„Nur weil Fleisch schmeckt, kann man doch nicht die Welt über die Klinge springen lassen“

 

Guido Barth trifft: Thomas D. (2009)

vegan ist angesagt

Thomas D.

Thomas D. ist mit den „Fantastischen Vier“ seit genau 20 Jahren überaus erfolgreich. Seit mehr als zehn Jahren ist er nebenbei auch solo unterwegs. Aktuell hat er mit „Kennzeichen D“ ein neues  Album eingespielt. Guido Barth hat Thomas D. auf seiner Tour als agilen Musiker und als herzlichen Menschen kennen gelernt – und ihn dabei als hochaktiven Twitterer erlebt.

 

Thomas D., Twittern und Tournee – gehört das zusammen?

Twittern, total bescheuert, dachte ich zu Anfang, aber dann fand ich das ganz lustig. Es gibt halt so Leute, die machen den ganzen Tag nichts anderes, als vorm Computer rumzuhängen. Tja, und die gucken sich dann alles an, was der „D“ so erlebt (lacht).

Und der erlebt viel?

Auf Tour erlebt der richtig viel, zu Hause mache ich das fast nie. Da passieren dann eher so private Sachen. Das macht keinen Sinn, irgendwie den ganzen Tag meine Kinder fotografieren und dann: Guck Kind und schon wieder: Kind schreit, Kind lacht, Kind hat Hunger, Papa auch.

Du präsentierst auf dieser Tour Dein neues Album „Kennzeichen D“. Die Kritiker sind voll des Lobs und der Titel ist ein Volltreffer: Bis vor sieben Jahren gab es die gleichnamige Polit-Sendung. Wie bist Du auf diese Namens-Anleihe gekommen?

Schon im Entstehungsprozess des Albums habe ich gedacht, der Titel muss was wirklich Umfassendes ausdrücken. Also habe ich mir überlegt, was so auf der Platte drauf ist und welches die Kennzeichen des „D“ sind: heiter bis bis wolkig, lustig bis ernst, von spaßig bis traurig oder auch Mal melancholisch; ist alles dabei. Und dann habe ich mich gefragt: Was hältst Du denn von „Kennzeichen D“? Die älteren kennen die Sendung sicher noch; auch das fand ich lustig. Mensch klasse, nehm ich, nächstes Thema (lacht). Ich hab dann doch noch zwei Leute gefragt und die fanden das super. Also, abgehakt.

Du lebst vegetarisch, sogar fast vegan.

Ja, aber ich hab immer ein bisschen Angst davor, als Gutmensch gesehen zu werden; du wirst halt schnell abgestempelt: Ey, das ist der Weltverbesserer. Es ist auch ganz gefährlich, dass man sich für was Besseres hält. Das kann leicht passieren, weil wir ja alle wissen, wie wichtig es ist vegan/vegetarisch zu leben. Wichtig für: die Tiere, das Klima, CO², die Ressourcen und deren gerechte Verteilung, die Regenwälder; der ganze Wahnsinn inklusive der Chemie in unseren Nahrungsmitteln und den Seuchen, die wir uns herangezüchtet haben. Und trotzdem heißt es nicht, das die Veganer und Vegetarier bessere Menschen sind. Totaler Schwachsinn. Viele Leute machen dann auch zu und das sind gerade die, die ich erreichen möchte, nicht die, die schon euer Magazin lesen oder die, die schon die Sachen von Avenging Animals tragen. Die anderen, die will ich erreichen, da müssen wir hin.

vegan art clothing

Thomas D. in einem T-Shirt von Avenging Animals

Apropo Avenging Animals, deren neue Modekollektion „ICH BIN DA – THE VIP COLLECTION inspired by THOMAS D“, die ist auf Dich persönlich zugeschnitten. Wie ist die Kooperation entstanden?

Die Leute von Avenging Animals sind auf mich zugekommen und haben ihre Sachen vorgestellt. Ich fand das gleich klasse, dennoch fehlte mir da eine Komponente. Das Ganze war für meinen Geschmack noch zu stark in Richtung „dark warrior“. Mir fehlte schlicht die weiße Gegenseite, der „Kennzeichen D Trip“, sozusagen: alles positiv. Der Tierrechtskünstler Roland Straller hat daraufhin wirklich wunderbare Entwürfe produziert. Jetzt passt es.

Der Künstler und Mensch Thomas D. kommt immer sehr persönlich rüber. Sicher mit ein Grund, dass er so populär ist. Popularität bedeutet auch Verantwortung, Du engagierst Dich ziemlich viel sozial.

Ja. Ich habe es da ja recht einfach, ich setze meinen Namen da irgendwo ein und leite das Scheinwerferlicht ein bisschen um und hoffe, dass ich viele Menschen erreiche: Sei es, dass ich mich öffentlich, gerade auch jenseits der Musik, mit bestimmten Themen auseinander setze, sei es, dass ich „Avenging Animals“ unterstütze, oder „Roter Lotus“ (Krankenhausbau in Indien). Dennoch finde ich, ist es eine persönliche Entscheidung, etwas zu tun oder etwas nicht zu tun. Und in diesem Fall ist es eine ganz wichtige Entscheidung etwas nicht zu tun, nämlich kein Fleisch mehr zu essen; damit habe ich eigentlich meinen Beitrag geleistet. Bei mir war es eine freie Entscheidung und ich habe mir gesagt, ne, lass mal. Eigentlich eine einfache Entscheidung.

Wie handhabst Du das Catering?

Wenn ich mit meiner „solo“ Band unterwegs bin, ist das komplette Catering vegetarisch. Das ist ganz klar. Ehrlich gesagt, die Musiker und die Crew, die sind sowieso alle Vegetarier. Kann schon sein, dass da einer oder auch Mal zwei, heimlich irgendwo eine Salami essen; aber es gibt da eigentlich keine Probleme. Ein bisschen schade finde ich es, dass ich bei Fanta Vier auch nach 20 Jahren noch der Einzige bin, der kein Fleisch ist. Allerdings, wenn wir auf Kreativ-Urlaub gehen, dass heißt, dass wir uns dann alle irgendwo treffen und an einem gemeinsamen Projekt arbeiten, dann kochen wir auch immer zusammen: vegetarisch. Nach so einer Woche sagen die Jungs selber, wie gut ihnen das tut.

the vegan four

Foto zum Interview: Tobias Graf (Avenging Animals Brand), Thomas D., Guido Barth, Roland Straller (Tierrechtsartist, Avenging Animals Design)

Du sprichst viele Themen in Deinen Texten an. Du bist für viele Menschen Vorbild, was aber trotzdem nicht heißt, dass jeder Deiner Fans vegetarisch lebt, obwohl z.B. in Deinem Lied, „Deshalb bin ich da“, wirklich eine Menge Gründe dafür sprechen. Stört Dich das?

Generell, na ja, irgendwie macht mir das schon was aus, es tut mir halt Leid für die Tiere.
Aber im einzelnen Fall musst du jeden Menschen sein lassen, wie er ist. Ein türkischer Freund von mir aus Berlin hat das Mal so ausgedrückt: Die anderen manipulieren, wir inspirieren. Ich finde, dass ist eine tolle Position für einen Künstler.

Warum halten die Leute gerade Dich für so unglaublich glaubwürdig?

Für den Sprecher für Gott und die Welt (lacht)!? Das kann ich nur vermuten: Ich verstelle mich halt nicht und ich bin der Typ, der so denkt, wie sie. Das merken die Leute, natürlich ist Musik auch ein sehr guter Träger von Gedanken und Emotionen, das berührt nochmal ganz anders als das gesprochene Wort.

vegan power on stage

Thomas D. ist bestens in Form.

„Die Fantastischen Vier“, waren die Pioniere des Rap in Deutschland. Warum hat das gerade bei euch funktioniert?

Früher war das echt: dehatatada, dehatatada, das hat voll gereicht und ich glaube, wir hatten es einfach genug, einfach für uns und einfach für die Hörgewohnheiten in Deutschland. Dennoch waren wir innovativ genug, um die Rolle der Pioniere und mittlerweile der Godfather’s of HipHop (lacht herzlich) oder zumindest Großväter des HipHop einzunehmen.

Thomas, vielen Dank für das Gespräch.

Danke gleichfalls.

 

©Guido Barth
Fotos: Roland Straller

 

AVENGING ANIMALS – THE VEGAN BRAND MARK
Thomas D und Avening Animals:

„ICH BIN DA – THE VIP COLLECTION inspired by THOMAS D

Avenging Animals feiert in diesem Jahr den 3. Geburtstag (2009 Anm. d.R.). Über den Online-Shop werden derzeit aus zwei Kollektionen künstlerisch gestaltete Shirts, Jacken, Hosen und mehr angeboten.
Tobias Graf, Geschäftsführer von Avenging Animals (AA): „Wer so etwas anfängt, der muss absolut davon überzeugt sein. Das ist bei mir der Fall.“ Gleiches gilt auch für den Tierrechtskünstler und Avenging Animals Designer Roland Straller, der für das komplette Artwork verantwortlich zeichnet. „Das die Zusammenarbeit mit Thomas D geklappt hat, ist für mich die Erfüllung eines Traumes.“

www.avenging-animals.com


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