt nun niemand wusste, wer Angela Merkel ist und wie die aussieht, war so eine wirkliche Persiflage von ihr gar nicht denkbar. Und dann haben wir eine völlig bescheuerte und blöde Figur erfunden, so blöd, wie wir die Merkel eben fanden, und die hat unheimlich für Furore gesorgt und dann musste sie im zweiten Teil auftauchen und im dritten Teil und dann in „Der Weihnachtshasser“, dem letzten Bader-Ehnert-Programm und sie wurde immer mehr geliebt und immer mehr tauchte sie in Fernsehaufzeichnungen auf und je bekannter diese Figur von mir wurde, desto bekannter wurde auch die wirkliche Merkel und ich glaube, ich habe ein bisschen damit zu tun, dass sie Bundeskanzlerin geworden ist. Was mir Leid tut, aber man muss den Tatsachen immer ins Auge sehen.

Michael Ehner ist auf der Bühne und im TV erfolgreich

Facettenreich und populär

Du arbeitest ja auch als Regisseur, z.B. für die Lach- und Schießgesellschaft und als Autor: Wieweit tauchen vegetarische und tierrechtliche Themen in Deinen Programmen auf?

Ich habe in dem Theaterstück „6.Tag 2.Versuch“ eine Geschichte über einen Humangenetiker erzählt, der so eine Mischung aus Mensch und Tier bastelt und anhand dessen kann man natürlich eine Menge zum Thema erzählen, das mache ich dann auch. Ich habe zum Beispiel auch ein Drehbuch geschrieben, das heißt „Schweinebullen“. Es geht da um zwei Polizisten aus dem Schanzenviertel in Hamburg, die ermitteln auch auf dem Schlachthof und es geht dabei auch um das Thema Fleisch, aber eben nur am Rande und du kriegst trotzdem sehr genau mit, wie gedankenlos da mit Tieren … umgegangen wird.

Wie offensiv gehst Du mit dem Thema allgemein um?

Ich glaube, man kann die Tatsachen sehr gut zeigen ohne den Leuten das Anklageplakat vor die Nase zu halten und ich finde, dass es sehr wichtig ist und dass man gut daran tut ein bisschen dezenter zu bleiben. Wenn Du jemandem sagst, dass er in seinem Leben etwas 80 Schweine, 30 Rinder und andere Tiere isst, dann hast du da eine ganze Herde, das ist ein greifbares Bild und das versteht jeder.

Du sagtest von Dir selber – wenn auch im Spaß, „Ein Vegetarier der Schreiben kann“, in wieweit taugen Vegetarier eigentlich zum Helden?

Dass muss man selber herausfinden, wie eine Heldentat aussieht und wann sie angebracht ist, jedenfalls ist das bei den allermeisten Menschen eben nicht die Situation, wo man irgendwelche Leute aus brennenden Häusern rettet oder so, sondern irgendwie im Alltag wo man in kleinen Situationen Versuchungen begegnet, denen man irgendwie heldenhaft begegnen muss und es ist oft eine klare Haltung zu bewahren gegenüber bestimmten Dingen, ja, diese klare Haltung, das ist es, was viel zählt.

Michael, herzlichen Dank für das Gespräch.

 

Informationen/Termine: www.michael-ehnert.com

 

 

©Guido Barth
Fotos: Michael Ehnert, www.michael-ehnert.com
Agentur Susanne Buhr

www.michael-ehnert.com

Auszeichnungen (Stand 2006):

2005  Deutscher Kabarettpreis für „Mein Leben“

2005  11. Prix Pantheon, Publikumspreis im Bonner Pantheon Theater

2002  Sprungbrett, Solo-Kabarettpreis für „Horst der Schlachter“

1997  Deutscher Kleinkunstpreis, Kabarettpreis fürs Bader-Ehnert-Kommando

1997  1. Magdeburger Kugelblitz, Kabarettpreis fürs Bader-Ehnert-Kommando

1995  1. Prix Pantheon, Jurypreis fürs Bader-Ehnert-Kommando

 

 

 

 


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