„Tierversuche müssen draußen bleiben“ // Erstes tierversuchsfreies Medizinjournal

Be vegan!

In-vitro Verfahren gehört die Zukunft in der experimentellen tierversuchsfreien Forschung.
                                                                                                                                                                                                                                                                                             Fotocredit: (c) Ärzte gegen Tierversuche e.V.

Tierversuche müssen draußen bleiben – damit stellt sich ein medizinisches Fachjournal gegen das Establishment, bei dem Tierversuche immer noch Standard sind. The Turkish Journal of Gastroenterology veröffentlicht ausschließlich klinische und In-vitro-Studien und verweigert Artikel mit tierexperimentellem Inhalt. In einem jetzt erschienenen Editorial geht die Chefredaktion in die Offensive und fordert andere Fachzeitschriften heraus, auch „cruelty-free“ zu werden.

Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche lobt dies als mutigen und wegweisenden Schritt hin zu einer tierversuchsfreien Forschungskultur.

Das Veröffentlichen von Artikeln in medizinischen Fachzeitschriften ist der Hauptmotor in der Forschung. Karriere, Gelder und damit weitere Forschungen hängen von der Länge der Publikationsliste eines Wissenschaftlers und den sogenannten Impactfaktoren ab, die das Ansehen eines Journals bezeichnen. „Ergebnisse aus Tierversuchen in Fachblättern mit hohem Impactfaktor zu veröffentlichen, geht besonders leicht, denn es gibt hunderte zur Auswahl“, erklärt Dr. med. vet. Corina Gericke. „So können Forschungsgelder akquiriert und in neue Tierversuche gesteckt werden. Ein absurder Kreislauf, der sich selbst erhält“.

Positiver Wandel des Forschungssystems angestrebt

Jetzt durchbricht ein türkisches Medizinjournal diesen Teufelskreis, indem es Artikel mit tierexperimentellem Inhalt verweigert. In seinem Editorial* nennt Chefredakteur Hakan Sentürk die Gründe: „In Anbetracht der Defizite des Tiermodells führt die Veröffentlichung von Tierstudien zu weiterer nutzloser Forschung und gibt der Öffentlichkeit falsche Hoffnung. Das ist unethisch. The Turkish Journal of Gastroenterology ist frei von Grausamkeiten…und wir glauben, dass wir mit dieser Politik einen positiven Wandel im derzeitigen Forschungssystem und damit einen dringend erforderlichen medizinischen Fortschritt befördern können.“

Die Kritik am Tierversuch begründet Sertürk unter anderem mit einer inzwischen bei 95% liegenden Versagerquote von tiergeprüften neuen Arzneien. Das heißt, dass 19 von 20 neuen, ausgiebig an Tieren getesteten Wirkstoffkandidaten im Test am Menschen durchfallen. In manchen Bereichen liegt die Quote gar bei 100%. So kam kein einziges von 100 im Tierversuch vielversprechenden Schlaganfallmedikamenten durch die klinische Phase, d.h. Tests am Menschen. „Als Wissenschaftszeitschrift kommt uns eine besondere Rolle zu, zukünftige Entwicklungen in die richtige Richtung zu lenken“, schreibt Sertürk.

Die Ärzte gegen Tierversuche gratulieren dem türkischen Kollegen, der sich an den Verein gewandt hatte, zu dem wegweisenden Schritt. „Wir fordern die Redaktionen aller Fachjournale auf, endlich ebenfalls die Zeichen der Zeit zu erkennen und Tierversuchsarbeiten draußen zu lassen“, schließt Gericke.

 

* Hakan Sentürk: Moving beyond animal models. The Turkish Journal of Gastroenterology. Sep. 2015: 26(5); Editorial A-X

 

 

 

Quelle: Ärzte gegen Tierversuche


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