Schnabelkürz-Ausstieg: Geflügelwirtschaft bremst

Go vegan!

Die Kampagne der „Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt“ war erfolgreich.                                                                                                                                                                                                                        Fotocredit: (c) Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt

Millionenfach wird Legehennen in Deutschland der Schnabel mit glühend heißen Messern oder mit einem Laser gekürzt. Jetzt sind die Bundesländer Niedersachsen und Schleswig-Holstein aktiv geworden und haben diese Prozedur ab 2017 verboten; der Handel ist nachgezogen. Die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt begrüßt diese Entscheidung. Die Geflügelwirtschaft zeigt sich hingegen uneinsichtig.

65 Millionen Hennen betroffen

Ab dem 1. Januar 2017 soll die grausame Prozedur des Schnäbelkürzens ein Ende haben. Nachdem kürzlich Niedersachsen und Schleswig-Holstein per Erlass das Schnabelkürzen zum 31. Dezember 2016 untersagt haben, zog der Handel nach. Ihr Eier-Zertifizierer KAT (Verein für kontrollierte alternative Haltungsformen) akzeptiert ab dem 01.01.2017 nur noch Eier von Hühnern, denen der Schnabel nicht gekürzt wurde. Dies betrifft 65 Millionen Legehennen jährlich.

Geflügelwirtschaft uneinsichtig

Während die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt diese Entscheidung als wegweisend begrüßt, zeigt sich die Geflügelwirtschaft uneinsichtig. Friedrich-Otto Ripke, Vorsitzender der niedersächsischen Geflügelwirtschaft äußerte, nur ein vollkommene Verdunklung der Ställe könne dann Kannibalismus und Federpicken verhindern. Dies ist aber verboten.

Mahi Klosterhalfen, geschäftsführender Vorstand der Albert Schweitzer Stiftung bezeichnet das Verhalten der Geflügelwirtschaft als skandalös: »Die Verbraucher fordern schon lange ein Ende der tierquälerischen Bedingungen in der Nutztierhaltung. Politik und Handel gehen einen wichtigen Schritt. Jetzt müssen die Geflügelhalter den Tieren bessere, natürlichere Haltungsbedingungen bieten, unter denen keine Verhaltensstörungen auftreten.«

Schmerzhafte Prozedur

Die Haltungsbedingungen für Legehennen sind bislang so schlecht, dass die Hennen Verhaltensstörungen entwickeln und sich gegenseitig verletzen und töten. Um dies zu verhindern, wird den Küken in ihren ersten Lebenstagen ein Teil des Schnabels mit einem glühend heißen Messer oder einem Laser abgetrennt, eine äußerst schmerzhafte Prozedur, unter der die Tiere ein Leben lang leiden.

Seit Jahren setzt sich die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt für ein Ende dieser Amputationen unter gleichzeitiger Verbesserung der Haltungsbedingungen ein. Letzteres würde die Amputationen unnötig machen.

Die Stiftung fordert eine Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung und des Tierschutzgesetzes. Darüber hinaus fordert sie KAT auf, den eigenen Standard weiter zu verbessern, damit keine Verhaltensstörungen mehr entstehen.

Nachtrag: Warum erst 2017?

Auf unserer Facebook-Seite ist mehrfach die Frage aufgekommen, warum das Verbot erst im Jahr 2017 greifen wird. Dazu ist zu sagen, dass der Schnabelkürz-Ausstieg komplex ist. Das Schnabelkürzen zu unterlassen, ohne die Bedingungen zu verbessern, würde dazu führen, dass etliche Hennen sich gegenseitig verletzten und töten würden. Um das zu vermeiden, müssen sowohl grundlegende als auch individuelle Maßnahmen umgesetzt werden. Einen Ausstieg vor 2017 hätten wir deshalb auch nicht befürwortet. Damit der Ausstieg im Jahr 2017 gelingt, müssen sich die Landwirte schon jetzt intensiv vorbereiten. Deshalb halten wir das Taktieren des niedersächsischen Geflügelverbands auch für so gefährlich. Weitere Details finden Sie auf unserer Info-Seite zum Schnabelkürz-Ausstieg.

 


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