Taugen „Veganer“ noch als Feindbild?

Go vegan!

Go vegan!

Ich weiß selbst nach mehrfachem Betrachten immer noch nicht, ob ich die Karikatur (F.A.Z. von gestern, 26.03.2014) von Greser & Lenz richtig verstanden habe. Um ganz ehrlich zu sein, der Zusammenhang erschließt sich mir nicht wirklich. Der füllige Hauptfeldwebel, professionell spießig, sagt zu seinen fetten Rekruten, dass unter „Weigth Watchern“ und „Veganern“ keine Gefangenen gemacht würden.

Dass die Männer so fett sind, sei Folge der gelockerten Fitnessregeln, wie es unter der Karikatur geschrieben steht. Weiter steht da, dass die Bundeswehr ein neues Feindbild erhalte. Wie bitte, wird jetzt auf Veganer geschossen?

Taugen Veganer überhaupt noch als Feindbild? Veganerinnen (die Karikatur bezieht sich nur auf die männliche Variante) und Veganer „mutieren“ aktuell doch mehr und mehr zu Vorbildern. Jungs und Mädels, stark sein ohne Waffen: das wär doch Mal ein Slogan für eine peacige Welt – die leider immer noch märchenhaft weit weg ist.

Es ist wohl ein historisch-gesellschaftliches Phänomen, das eigentlich Gute als Feindbild zu stigmatisieren. Würde man das Gute als solches und vor allem auch als Erreichbares akzeptieren, müsste man sich tatsächlich auch praktisch darum bemühen – heucheln funktioniert dann nicht mehr. Das rein theoretische Ideal allein hätte ausgedient. Es wäre auch sofort Schluss mit der ausbeuterischen Bequemlichkeit. Was für ein Risiko. Und was passiert dann? Schulterzucken? Das reicht nicht. Wie wäre es damit: Fairness, Gerechtigkeit, Liebe, Freundschaft, Achtsamkeit, Rücksicht, Ruhe, Frieden und und und.

Vielleicht verstehe ich, der ich selbst vegan lebe, auch einfach nur die Welt nicht mehr. Ich jedenfalls plädiere für VeganerInnen als: Lebens-, Liebes-, Ethik-, Fitness- und Ernährungs-Coaches für: Bundeswehr, Schulen, Kitas, Seniorenheime, Krankenhäuser und Politiker. Wen ich vergessen habe, dem steht es frei, sich selbst dieser Liste hinzuzufügen. Ich möchte Greser & Lenz, die Autoren der Karikatur, auch nicht unterschätzen. Vielleicht hatten sie Ähnliches im Sinn, zuzutrauen ist es ihnen allemal. Sie sind bei „Titanic“ groß geworden.

Der erste Blick auf die Karikatur ließ mich doch Schmunzeln (Mein Humor!). Es hat mich wirklich amüsiert, dass „vegan“ schon so prominent gehandelt wird, dass es neben regelmäßigen Artikeln und schön bebilderten Rezeptserien in Zeitungen und Zeitschriften und Kochshows im Fernsehen jetzt doch schon so ernst genommen wird, dass man sich die vegane Lebensweise in jedweder Form immer öfter auch in Karikaturen zu Nutze macht. Weiter so.