Stendal: Raubtierdompteur Alexander Lacey nach Löwenangriff im Krankenhaus

 

PETA kritisiert lasche Sicherheitsvorgaben und fordert Große Koalition auf, Wildtierverbot zu beschließen

Be vegan!

Bei Dompteur Alexander Lacey müssen Raubkatzen unnatürliche Zirkusnummern aufführen.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                            Fotocredit: © PETA Deutschland e.V.

Stendal / Stuttgart – Vergangenen Samstag wurde Raubtierdompteur Alexander Lacy während einer Vorstellung des Zirkus Charles Knie von einer Löwin angegriffen und durch einen Prankenhieb und Bisse schwer verletzt. Nachdem die Löwin aus dem Käfig geführt wurde, beendete er die Vorstellung. Anschließend wurde er mehrere Tage im Stendaler Krankenhaus behandelt. PETA übt scharfe Kritik an den Ordnungsbehör-den für die Tolerierung der mangelhaften Sicherheit bei Tiger- und Löwengehegen in deutschen Zirkusbetrieben.

Immer wieder werden Menschen durch Tiere im Zirkus verletzt, weil die Ordnungsbehörden dem Gefahrenpotenzial keinerlei Bedeutung beimessen. Angesichts des erneuten Unfalls fordert die Tierrechtsorganisation die Große Koalition auf, ein längst überfälliges Zirkus-Wildtierverbot zu beschließen.

Hohes Risiko

„Unfälle mit gefährlichen Tieren wie Tigern sind im Zirkus vorprogrammiert. Sowohl die lokalen Ordnungsbehörden als auch Zirkusangestellte handeln grob fahrlässig, denn die Gefahrenproblematik ist seit Jahren bekannt“, so Dr. Yvonne Würz, Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA. „Jedem Zirkusbesucher sollte klar sein, dass verhaltensgestörte Tiger, die ihr Leben lang mit der Peitsche zum Gehorsam gezwungen werden, unberechenbar sind.“

Häufige Zwischenfälle – besonders in Deutschland

Unfälle und Ausbrüche von Wildtieren wie Elefanten, Tigern oder Bären aus deutschen Zirkusbetrieben sind vielfach dokumentiert. Insgesamt kam es zwischen 2009 und 2017 zu mindestens 46 Ausbrüchen von Bären, Elefanten, Flusspferden, Großkatzen, Nashörnern und Primaten aus Zirkusbetrieben in Deutschland. Dabei wurden mehrere Menschen getötet und verletzt. EU-weit ist Deutschland sogar das Land mit den mit Abstand häufigsten Zwischenfällen mit Tieren aus Zirkussen [1]. Auch der Bundesrat verweist in seiner Entschließung für ein Verbot von Wildtieren im Zirkus (2016) auf die Gefahrensituation: „Ferner sind vermehrte Zwischenfälle mit den genannten Tierarten und Ausbrüche von Zirkustieren augenfällig, die auch die Bevölkerung immer wieder gefährden.“ Einen Grund dafür sieht die Länderkammer darin, dass die „eigentlich notwendige Einrichtung von ausreichend großen, ausbruchsicheren und artgerecht ausgestatteten Gehegen […] mit der Notwendigkeit zur fortwährenden Mobilität“ kollidiert. Zuletzt starb im August 2017 in Brandenburg ein Autofahrer nach einer Kollision mit zwei Wildrindern, die zuvor aus einem Zirkusgehege ausbrachen.

Wildtiere haben hohe Ansprüche

Alexander Lacey trat vor Jahren bei Zirkus Charles Knie auf und wechselte 2011 zu Ringling Bros. and Barnum & Bailey in den USA. Nachdem der US-Zirkus im Mai 2017 seine letzte Show aufführte, ist Lacey nun mit seiner Raubtierdressur zurück in Deutschland. PETA weist nachdrücklich auf die Gefahren hin: Erst im vergangenen Jahr entkam einer der Tiger während eines Transports in den USA, streifte durch bewohnte Siedlungen und wurde schließlich von der Polizei erschossen.
Wildtiere haben hohe Ansprüche an ihren Lebensraum, die in einem reisenden Zirkus nicht erfüllt werden können. Das natürliche Revier von Tigern umfasst in den dichten Wäldern Asiens mehrere hundert Quadratkilometer; sie haben einen enormen Bewegungsdrang und verfügen über hohe kognitive Fähigkeiten. Laut Artenschutzorganisationen leben heute nur noch etwa 3.200 der vom Aussterben bedrohten Tiere in freier Wildbahn.

Tiere sind keine Show-Nummern

PETAs Motto lautet in Teilen, dass Tiere nicht da sind, um uns zu unterhalten. Die Tierrechtsorganisation fordert ein grundsätzliches Verbot von Tieren im Zirkus, denn die Unterbringung in kleinen Gehegen, die ständigen Transporte sowie die von Gewalt und Zwang geprägte Dressur führen zu Verhaltensstörungen, Krankheiten und oftmals zu einem frühen Tod. Einer repräsentativen forsa-Umfrage vom Mai 2014 zufolge vertreten 82 Prozent der Deutschen die Auffassung, dass Wildtiere nicht artgerecht im Zirkus gehalten werden können. Bezüglich exotischer Wildtierarten spricht sich auch die Bundestierärztekammer für ein Verbot aus.

 

[1] Eurogroup for Animals (2017): Wild Animals in EU Circuses. Problems, Risks and Solutions. Online abrufbar unter: http://www.eurogroupforanimals.org/wp-content/uploads/E4A-Circus_Report-Digital-OK-v2.pdf?utm_source=PDF&utm_campaign=CircusReport.

 

 

 

 

Quelle: PETA

 

 


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