Rechtswidrige Qualzucht bei „Haustieren“: PETA zeigt exemplarisch 22 deutsche Züchter an und fordert konsequenten Vollzug des Tierschutzgesetzes

 

Heimtierschutzgesetz soll rechtliche Vorgaben konkretisieren

Be vegan!

Die Tierrechtsorganisation PETA Deutschland geht rechtlich gegen tierquälerische Qualzuchten vor.                                                                                                                                                                                                                                                                          Logo: (c) PETA

Stuttgart – Sie röcheln, die Augen tränen und ihre Gelenke sind geschädigt: Sogenannte Qualzuchten leiden ihr ganzes Leben lang. Zu ihnen zählen keineswegs nur „Extrembeispiele“ wie Nacktkatzen oder schuppenlose Reptilien. Auch die Beschwerden von „Modehaustieren“ wie Mops, Dackel oder Angorakaninchen sind alles andere als harmlos. 

Laut § 11b des deutschen Tierschutzgesetzes ist es zwar eindeutig verboten, Tieren Merkmale anzuzüchten, unter denen sie leiden; jedoch setzen die zuständigen Behörden diese rechtlichen Vorgaben in der Regel nicht um und gehen nicht gegen die Züchter vor.

Heimtierschutzgesetz gefordert

Um auf dieses massive Vollzugsdefizit aufmerksam zu machen, hat PETA nun exemplarisch 22 deutsche Züchter diverser „Rassen“, die besonders unter ihrer „Defektzucht“ leiden, stellvertretend für die gesamte Heimtierzuchtbranche wegen des Verdachts auf Tierquälerei angezeigt. Die Tierrechtsorganisation fordert außerdem die Einführung eines Heimtierschutzgesetzes, das unter anderem rechtsverbindlich und klar ausformuliert, welche „Rassen“ als Qualzuchten gelten – aktuell gibt es keinen Katalog, der dies konkret erfasst.

Lebenslange Beschwerden

„Es ist leider in Mode gekommen, fühlende Lebewesen zu züchten, die ihr Leben lang unter Krankheiten und schweren Beeinträchtigungen leiden – lediglich, um zweifelhafte Schönheitsideale zu erfüllen“, so Dörte Röhl, Tierärztin und Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei PETA. „Einige dieser Tiere sind nur nach einer erfolgreichen Operation überhaupt lebensfähig. Unzählige sterben aufgrund ihrer Beschwerden früh. Das geltende Recht muss endlich durchgesetzt werden: Qualzuchten sind verboten und Züchter, die sich darüber hinwegsetzen, müssen bestraft werden.“

Nach § 11b des deutschen Tierschutzgesetzes sind Zuchten verboten, wenn den Tieren dadurch erblich bedingt Körperteile oder Organe fehlen, untauglich oder umgestaltet sind und hierdurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten. Was dies ganz konkret bedeutet, ist nirgendwo festgehalten. Es gibt zwar ein Qualzuchtgutachten des damaligen Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten aus dem Jahre 1999, doch dieses ist veraltet, lückenhaft und nicht rechtsverbindlich. Ein Heimtierschutzgesetz könnte diese Lücke schließen.

Schwerwiegende Deformationen

Sogenannte Qualzuchten werden wie Ware produziert und gewinnbringend über Onlineportale, Zeitungsannoncen, auf Tiermärkten oder vom „Züchter des Vertrauens“ verkauft. Die Liste der gesundheitlichen Probleme ist lang. So führt zum Beispiel der verkürzte Gesichtsschädel bei Möpsen sowie Französischen und Englischen Bulldoggen zu ständiger Atemnot. Bei Hitze oder starker Aufregung kann diese sich so weit steigern, dass tierärztliche Hilfe nötig ist und sogar Lebensgefahr besteht. Dem Deutschen Schäferhund wurden ein derart stark abfallender Rücken und deformierte Hinterbeine angezüchtet, dass einige Tiere kaum laufen können und permanent unter starken Schmerzen leiden.

Beim Dackel treten durch seinen besonders langen Rücken häufig Bandscheibenvorfälle auf, die auch als „Dackellähme“ bezeichnet werden und sehr schmerzhaft sind. In schwerwiegenden Fällen können die Tiere keinen Kot oder Harn absetzen. Sogenannte Nacktkatzen müssen aufgrund ihres fehlenden Fells permanent Wärme produzieren. Da sie keine Tasthaare haben, bereiten ihnen die Kommunikation mit anderen Tieren und die Orientierung im Dunkeln große Schwierigkeiten. Perserkatzen leiden oft an Nierenerkrankungen und aufgrund ihres zu kurzen Gesichtsschädels unter Atemnot, Augenausfluss und Bindehautentzündungen.

Bei Angorakaninchen besteht durch das überlange Fell ständig das Risiko eines Hitzestaus; zudem leiden die Tiere häufig unter Augenreizungen und im Sommer unter Fliegenmadenbefall. Widderkaninchen haben derart lange Ohren, dass sie häufig darauf treten und sich selbst oder ihre Artgenossen verletzen. Sie haben ein eingeschränktes Blickfeld und können nur schwer kommunizieren, da die Ohren nahezu unbeweglich sind.

 

 

 

 

 

Quelle: PETA

 

 


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