Vegan leben, Diabetes heilen: Pilotprojekt Marshall-Inseln

Guido Barth trifft: Brenda Davis, Ernährungsexpertin aus den USA (Archiv)

Author of books about vegan nutrition

Brenda Davis, Ernährungsexpertin
                                   Foto by ©Kevin Trowbridge

Brenda Davis ist eine bekannte amerikanische Ernährungsexpertin und Buchautorin. Sie wurde 2007 in die „Vegetarian Hall of Fame“ aufgenommen. Bereits 2005/6 hat sie ein Pilotprojekt auf den Marshall-Inseln (Süd-Pazifik) initiiert und mit auf den Weg gebracht. Die Menschen haben dort bis zum zweiten Weltkrieg recht gesund gelebt. Nach dem Krieg kam es dann zu Ernährungseng-pässen. Die Amerikaner haben dann tonnenweise Weißmehl-Prokukte und extrem zuckerhaltige Nahrungsmittel geliefert. Die Bevölkerung wurde schnell übergewichtig. Eine vormals gesunde Bevölkerung ist völlig degneriert. Die begleitende Studie wurde erstellt in Zusammenarbeit mit dem Marshall Islands Ministry of Health und der Loma Linda University.

Brenda, was ist das größte Problem bei Diabetes?

Übergewicht. Übergewicht ist verantwortlich für die epidemische Ausbreitung von Diabetes. Das gilt nicth nur in dem extremen Fall der Marshall Inseln, sondern überall auf der Welt, wo die Ernährung in den letzten Jahrzehnten katastrophal schlechter geworden ist.

Woran liegt das in erster Linie?

Das liegt an dem hohen Anteil hochverarbeiteter Nahrungsmittel – vor allem die Mengen an raffiniertem Zucker, die wir essen. Dazu kommen die fetthaltigen tierischen Produkte. Viele Menschen essen so gut wie gar nichts Frisches mehr.

Was passiert dann im Körper?

Der Körper muss immer mehr Insulin ausschütten und wird in der Folge resistent dagegen. Die permanente Insulinauschüttung überfordert natürlich die Drüsen, bis schließlich nicht mehr genug produziert wird und Insulin gespritzt werden muss.

overweight is the biggest problem

Participants at the project

Was genau habt ihr auf den Marshall Inseln – das ist ja wie ein Pilotprojekt, erreicht?

Wir haben 2005 auf den Marshall Inseln für acht Monate unser Programm praktiziert.
Bereits nach wenigen Wochen konnten viele Teilnehmer ihre Medikamenten-Dosis deutlich reduzieren oder sogar ganz absetzen. Das haben wir ausschließlich über die vegane Ernährung und über unser Bewegungsprogramm erreicht. Wenn du dir vergegenwärtigst, dass bis dahin nur mit Pharmazie und Operationen behandelt wurde, ist das doch sensationell. Fast schon zynisch ist es, dass sich Operationen nur Leute leisten konnten, die auch Geld haben. Unser Ernährungs- und Bewegungsprogramm hingegen kann sich jeder leisten.

Was ist aus dem Programm geworden?

Das läuft weiter. Wir haben Leute vor Ort soweit ausgebildet, dass sie in unserem Sinne die Arbeit dort fortgesetzt haben und das immer noch machen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten wegen großer Skepsis mit den Ärzten vor Ort, arbeiten wir mit einigen von ihnen schon recht gut zusammen.

Bei soviel Erfolg drängt sich bei mir sofort die Frage auf, warum wird das Programm nicht weltweit und flächendeckend praktiziert?

Das Gesundheitswesen ist, ich nenne das Mal so, ein allopatisches Model. Wir sprechen auch von Schulmedizin, wo viele Medikamente eingesetzt werden und wo viel operiert wird. Unsere Aufgabe ist es, das wir einen Weg finden, wie unser veganes Model in dieses System integriert werden kann.

Ich verstehe, wie stehen denn da die Chancen?

Ich kenne noch ein paar andere Programme, die unserem ähnlich sind und wir sehen da ein ganz großes Potential – aber es ist sehr schwierig. Rezepte schreiben ist auch viel einfacher. Unsere Herangehensweise erscheint erstmal wesentlich zeitaufwändiger und damit ergibt sich ein logistisches Problem.

vegan food diet to cure diabetes

Fresh-simple-healthy

Wie haben die “Patienten” selbst auf die neue Ernährungsweise reagiert, bzw. wie auf ihren neuen Lebensstil?

Das hat uns eigentlich am meisten erstaunt: Sehr gut. Stell dir vor, dass die Menschen bis dahin immer nur abgepacktes fades Zeug gegessen hatten. Wir haben dann angefangen und die Mahlzeiten gemeinsam frisch zubereitet und immer mit Kräutern und Gewürzen verfeinert. Die Teilnehmer waren begeistert. Auch das Bewegungsprogramm hat viel Anklang gefunden. Wir haben zu Beginn ganz leichte Übungen ausgeführt und das allmählich gesteiger. Die Menschen waren alles in allem täglich über fünf Stunden bei uns in der Klinik – und begeistert bei der Sache.

Welche körperlichen Reaktionen hat es bei der Ernährungsumstellung gegeben?

Das war eher harmlos, wenn du bedenkst, dass die bisherige „normale“ Ernährung der Menschen täglich ca. fünf Gramm Faserstoffe geliefert hatte und auf einmal waren es 50 Gramm. Nur hin und wieder litten einige Teilnehmer an Blähungen. Wir haben das regelmäßig erfragt, um sicher zu gehen, dass das aus Scham nicht verschwiegen wird.

Woraus bestanden denn die Mahlzeiten?

Hafer, Bohnen und einheimische Gemüse, Kürbisse etc.. Die Menschen haben von uns gelernt, dass sie sich von dem ernähren, was lokal wächst. Das war schon nötig, weil die Familien nur wenig Geld zur Verfügung haben. Geld ist da wirklich ein Problem.

Brenda, herzlichen Dank und weiterhin viel Erfolg für Deine wunderbare Arbeit.

 

©Guido Barth
Foto 1:©Kevin Trowbridge
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Weblink:
zur Website von Brenda Davis

vegan and raw and fresh

Co-authors: Brenda Davis and Vesanto Melina

Bücher von Brenda Davis und Vesanto Melina:

Defeating Diabetes CoverBecoming Raw

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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