Mono&Nikitaman: „klar, bei „Dancehall“ geht es um Spass und Party“

Guido Barth trifft: Mono&Nikitaman (2012)

erfolgreiches Dancehall Duo

Mono&Nikitaman
                                        Fotocredit: © Core Sea

Mono&Nikitaman präsentieren im „Moa Fire“ Kochbuch von „DASANDWICHMAKER“ ein Rezept für „vegane Sommerrollen mit dreierlei Saußen“. Außerdem werden M&N in verschiedenen Quellen als vegetarisch bezeichnet. Das habe ich zum Anlass genommen und mich um ein Interview mit den beiden bemüht. Das hat zum Fährmanns Fest in Hannover geklappt. Hier sind Mono& Nikitaman als Headliner gebucht. Wir haben uns dann im Interview über die M&N Musik, die Band und deren Erfahrungen bei Aufnahmen in Jamaika unterhalten.

Das Interview beginnt spät, die Technik zur Aufnahme des Interviews wird von einer vollen, umgestossenen Bierflasche bedroht. Christian, der M&N Gitarist, ist weg: „sein Onkel wohnt nur 100 Meter von hier, da nutzt er Mal die Gelegenheit“, schmunzelt Nikitaman, den hier alle nur „Nik“ nennen. Ich nenne ihn ab jetzt auch so. Mono sitzt still daneben. Die anderen Bandmitglieder schwirren irgendwo auf dem Festival Gelände herum.

In der Zeit, in der ich auf meine Interview-Partner warten musste, konnte ich schon mit dem Tourmanager Nils plaudern. Der wirkte etwas angespannt, hatte aber Zeit, als er eine Zigarette rauchte. Er nahm dann noch ein zweite und so wurde es ein echter kleiner Plausch. Tourmanager besitzen für das Interview ganz nützliche Informationen. Er weiß ja über fast alles was die Tour betrifft Bescheid. Man muss ihn halt ein bisschen ausfragen, zu: Stimmungen, Änderungen, Hintergrundinformationen aller Art, ist die Tour ausverkauft, wie lief die Show gestern, Verspätungen, Gründe dafür. Der Grund heute: Die Mono&Nikitaman Crew saß lange im Auto und stand auf der Autobahn irgendwo zwischen Nürnberg und Hannover im Stau. Man erfährt dann auch – fast beiläufig, Sachen, wie zum Beispiel, dass für das anstehende Interview nur noch 20 Minuten bleiben, nicht mehr die vereinbarten 30.

M&N gilt als exzellenter „Dancehall“ Live-Act

Mono sitzt jetzt neben mir und lächelt mich an. „Hey, alles in Ordnung“! Ja, klar erwidere ich ihr.  „Nik“ überlegt auf meine Frage, wie oft sie schon in Hannover gespielt hätten und zählt auf: „drei oder vier Mal im UJZ Korn“. Das UJZ (Unabhängiges Jugend Zentrum) ist eine kleine revolutionäre Kulturzelle, die gerade ihren – man staune – 40 Geburtstag (2012) feiert und wo bevorzugt Punk gespielt wird. Es existiert dort auch an verschiedenen Wochentagen eine vegane Volxküche. „Auf unserer letzten Tour waren wir im Faust“. Im Faust ist Platz für gut 800 Gäste. Das heutige Fährmanns Fest ist da nochmal eine andere „Hausnummer“. Um es vorwegzunehmen. Das Konzert nach dem Interview war wirklich sensationell. Das Fährmanns Fest findet auf einer kleinen Halbinsel zwischen den Flussläufen von Ihme und Leine statt. Schaut man von der Bühne, kann man 8.000 Musikfans in hochsommerlicher Stimmung sehen. Die Sonne verabschiedet sich allmählich vom strahlend blauen Tageshimmel. Das Gelände ist proppevoll und die Stimmung am Anschlag. „M&N“ haben hier sicher viele neue Freunde gefunden und Hannover von seiner ungewöhnlich ausgelassenen Seite kennengelernt.

Toller Live act

Gemeinsam viel unterwegs
                                            Fotocredit: © Core Sea

Mono lacht, als ich sie auf Dancehall anspreche, „klar“, sagt sie, „bei ‚Dancehall‘ geht es um Spass und Party“ und genau darum ginge es ihnen, wenn sie auf der Bühne stünden, „aber wir vergessen dabei nicht die Inhalte“. „Doch zuallererst wollen wir mit unseren Fans eine tolle Party feiern.“ M&N sind erfolgreich, sie gelten als der beste deutsche Dancehall/Reggae Live-Act. Auf vielen Festivals ist das Duo als Headliner gebucht. Mono fühlt sich geschmeichelt, möchte das aber doch einschränken, „es stimmt, wir sind in diesem Jahr häufig als Headliner dabei, aber längst nicht überall“. Sie schaut rüber zu Nik und spricht dabei weiter: „es stimmt aber, dass es jedes Jahr zunimmt.“ M&N sind seit 2004 fest zusammen, zuerst noch regelmäßig mit Soundsystem, doch nun schon seit Jahren mit fester Band. „Wir genießen das total mit Band unterwegs zu sein, das ist viel geiler“, meint Mono. Von Anfang an wurde ihnen eine exzellente Live-Show nachgesagt und das ist immer noch so. Nach über 800 Gigs sind sie immer noch frisch und besser denn je. Nik betont, „wir lieben das, wir lieben unsere Fans, wir lieben die Musik, wir lieben alles, was wir machen“ – so wie er das sagt, klingt das kein Stück pathetisch. Was er genau damit meint, weiß man spätestens nach der Show.

Recorded in Kingston, Jamaica W.I. (West Indies)

Ihr letztes Studio-Album „Unter Freunden“ (2011) wurde zum Teil in Jamaikas Hauptstadt Kingston eingespielt. Dort haben sie mit Robert Livingston zusammengearbeitet. Livingston hat schon sehr erfolgreich „Shaggy“ produziert und sein „Big Yard Studio“ ist eine große Nummer in der Szene. Am Album war auch Stephen „Di Genius“ McGregor (Sohn von Reggaeberühmtheit Freddie McGregor) beteiligt. Nik sagt, dass die Musik in Jamaika ganz anders funktioniere, als man das von zu Hause kennen würde. Dancehall sei da, so unglaublich das klinge, schlicht Volksmusik und in jeder Woche würden in Kingston dutzende von neuen „Singles“ entstehen. „Wenn Du in die Berge fährst, selbst an wirklich abgelegene Orte, dröhnt auch dort diese Musik aus riesigen Basslautsprechern“. Die Texte seien hochaktuell und würden von den Schwierigkeiten handeln, mit denen sich die Menschen in Jamaika alltäglich und immer aufs Neue konfrontiert sehen würden. Nik nennt das die „Ghettothemen“ und genau das sind sie auch.

Mono&Nikitaman

Gemeinsam erfolgreich
                                              Fotocredit: © Core Sea

Wie wurden Mono&Nikitaman von den jamaikanischen Produzenten respektiert, frage ich und denke daran, dass Jamaika ja immerhin die Wiege von Reggae und Danchall ist und das neben der Musik auch die Kultur eine ganz andere ist, was ich vor langer Zeit bei einem mehrmonatigen Aufenthalt dort selbst erfahren konnte. Mono meint, „der Respekt sei groß, besonders weil wir für die „Jamaikaner“ als authentisch gelten, wir singen weder in Patois, dem kreolischen Dialekt, noch beschäftigen wir uns inhaltlich mit Themen aus Jamaika“. Jene Themen, so beschreibt sie das, hätten mit ihren Fans auch gar nichts zu tun habe. „Wir singen über Themen, die wir bei uns in Europa, in Deutschland und in Österreich finden.“ Nik fügt an, „es wäre doch albern über Ghettothemen zu singen, die es hier so gar nicht gibt.“ Mono meint, die Ghettos in Jamaika seien noch viel härter, als man das von Europa kenne. Das sei richtig gefährlich, gerade in Kingston und besonders „wenn man weiß ist“. „Außerdem wollen wir ja nichts kopieren, sondern unsere Musik entsteht eigenständig“ und sie fügt hinzu: „mit Freunden“

Live!

„Unsere Fans haben sehr lange auf ein Live-Album warten müssen“, meint Nik. Er hatte bereits 2008 in einem Interview ein solches Album in Aussicht gestellt – jedoch ohne ein festes Datum zu nennen. Jetzt im Herbst ist es endlich fertig. Mono und  Nik schauen sich an. Mono sagt, „wir waren uns irgendwann einfach einig, dass die Zeit jetzt nach vier Studio-Alben und hunderten Shows endlich reif und richtig ist“. Die Medien haben den Sommer über schon über das genaue Datum spekuliert. Letztlich hat sich der Termin aber noch ein paar Mal verschoben. Schließlich gab es auf der Webseite von „Mono&Nikitaman“ irgendwann schon einen Trailer mit Ausschnitten aus ihrem Wiener Konzert im Jahr 2011. Wann kommt das Album genau heraus, frage ich. Nik sagt spontan: „am 28.09.“, schaut dann aber zu Mono und sagt zweifelnd, „der Termin stand doch fest, oder?“. Schließlich können sie sich nicht ganz einig werden, wie fest dieses Datum tatsächlich steht. Dass es zum Ende des Sommers kommt, das stehe aber fest, versichert Mono. „Die Tour zum Album ist ja schon für Oktober und November komplett gebucht.“

©Guido Barth
Fotocredits: ©Core Sea

Mono&Nikitaman Website

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„Unter Freunden“
(2011)

 

 

 

 

 

Mono&Nikitaman
„Live“
(28.09.2012)


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