Torbjörn Tännsjö: Zur Ethik des Tötens // Neue Anstöße zur Reflexion eines umstrittenen Problems

Be vegan!

Torbjörn Tännsjö, bekannter schwedischer Philosoph.                                        Cover: (c) LIT

Torbjörn Tännsjö ist einer der bekanntesten zeitgenössischen Philosophen Schwedens. Er ist Professor für „Praktische Philosophie“ an der Stockholmer Universität und hat in verschiedenen Bereichen umfangreich veröffentlicht: Moral-Philosophie, Politische Philosophie und Medizinische Philosophie.

In dem bereits seit 2006 vorliegenden Buch folgt er der Frage nach der „Ethik des Tötens“ (wann ist es falsch zu töten, wann vielleicht auch nicht?). Dazu hat der Autor in Norwegen, Schweden und Deutschland eine Meinungsumfrage in der Bevölkerung durchgeführt und stellt die Ergebnisse aus den einzelnen Ländern gegenüber.

Er wollte herausfinden, welche Einstellung die Menschen in bestimmten Situationen dem Töten gegenüber haben. Solche Situationen können sein: Abtreibung und Kindstötung, Euthanasie, Sterbehilfe, Todesstrafe, Tiertötung, Töten im Krieg.

Jedes einzelne dieser Probleme untersucht der Autor in abgeschlossenen Kapiteln und betrachtet dazu die Probleme unter vier Gesichtspunkten:

  1. Alltägliche Sicht
  2. Pragmatische Sicht
  3. Heiligkeit des Lebens
  4. Recht auf Leben

Die Argumente dieser unterschiedlichen Perspektiven bleiben oft miteinander unvereinbar, das spiegelt sich dann auch in der festgefahrenen gesellschaftlichen Diskussion wieder. So lehnen z.B. weder der „Pragmatische Ansatz“ noch der der „Heiligkeit des Lebens“ die Todesstrafe grundsätzlich ab, nach dem „Recht auf Leben“ geschieht das aber kategorisch. Auch aus Sicht von Lesern, die aus ethischen Gründen auf tierliche Produkte verzichten, scheint Tännsjös Fazit der Diskussion im Bereich der Tiertötung unbefriedigend, obwohl der Autor ausdrücklich auch auf die vegane und vegetarische Ernährung als Alternative verweist und die Philosophen Peter Singer und Tom Regan aufführt, die jedoch selber auseinandergehende und zum Teil umstrittene Ansätze vertreten. Ersterer wäre wohl eher dem „Pragmatischen Ansatz“ zuzuordnen, letzterer hingegen dem des „Rechts auf Leben“.

Aber das Ziel des Autors ist es auch gar nicht, unstrittige Ergebnisse zu präsentieren. Das Buch ist gerade deswegen so lesenswert, weil es ganz grundsätzlich aufzeigt, wie in unserer Gesellschaft mit dem Töten umgegangen, oder eben nicht umgegangen wird: weil gar nicht darüber nachgedacht wird (z.B. Tierschlachtung). Es werden in diesem Buch auch keine fertigen Argumentations-Schemata geliefert, die für die eine oder andere Seite Partei ergreifen, sondern Tännsjö beschränkt sich rein auf die Analyse aus Sicht der vier genannten Perspektiven.

Am Schluss äußert sich Tännsjö noch in einem Schlusswort. Dort betont er, dass die Leser dieses Buches – „selbständig“ – zu einem eigenen Schluss kommen mögen. Der Philosoph diskutiere ja nicht mit dem Ziel, zu einer einheitlichen Meinung zu führen, sondern in diesem Fall eine Diskussion, die in der Sackgasse stecke, mit „Anstößen“ neu zu beleben – wie es der Untertitel des Buches schon andeutet. Wer dieses Buch lesen möchte, der braucht keine philosophischen Vorkenntnisse.

 

Be vegan!

Torbjörn Tännsjö, bekannter schwedischer Philosoph.                                          Cover: (c) LIT

Torbjörn Tännsjö

Zur Ethik des Tötens

Neue Anstöße zur Reflexion eines umstrittenen Problems

Reihe: Ethik in der Praxis / Practical Ethics – Kontroversen / Controversies

Bd. 25, 2006, 168 S., 16.90 EUR, br., ISBN 3-8258-9704-4

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