NABU: Biber profitiert von EU-Naturschutzrichtlinien

Bedeutender Naturschatz in Europa – „Fitness-Check“ darf nicht zum Naturschutz-Abbau führen

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Der Biber entwickelt sich dank Natura 2000-Gebieten prächtig.
                                                                        Foto: NABU/K. Karkow

Berlin/Jena – Die Naturschutzgesetzgebung der EU soll auf den Prüfstand. Bis Ende Juli haben alle Bürgerinnen und Bürger in den Mitgliedstaaten die Gelegenheit, sich zur Bedeutung und zu einer möglichen „Modernisierung“ der zwei wichtigsten EU-Gesetze für den Natur- und Artenschutz zu äußern: der Fauna-Flora-Habitat- (FFH-) und der Vogelschutzrichtlinie.

Mit der Aktion „Naturschätze retten“ stellt der NABU jede Woche unter www.NABU.de/naturschaetze ein Gebiet, eine Art oder einen Lebensraum vor, die vom Schutz der EU profitieren oder ohne diesen verloren gehen könnten.

Unter dem Schutz der EU konnte sich beispielsweise der Europäische Biber wieder ungestört in Thüringen ansiedeln. Langsam aber stetig breitet sich der scheue Nager an Saale, Werra und Unstrut, Ilm, Rodach und weiteren Gewässern in Thüringen aus. Er kommt zurück in seine alten Lebensräume, bevorzugt naturnahe Abschnitte an Gewässern und arrangiert sich auch mit der vom Menschen stark veränderten Kulturlandschaft. Seine Gestaltungskraft hat die Flussbereiche über Millionen Jahre hinweg geprägt. Durch seine fleißige Bautätigkeit schafft der Biber vielfältige Strukturen wie Kleingewässer, Totholz, Feuchtwiesen oder offene Bodenstellen am Ufer.

 Biber schafft auch Lebensräume für andere Tiere

„Mit seinen Aktivitäten schafft der Biber unter anderem auch Lebensräume für Libellen, Amphibien, Reptilien, Fische und Vögel“, erklärt Mike Jessat, Landesvorsitzender des NABU Thüringen. „Der Biber profitiert ganz klar von Natura 2000-Gebieten an Thüringens Flüssen. Werden die EU-Naturschutzrichtlinien einem ‚Fitness-Check‘ unterzogen und gelockert, könnte dies die ungestörte Ausbreitung des Bibers mit all seinen positiven Leistungen für die Biodiversität bedrohen.“

Ganz nebenbei trägt der Biber zur Renaturierung von Flüssen und zur Gewässerreinhaltung bei und unterstützt darüber hinaus den natürlichen Hochwasserschutz. Wo der Mensch also viel Geld und Energie für Maßnahmen ausgibt, hilft der Biber zum Nulltarif.

Den Regierungen und Wirtschaftslobbyisten nicht nachgeben

Mit Blick auf die EU-Bürgerbefragung zum „Fitness-Check“ möchte der NABU zahlreiche Menschen dazu bewegen, sich für starke Naturschutzgesetze in der Europäischen Union auszusprechen. Einige Regierungen und Wirtschaftslobbyisten verlangen bereits die Abschwächung der Fauna-Flora-Habitat- (FFH)- und Vogelschutzrichtlinie. Der Schutz von allein in Deutschland über 5.000 Natura 2000-Gebieten könnte damit geschwächt werden. Die Jagd auf Zugvögel und Wölfe, der Schutz von Fledermäusen, Bibern und Buchenwäldern stünde wieder zur Debatte.

Der NABU fordert nicht nur den Erhalt der EU-Vogelschutz- und FFH-Richtlinie, sondern auch eine konsequentere Durchsetzung und Finanzierung der geltenden Naturschutzstandards. „Wenn die EU-Kommission, das Europäische Parlament und die Mitgliedstaaten es ernst meinen mit dem Stopp des Artensterbens bis 2020, wozu sie sich verpflichtet haben, dann muss eine breit angelegte Naturschutzoffensive eingeleitet werden. Das bedeutet: mehr Geld und mehr Personal für die Naturschutzverwaltungen, aber auch klare Bestimmungen für Schutzgebiete sowie empfindliche Strafen für illegales Töten von Zugvögeln in der ganzen EU“, so NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

Der NABU stellt zwölf Wochen lang jede Woche eine geschützte oder gerettete Art, einen Lebensraum oder ein Natura 2000-Gebiet vor, die alle vom EU-Schutz abhängen. Dazu zählen der Wolf und der Biber, ebenso wie die Wacholderheiden auf der Schwäbischen Alb, das Große Torfmoor in Nordrhein-Westfalen, das Tegeler Fließtal der Hauptstadt Berlin, der Buchenwald Grumsin oder das Nationale Naturerbe „Weinberg Wetzlar“.


Mehr über den Biber in Thüringen:

https://thueringen.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/willkommen-biber/biber-aktuell/managment2013-2014.html

 

Quelle: NABU


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