Tierquälerei und Plünderung der Natur beenden: PETA startet Online-Petition für Verbot der „Terraristika“

NRW-Umweltministerium, Stadt Hamm und Bundesagrarministerium sollen Reptilienbörse stoppen

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Tierquälerei und Ausverkauf der Natur auf der „Terraristika“                                                                  Fotocredit: © PETA Deutschland e.V.

Hamm / Stuttgart – Vier Mal im Jahr, so auch am morgigen Samstag, findet in Hamm die weltweit größte Reptilienbörse „Terraristika“ statt. Dort werden massenweise Reptilien, Amphibien und Insekten in kleinen Plastikboxen wie auf dem Trödelmarkt verramscht. Exotische Säugetiere finden sich ebenfalls im Angebot. Die Börse steht neben der Tierquälerei auch in der Kritik, weil in den Zentralhallen Hamm und in deren Umkreis immer wieder mit streng geschützten Arten gehandelt wird.

Viele der angebotenen Tiere sind Wildfänge, sodass für die „Terraristika“ die letzten Regenwälder und Savannen geplündert werden, um die Nachfrage der Szene zu bedienen. Obwohl mehrfach illegale Parkplatzgeschäfte und zahlreiche Tierschutzverstöße dokumentiert wurden, drücken die örtlichen Behörden regelmäßig beide Augen zu – auch weil die Börse ein bedeutender Wirtschaftsfaktor ist. Daher fordert die Tierschutzorganisation PETA nun die Verantwortlichen der Stadt Hamm, die Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen und das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft in einer Petition auf, die Börse endlich zu verbieten.

„Wir befinden uns inmitten eines gigantischen Artensterbens und auf der ‚Terraristika‘ findet der Ausverkauf der Natur vor unseren Augen statt. Im Minutentakt werden auch geschützte Arten über die Verkaufstische gereicht. Händler geben zudem Tiere an Besucher ab, die sich spontan – und oft ohne jegliche Fachkenntnisse – für den Kauf der Exoten entscheiden“, so Jana Hoger, Fachreferentin bei PETA. „Wir fordern die zuständigen Politiker auf, diese arten- und tierschutzwidrige Veranstaltung umgehend zu verbieten.“

Tierquälerei für Reptilienbörsen

Eine im August 2016 von PETA veröffentlichte, international übergreifende Recherche offenbarte erstmals Einblicke in den skrupellosen Handel mit Reptilien, die für den deutschen Heimtiermarkt bestimmt sind. Bildmaterial dokumentiert massenhaft tote, verletzte oder jahrelang in Plastikboxen eingesperrte Tiere bei deutschen Großhändlern und deren internationalen Zulieferern. Bis zu 70 Prozent der empfindlichen Exoten sterben bereits durch Stress, Unterversorgung oder transportbedingte Verletzungen, bevor sie überhaupt in den Handel kommen [1].

Auf Exotenbörsen wie der „Terraristika“ werden Reptilien oftmals zu Billigpreisen angeboten und enden bei Abnehmern, die ihren hohen Ansprüchen an Temperatur, Lebensraum und Ernährung in keiner Weise gerecht werden können. Eine artgerechte Haltung von Reptilien ist in Gefangenschaft nicht möglich. Viele Exoten in Privathand sterben frühzeitig. Eine tierärztliche Fallstudie, bei der rund 150 verstorbene Reptilien untersucht wurden, kam zu dem Ergebnis, dass 51 Prozent der Tiere an Krankheiten litten, die auf die mangelhafte Tierhaltung zurückzuführen waren [2].

Kommunale Verbote von Exotenbörsen

Passau hat im Oktober 2016 beschlossen, keine Veranstaltungen in städtischen Hallen zuzulassen, die der Zurschaustellung und dem Verkauf exotischer Tiere dienen. Auch die Stadt Bad Oeynhausen lässt keine Reptilienbörsen in kommunalen Gebäuden mehr zu. Im Koalitionsvertrag der vergangenen Bundesregierung (2013) war ein Verbot gewerblicher Tierbörsen für exotische Tiere bereits vorgesehen, wurde aber nicht umgesetzt.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.

 

[1] Toland, Elaine / Warwick, Clifford / Arena, Phillip (2012): Pet Hate. In: The Biologist, Vol. 59 No. 3.

[2] Schmidt, Volker (2008): Die Bedeutung von haltungs- und ernährungsbedingten Schäden bei Reptilien. Eine retrospektive pathologische Studie. 4. Leipziger Tierärztekongress.

 

 

 

 

 

Quelle: PETA