RADIO HAVANNA – auf Tour mit ihrem neuem Album: „Unsere Stadt brennt“

Go vegan!

Radio Havanna: Fichte, Arni, Olli, Anfy.                                                                                                                                    Fotocredit: (c) Viktor Schanz

RADIO HAVANNA gibt es seit 2002 und zählt heute zu den bekanntesten deutschen Punkbands. Nach dem erfolgreichen Album „Alerta“ im Jahr 2012 ist nun „Unsere Stadt brennt“ veröffentlicht worden. Es ist bereits das fünfte Album der Band. Die aktuelle Tour führte die vier Jungs jetzt auch nach Hannover. 

Arni lebt vegan. Er ist Gitarrist und Backing Vocal von Radio Havanna. Mit ihm konnte ich mich am Nachmittag kurz unterhalten. Wir haben uns im Plattenladen „25 music“ getroffen. Dort war ein nachmittags „Shop-Gig“ geplant. Die Zeit war knapp. Während die anderen Bandmitglieder das Set vorbereiteten, haben wir ganz kurz über vegan gesprochen und ein bisschen über das neue Album, „Unsere Stadt brennt“, geplaudert.

In den Medien taucht zum Album die Frage auf: Wieviel Pop darf Punk? Antworten darauf werden wohl unter den Fans heftig diskutiert werden. Die Band hat sich musikalisch weiterentwickelt. Dazu haben die Produzenten Andi Jung (Beatsteaks, Bela B., Seeed) und Archi Alert (Terrorgruppe, K.I.Z.) ihre Spuren hinterlassen. Was bisher gut war ist besser geworden und was weniger gut war auch. Und ja, es ist immer noch Punk. Und ja, es ist partytauglich. Und ja, es ist politisch.

Das Album dürfte auch das bisher am besten verkaufte von Radio Havanna werden. Der gute Karten-Vorverkauf zur aktuellen „Unsere Stadt brennt“ Tour ist ein Indiz. „Wir sind da ziemlich zufrieden“.

Veganes Catering

Vegan auf Tour ist manchmal schwierig“ seufzt Arni. „Auf unserem Tourrider steht zwar, dass die ganze Band vegan essen möchte. Das klappt aber nicht immer“. Gerade bei kleineren Locations komme es schon noch vor, dass das nicht so 100%ig ist. Vegetarisch sei es dann zwar, aber eben nicht vegan, fügt Arni an. Neben ihm lebten der Drummer Anfy vegetarisch, der Sänger Fichte und Olli der Bassist können sich auf Tour gut mit der pflanzlichen Ernährung arrangieren. 

Go vegan!

Arni: „Schließlich weiß heute jeder, wie es in der Massen-Tierhaltung zugeht“.                                                                                                                                                                                                                                  Fotocredit: (c) Viktor Schanz

Absage an größeres Label

Arni meint, sie hätten für „Unsere Stadt brennt“ sehr viel Zeit im Probenraum und im Studio verbracht. „Wir haben auch die ganze Produktion hindurch sehr konzentriert gearbeitet“. Es ist nun tatsächlich so, dass für viele Geschmäcker etwas dabei ist – böse Zungen würden wohl sagen, man habe halt viele bedienen wollen. Ein solcher Eindruck drängt sich aber keineswegs auf. Arni erzählte mir dazu von einem Angebot eines größeren Labels, das sie abgelehnt hätten. Warum? frage ich. „Die sagen, diesen und jenen Titel müsstet ihr noch Mal ein bisschen anders einspielen. Und und und. Das wollten wir aber nicht“. Das neue Album ist nun beim Münsteraner Label „Uncle M“ erschienen. Dort fühle sich die Band ausgezeichnet aufgehoben, sagt Arni und fährt fort, alles laufe super-professionell und entsprechend entspannt ab. „Die Leute sind unglaublich gut und genauso nett“.

Themen

Zu kurz kommt niemand: auch nicht die härtere Punkfraktion. Die wird sich besonders über den Song „Kaputt“ freuen. Dazu gibt es auch ein knackiges Video. Es gibt aber in der Tat auch Stücke, die auf vielen Radiosendern spielbar wären. Etwa der Titelsong „Unsere Stadt brennt“, eine Mischung aus Punk und gedubbten Reggae. Sonst ist alles dabei: musikalisch von „Pop-Punk“ bis zu rohem Punk. Inhaltlich – und das gefällt mir sehr gut, werden abrissartig aktuelle sozio-kulturellen Krisenthemen abgearbeitet: Flüchtlinge im Mittelmeer in „Geisterschiff“, die Welt, die noch „kaputter ist, als ich mich nach durchsoffener Nacht fühle“ in „Kaputt“, die Konventionen (Barrieren) im Denken in „Raketen“, Rassismus in „Ungleich“, die schwierige Suche nach dem individuellen Lebensideal in „Phantom“, verlassene Kleinstädte, wie z.B. auch Suhl, die urprüngliche Heimatstadt der Band, in dem Stück „Geisterstädte“. 

Fans wissen das natürlich, der Bandname „Radio Havanna“ hat erstmal nichts mit Radio zu tun, sondern ist schlicht dem gleichnamigen Lied der Punkveteranen-Band „Rancid“ entlehnt.

Vegan in der Musik

Warum wird ein Thema wie „vegan leben“ so wenig in der Musik thematisiert, frage ich. Schließlich geht es dabei um: Tierschutz, Ethik, Umwelt- und Naturschutz, Gerechtigkeit, Kampf gegen Hunger und Gesundheit. Arni hat keine Zeit mehr, sich dazu eine gute Antwort zu überlegen. Um 16 Uhr beginnt die kleine Show. Bis dahin sind es noch fünf Minuten. Er muss vorher noch seine Gitarre stimmen. Er sagt aber, für Radio Havanna könne er sich das im Moment nicht vorstellen. Schließlich würden nicht alle Bandmitglieder konsequent vegan leben. „ Da wären wir nicht glaubwürdig“.

Play it Loud!

„Sind wir überhaupt Musiker“? Beim akustischen nachmittags Gig kokettierten die Musiker mit ihren musikalischen Künsten. Akustisch ist allerdings für Punk auch bestenfalls suboptimal. Niemand macht einen Hehl daraus. Dennoch, die Aktion und die Musiker selbst kommen locker und sympathisch rüber.

Go vegan!

Radio Havanna im „Mephisto“ in Hannover.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    Fotocredit: (c) v-p

Am Abend geht es dann richtig rund: satter, perfekter Sound. Ausgelassene Stimmung. Die Supportband „Max Mofa Gang“ hatte den Saal („Mephisto“) bestens auf Betriebstemperatur gebracht und Radio Havanna konnten gleich richtig in die Saiten hauen und den Gästen ordentlich was auf die Ohren geben. Die Musiker sind sicht- und hörbar in ihrem Element. It´s party. Die neuen Stücke kamen gut an. Das Stagediven startete später zu älteren und härteren Stücken vom vorigen Album „Alerta“. It’s Punk, play it loud!

Radio Havanna war bereits Support von u.a.: Good Charlotte, Anti-Flag, Lagwagon, No Use For A Name, Die Toten Hosen.

Soziales Engagement u.a.: Pro-Asyl, Oxfam, Viva con Agua, Kein Bock auf Nazis

 

Webseite: Radio Havanna

Tolle Fotos von „Radio Havanna“ gibt es auch auf dem Blog des Fotografen Viktor Schanz.

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„Unsere Stadt brennt“

Label: Uncle M

 

 

 

 

 

 

20.11. Braunschweig, B58
21.11. Bochum, Bahnhof Langendreer
22.11. Köln, Sonic Ballroom
24.11. Trier, Lucky Luke
25.11. Weinheim, Cafe Central
26.11. Dresden, Groove Station
27.11. Stuttgart, Zwölfzehn
28.11. Antholz-Mittertal, Antholz Festival
10.12. Wien, Arena
11.12. Bayreuth, Glashaus
25.12. Erfurt, Engelsburg


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