Nicht die beste Lösung: Merz erhält Zulassung für tierleidfreien Botox-Test

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Es gibt erste positive Entwicklungen, doch immer noch sterben viele Tiere qualvoll bei unnützen Versuchen.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                     Fotocredit: © Fotosasch – Fotolia.com

Der deutsche Pharmahersteller Merz hat für Anfang Dezember die Zulassung für eine neue tierversuchsfreie Botox-Testmethode erhalten, die jährlich 35.000 Mäusen einen qualvollen Tod in Chargen- und Stabilitätsprüfungen ersparen kann. Der Bundesverband Menschen für Tierrechte begrüßt das neue Verfahren grundsätzlich. Um sicherzugehen, dass die grausamen Botox-Tests grundsätzlich beendet werden, ist es nach Ansicht des Tierrechtsverbands jedoch notwendig, dass schnellstens ein Allroundtest für alle Botulinumtoxin-Typen anerkannt wird.

Nach Informationen von Merz gilt die Zulassung für das neue In-vitro-Verfahren vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ab Anfang Dezember für alle EU-Staaten und die USA. Das neue Verfahren wird zukünftig die Zahl von etwa 35.000 Mäusen jährlich bei der Testung firmeneigener Botox-Produkte auf zunächst 10.400 reduzieren. Ab 2017 soll es die Anzahl der verwendeten Tiere auf 5.400 senken.

LD-50 Test immer noch verbreitet

„Wir begrüßen, dass Merz nun endlich einen tierversuchsfreien Botox-Test einsetzen wird. Bei aller Freude, darf jedoch nicht übersehen werden, dass das neue Verfahren nur für die Botox-Produkte der Firma Merz für das Botulinumneurotoxin Typ A eingesetzt werden kann. Andere Firmen testen weiter mit dem qualvollen LD50-Test*“, so Dr. Christiane Hohensee, Projektleiterin von „InVitro+Jobs“. Nach Angaben des Bundesverbandes Menschen für Tierrechte gibt es bereits einen Allroundtest für alle Botulinumtoxin-Typen. Das Problem ist jedoch, dass dafür zunächst eine kostenintensive Validierungsstudie durchgeführt werden muss. „Um sicherzugehen, dass die qualvollen Botox-Tests an Mäusen dauerhaft beendet werden, muss die Regierung oder ein Wissenschaftskonsortium die nötigen Gelder zur Verfügung stellen, damit das tierverbrauchsfreie Botulinum-Testverfahren von Professor Püschel schnellstens anerkannt wird. Am besten wäre es, ein spezielles Förderprogramm für Validierungsstudien einzurichten“, so Hohensee weiter.

Der Allroundtest für alle Botulinumtoxin-Typen, den das Forscherteam um den Potsdamer Professor Gerhard Püschel entwickelt hat, beruht nicht wie üblich auf einem immunologischen Verfahren, sondern auf einer genetisch veränderten Nervenzelllinie. Das Verfahren, für das das Team vor kurzem den Berliner Tierschutzforschungspreis erhielt, wäre für alle Entwickler frei zugänglich und nicht durch ein Patent geschützt.

* Beim LD50-Test wird das Nervengift den Mäusen in verschiedenen Verdünnungen in die Bauchhöhle gespritzt, um die Konzentration zu ermitteln, bei der die Hälfte der Tiere stirbt. Die Tiere leiden bis zu vier Tagen unter qualvollen Krämpfen und ersticken letztlich, da das Gift zu einer Atemlähmung führt. Der Bundesverband fordert seit Jahren die Abschaffung dieser qualvollen Tests.

Ausführliche Informationen, inklusive des Interviews mit Prof. Dr. Gerhard Püschel unter: www.invitrojobs.com

 

 

 

 

Quelle: Menschen für Tierrechte