Jens Friebe: „Ich bin ein Pop-Musiker, kein Popstar.“

Guido Barth spricht mit: Jens Friebe (Archiv, 2006) (Foto aktueller)

Jens Friebe: vegetarisch und geliebt

Jens Friebe
                                            Foto: ©Oliver Schultz-Berndt

Jens Friebe ist einer der erfolgreichsten deutschen Sänger. Er lebt vegetarisch und sieht dabei verdammt gut aus. Wenn man ihn, bei aller Liebe, nach Kritik an seinen Mitmenschen fragt, sagt er: „Am meisten stört mich, dass die Menschen heute so oberflächlich geworden sind und ich wünsche mir, dass sich alle mehr für ‚ihre‘ Umwelt engagieren – nicht immer nur reden.“

„Theke mit den Toten“, so heißt ein Lied auf „In Hypnose“, einer deiner vielen erfolgreichen CDs. In dem Stück geht es direkt um den Fleischverzehrs, was möchtest du mit dem Lied erreichen?

Ich möchte, dass die Menschen endlich mal darüber nachdenken, was sie tun. Niemand braucht wirklich Fleisch zu essen, das ist zumindest heutzutage überhaupt nicht nötig. Dazu kommt der barbarische Umgang mit den Tieren, das ist schrecklich. Das Lied soll anregen, die Menschen sollen sich Gedanken machen und handeln.

Hast du mit dem Label oder anderen Verantwortlichen Probleme bekommen, als du das Lied „Theke mit den Toten“ für deine CD vorgestellt hast?

Das hab ich ja gedacht, aber da war eigentlich gar kein Widerstand. Ich weiß auch nicht warum. Mittlerweile gewöhnen sich die Fleischesser auch daran, dass es immer mehr vegetarisch lebende Menschen gibt, vielleicht hat es daran gelegen. Auf meiner ersten CD, „Vorher Nachher Bilder“ (2004), ist ein Lied über das schlechte deutsche Kino. Da hat es viel mehr Probleme gegeben. Von wegen Fassbinder und so. Aber das war in den Siebzigern und ich singe vom deutschen Kino von heute. Und das finde ich schlecht.

Du selbst hast aber auch nicht immer vegetarisch gelebt?

Nein.

Wie lange ernährst du dich schon so?

Ich war mit 16 vegetarisch, das war damals sehr von der Antifa-Bewegung motiviert und lief ein paar Jahre; dann hab ich doch wieder Fleisch gegessen. Während meines Zivildienstes gab es in der Kantine immer nur matschige Karotten, da hab ich irgendwann nicht mehr standgehalten. Jetzt lebe ich wieder seit dreizehn Jahren vegetarisch.

Unterstützt du Tierrechtorganisationen?

Nein, da bin ich gar nicht aktiv.

Kaufst du deine Lebensmittel im Bioladen?

Ja, klar, auch wenn ich bei vielen Sachen nicht so auf meine Gesundheit achte, ist es mir schon sehr wichtig, woher die Lebensmittel kommen. Das ist ja auch wieder eine politische Angelegenheit.

Du hast schon als Kind mit der Musik angefangen. Du wusstest auch schon früh, dass du ein Popstar werden wolltest. Jetzt bist du einer, was hat sich seither in deinem Leben geändert?

Ich bin ein Pop-Musiker, kein Popstar. Popstar, das ist noch etwas anderes. Die CDs verkaufen sich sehr gut, aber bis zum Popstar ist der Weg noch weiter. Es ist aber alles ganz angenehm so, auch wenn es viel Arbeit macht. Ich bin alleine auf dem CD Cover und stehe auch auf der Bühne im Vordergrund. Manche sagen auch schon, ich sei ein Liedermacher, aber ich bin ja mit einer Band unterwegs und die Musiker muss ich natürlich alle bezahlen. Das ist manchmal alles nicht ganz einfach. Also, ich bin ein Pop-Musiker.

Jens, herzlichen Dank für das Gespräch.

 

©Guido Barth
Foto: ©Oliver Schultz-Berndt

Aktuelles Album (Stand 2013):

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Abändern

Oktober 2010
Zick Zack / Indigo


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