Rise Against: „Wir sind eine sehr gutaussehende Band“

 

Guido Barth trifft: „Rise Against“

vegetarian band

Rise Against                               Bild: (c) Universal Music

Rise Against, das sind vier junge Musiker aus Chicago. Sie haben sich seit ihrer Gründung 1999 für Tierschutz, Tier- und Menschenrechte engagiert. Rise Against, mit dem äußerst charismatischen Sänger Tim McIlrath, spielt Punkrock und tourt damit seit Jahren erfolgreich um die Welt.

Sie ist die wohl bekannteste Punkrock Band überhaupt. Selbst die ehrwürdige New York Times rezensiert die Rise Against Alben. Nach dem fantastischen sechsten Album „Endgame“ haben die Jungs mit „Satellite“ eine EP nachgelegt. Alle Mitglieder der Band leben schon sehr lange vegetarisch und sehen gar nicht aus wie Punkrocker.

Rise Against haben etwas zu sagen. Schon immer. Seit ihrer Gründung vor mehr als zehn Jahren tun sie das auch und halten nicht mit ihrer politischen Meinung zurück. Ganz im Gegenteil, sie haben ihre ständig wachsende Popularität genutzt, um ihre Ansichten mitzuteilen. „Du erreichst als erfolgreiche Band unglaublich viele Menschen“, sagte kürzlich der „Kopf“ der Band, Tim McIlrath, in den Medien. Rise Against kommen aus der wichtigen Musikmetropole Chicago und die Band ist längst kein Geheimtip mehr, sondern weltweit eine der angesagtesten Punk Bands überhaupt.

Sie kommen alle vier

Ich sitze in Berlin in der Columbiahalle in einem fensterlosen aber sonst ganz schmucken Raum im Backstagebereich und warte gespannt, wer von der Band denn nun zum vereinbarten Interview kommen wird, Hatte mir doch die Managerin vom Major-Label Universal zur Begrüßung gleich zu verstehen gegeben, dass das verabredete Interview wohl leider nicht mit dem brillanten Kopf und Sänger der Band, Tim McIlrath, stattfinden würde.

Wir, die Managerin und ich, sitzen alleine – irgendwo hinter der Bühne, in diesem fensterlosen Raum. Im Hintergrund hören wir noch die abgehackten Fetzen vom Soundcheck. Um es vorwegzunehmen, die Managerin blieb bis zum Schluss des Interviews und war wohl neugierig, was der Mann gerade auch zu den Themen „vegetarisch/vegan“ für Fragen stellen würde, denn darum sollte es ja auch gehen. Auf der Bühne war es inzwischen ruhig geworden und ein paar Minuten später betraten fünf Männer den Raum. – vorneweg der Tourmanager, gefolgt von ALLEN vier Musikern von Rise Against, die er mir einzeln namentlich vorstellte, während mir jeder von ihnen die Hand schüttelte und mich sehr freundlich begrüßte. Feine Sache, dachte ich. Die Managerin war sprachlos, ich eigentlich auch, aber berufsbedingt … . Eine professionelle Atmosphäre ist das A und O. Es geht, bei allem Spaß, auch immer um viel Geld (siehe wichtige Managerin). Tim, Joe, Zach und Brandon boten mir einen Platz in ihrer Mitte an und wir setzten uns um den Tisch mit dem Mikrofon und den Mineralwasserflaschen. Die Zeit ist, wie immer, knapp. Die Show beginnt in einer guten Stunde. Also, Mal sehen, was geht. Meine erste Frage, für mich ganz klar: Warum nun gleich alle vier? Worauf ich, wie aus einem Mund zu hören bekomme: „Hey, wir finden das so klasse, was ihr für Arbeit macht, da haben wir uns spontan entschlossen und sind alle zu dem Interview mit dir gekommen“.

Zwei vegan, zwei vegetarisch – und eine große Community

Rise Against is a fully vegetarian band

Zwei leben vegetarisch, zwei vegan                                                                                                                   Bild: (c) Universal Music

Wirken ihre politischen Meinungen nicht wie ein Handicap für kommerziellen Erfolg, eine Frage, die sich angesichts der Entwicklung der Band eigentlich schon beantwortet hat, aber wie ist das zu Beginn, bei einer jungen Band, erkundige ich mich. Tim meint dazu: „Doch klar, aber wir sind ja erst einmal Teil einer Community gewesen und sind das auch immer noch und dazu gehört, dass du ganz bestimmte Werte verkörperst, zu denen du  stehst. Punkt 1. Punkt zwei ist, dass wir ja nicht um des Geldes wegen Musik machen, sondern wir wollen die Musik spielen, die uns Spaß macht, mit den Inhalten, die uns wichtig sind. Wenn das erfolgreich ist und wir davon leben können, ist es umso besser.“. Ich hake gleich nach, denn gerade Themen wie Tierschutz und Tierrechte sind doch in unserer scheinindividuellen Gesellschaft hochgradig sperrig. Brandon greift das Thema auf und erklärt, das ihr Song „Ready To Fall“ von einem vorherigen Album diese Themen explizit behandelt und dennoch, oder gerade deswegen, einer ihre erfolgreichsten Songs geworden ist. „Klar, es gibt da nach außen extrem viele Reibungspunkte und nicht alle unserer Hörer interessiert, was wir singen, oder wo wir uns engagieren. Manche sagen schlicht, „Fuck off with that shit“. Aber, wie Tim schon meinte, wir haben da unsere Position und wir waren immer bereit das konsequent zu verfolgen, that’s it.

Vielseitig sozial engagierte Bandmitglieder

Aktuell setzt sich Rise Against zudem stark für das „It Gets Better“ Project gegen Homophobie und Mobbing unter Jugendlichen ein. Was steckt dahinter? Zach verweist auf das Lied „Make It Stop“ vom aktuellen Album, „da geht es um dieses Thema“. Die Hintergründe lägen grundsätzlich in der permanenten Diskriminierung von Minderheiten, und wie meistens seien die Schwächsten besonders betroffen, hier eben Jugendliche, die gerade als „Gays“ einen extrem schweren Stand hätten. „In letzter Zeit hat es da zahlreiche Selbstmorde in diesem Zusammenhang gegeben“, fügt er an und setzt noch hinzu, „wir erreichen als Band unglaublich viele Menschen und bringen solche Themen in die öffentliche Wahrnehmung, was könnten wir besseres machen“.

Wie steht es bei alldem um die Streitkultur in der Band selbst, interessiert es mich. Brandon findet: „Sicher, wir streiten bestimmt genauso viel, wie andere Bands auch, aber ich finde, es hat bei uns meistens etwas kreativ-Konstruktives und ich bin mir nicht sicher, ob das woanders auch immer so ist. Wir leben alle vegetarisch, wir interessieren und teilen viele politisch-gesellschaftliche Grundansichten und wir fühlen uns alle irgendwie gleich verantwortlich“, die anderen Bandmitglieder nicken, während Brandon zu Ende spricht, “dass wir immer recht schnell auf unseren gemeinsamen Nenner kommen.“

Lange Touren fordern sehr viel Disziplin

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Joe Principe, Tim McIlrath, Zach Blair, Brandon Barnes                                                                                     Bild: (c) Universal Music

Neun Monate im Jahr auf Tour, bleibt da noch mehr als nur Routine, das ist ein Frage die mich schon länger beschäftigt hat, besonders wegen der Motivation zu Höchstleistungen, die jeden Tag auf der Bühne gefordert ist. „Klar“, rufen alle Bandmitglieder und lachen, was sie oft und sichtbar gerne tun. Tim, der wirklich ein bisschen wie der „Kopf“ der Band wirkt, macht deutlich: „Routine gibt es schon, da sind all die Sachen vor und nach der Show. Das ganze Organisatorische, das Technische, das ist auch sehr wichtig, denn insgesamt sind solche Tourneen sehr unruhig und anstrengend. Da musst du dich auf Sachen absolut verlassen können, damit du dir die Kräfte richtig einteilen kannst.“ Zach schickt hinterher: Sie hätten ja auch freie Tage und würden sich dann natürlich die Städte anschauen, z.B. Berlin. Er lacht. Das mache enormen Spaß und bringe reichlich Abwechslung. Joe zählt auf: Fahren, Schlafen, Soundcheck, Spielen, Fahren, Schlafen, so geht das. Alles läuft, und ist darauf ausgerichtet, dass wir während unserer Shows wirklich frei im Kopf sind, damit wir so spontan wie nur irgend möglich spielen können. Wenn du dann auf die Bühne gehst, verändert sich dein energetischer Zustand – Wahnsinn, sage ich dir. Von den Menschen kommt da unheimlich viel rüber und das ist jeden Abend anders. Keine Show gleicht der anderen: „absolute no routine.“

Die Managerin hat auch noch was zu sagen

„Letzte Frage“, ruft nach einer halben Stunde leise, aber entschlossen, die Managerin von hinten. Wie das Essen auf der Tour ist, frage ich noch und verteile vegetarisch „Speisen auf Reisen“ Broschüren, worüber sich alle mächtig freuen. „Wir haben mittlerweile überall unsere Caterer, das klappt ausgezeichnet“, berichtet Tim. „Ich persönlich liebe Suppen, oder auch wie kürzlich in England, da war ein unglaubliches Buffet nur mit Sachen aus Asien aufgebaut. Ein echtes Highlight, das war auch noch alles vegan.“

Die Columbiahalle ist rappelvoll, vor der Bühne drängen sich die Fans freudig aneinander und auf der gegenüberliegenden Seite stehen Stände verschiedener Tierrechts- und Tierschutzorganisation – auch vom VEBU. Es gibt viele Gäste, die mit Tierrechts- und Veganstickern unterwegs sind. Die Message kommt an.

Nach der knackigen Vorband stürmt Rise Against die Bühne. Die grandiose Musik- und Lightshow beginnt und das Publikum tobt. Der Funke springt sofort über, als sich Tim McIlrath mit einem Bein auf eine Monitorbox stemmt, den Körper nach oben reckt und mit einem seiner berühmten Schreie kraftvoll die Berliner Nacht zerteilt.


©Guido Barth

Bilder von Universal Music (Pressebilder 2013)

Website: Rise Against

 

 

 

 


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