vegetarisch: “…ohne Probleme ein paar Leben mehr retten” (aus dem Lied: „Der Beste Tag meines Lebens“, von Kool Savas)

 

Kool Savas, vegetarisch seit vielen Jahren

Pause vom Video-Dreh. Savas zusammen mit Guido Barth

Langzeit-Vegetarier Kool Savas gilt als der deutsche “King of Rap” und ist seit über zehn Jahren erfolgreich. Gerade ist sein neues Album, John Bello Story Vol. 2, erschienen.

Unterstützt wird “Savas”, wie ihn Freunde nennen, neben vielen großen Namen auch wieder von Melbeatz, der “Queen of Beats”, Deutschlands erfolgreichster HipHop Produzentin – und Vegetarierin – mit exzellenten Kontakten bis nach Amerika. Trotzdem wird es im Januar eine einmonatige Abschiedstour geben. In einem Gespräch mit Guido Barth beim Videodreh zum “Krone” Song vom neuen Album erklärt der Musiker: warum. Vor allem aber erzählt Kool Savas auch ein bisschen von seinen Erfahrungen als Vegetarier.

Wie ging es bei Dir mit dem Vegetarischen los?

Das war, als ich auf das Gymnasium gekommen bin. Bis dahin hatte ich damit überhaupt nichts am Hut. Aber die Leute auf dem Gymnasium hat das interessiert. Ich hatte dann da eine Freundin, die lebte vegetarisch – da bin ich einfach “mitgeschwommen”. Erst so nach einem halben Jahr habe ich angefangen und für mich selbst nachgedacht. Was so passiert fand und finde ich völlig asozial den Tieren gegenüber.

Du bist nun seit 15 Jahren Vegetarier und engagierst Dich. In dem Song “Der beste Tag meines Lebens” gibt es eine Zeile, in der heißt es: Du könntest ohne Probleme aufhören Tiere zu essen und somit ohne Probleme ein paar Leben mehr retten. Glaubst Du, Deine Fans nehmen das bewußt auf und an?

Kann sein, jedenfalls werden es immer mehr, die sich mit Vegetarismus und allem drum herum beschäftigen und sei es nur wegen der Gesundheit. Ich habe eine Freundin, die ist im Catering und die sagte mir, vor ein paar Jahren habe es Mal eine vegane Hochzeit im Jahr gegeben, nun sind es 20. Es kommen aber auch immer mehr Leute dahinter, dass es nicht fair ist, wie wir mit Tieren umgehen.

Türkisch – Englisch – Deutsch – vegetarisch

Kool Savas vor Aufnahme Kulisse

Video-Kulisse – kein politisches Statement

Deine Karriere hat mit englischsprachigen Texten begonnen, der Erfolg stellte sich aber erst mit deutschen Texten ein, grenzt das deine Hörerschaft nicht sehr ein?

Na ja, irgendwie schon. Für mich gibt es den deutschsprachigen Raum.

Wirst Du nochmal wieder in Englisch singen?

Bestimmt nicht, niemals.

Und Türkisch?

Ne, ich kann ja Englisch besser als Türkisch.

“Der Industrie geht es …”

Kool Savas, der Rap King

Savas als Schlossherr, so will es das Drehbuch.

Gerade ist Dein neues Album John Bello Story Vol. 2 erschienen und das letzte Jahr war sehr erfolgreich, warum machst Du Dein Label (Optikrecords) trotzdem dicht?

Man muss da ganz realistisch sein. Der Industrie geht es beschissen und die CD-Verkäufe werden immer weniger. So ein Label braucht ja auch ein Büro und hat Festangestellte. Das kostet alles Geld.

Wieviel Alben verkauft ihr denn so?

Von unseren Nachwuchskünstlern sind das vielleicht 1000 Stück oder 2000 Stück.

Und Du selbst?

2005 habe ich knapp 100.000 Stück von meinem Album verkauft. Jetzt sind das noch 25.000. Pro Jahr sinkt der Absatz um ca. 25%. Downloaden ist Standard geworden.

50.000 klingt doch ganz ordentlich. Kann man davon nicht leben?

Kaum.

Wirst Du solo, ohne Optik-Army*, weitermachen?
(*Ercandize, Amar, Caput, Melbeatz, Moe Mitschell, Sinan und DJ Nicon)

Klar, da wird noch einiges kommen.

Die Geschichte vom Blumentopf

Luxus gefällt dem Rapper wohl - so ist die Annahme, auch außerhalb des Drehbuchs.

Luxus gefällt dem Porsche fahrenden Rapper wohl.

Warum muss die Sprache im Rap so direkt, derb, ja sogar obzön und gewalttätig sein?
Sprache ist ja auch immer ein Ausdruck wie man sich fühlt und in Deutschland fühlen sich die Kids halt oft beschissen, was an den äußeren Umständen liegt.
Jeder hat doch irgendwie Zukunftsangst und besonders betroffen sind nun Mal junge Menschen. Da ist die Sprache dann auch immer Ventil. Gangster Rap bewirkt da natürlich mehr, als etwas vom Blumentopf.

Ist das auch der Grund, warum das Dissen, also die verbalen Angriffe auf andere Rapper, so populär ist?

Ja, Rap ist “ultracompetitive”, also voll auf Kunkurrenz ausgelegt. Wenn da andere Künstler oder man selber attackiert wird, muss man das rein sportlich sehen. Das wissen eigentlich alle, die sich auskennen.

“Nudeln müssen nicht drei Euro kosten”

Du lebst schon lange vegetarisch, aber nicht vegan?

Nein.

Warum nicht?

Ehrlich?

Ja, natürlich.

Aus Bequemlichkeit. Wenn ich einen Privatkoch hätte, der im Bioladen einkaufen würde – was ja nicht ganz billig ist – und den ganzen Tag für mich kochen würde, dann wäre ich sicher vegan. So ist das. Und was den Bioladen angeht: Ich finde Nudeln müssen nicht drei Euro kosten.

Wird es Mal ein Album zu tierrechtlichen Themen geben?

Keine Ahnung, kann schon sein.

Savas, herzlichen Dank für das Gespräch.

 

©Guido Barth
Fotocredit: alle Fotos Archiv Guido Barth


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